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Seitenwagen-Rennen bei Isle of Man TT abgesagt: Alle Hintergründe

Die Seitenwagen-Rennen bei der Isle of Man TT sind abgesagt worden - Offenbar ist eine Sicherheitsmaßnahme nach hinten losgegangen

Seitenwagen-Rennen bei Isle of Man TT abgesagt: Alle Hintergründe

Nach einem Unfall der Titelverteidiger Callum und Ryan Crowe, Seitenwagen wurden die Seitenwagen-Rennen gestrichen

Foto: Isle of Man TT

Nach zwei schweren Zwischenfällen während der Trainingswoche hat die Rennleitung der Isle of Man TT eine historische Entscheidung getroffen: Die gesamte Seitenwagen-Klasse wurde für den Rest der Veranstaltung 2026 komplett ausgesetzt.

Vorausgegangen waren Unfälle von Maria Costello und Beifahrer Shaun Parker sowie jener der Favoriten Ryan und Callum Crowe, die am Streckenabschnitt Crosby Leap verunglückten. Es handelte sich um Unfälle durch Unterluft.

Besonders brisant: Vor der Saison 2026 wurde der Luftmengenbegrenzer radikal von 38 auf 27,5 Millimeter reduziert. Das drosselt die Motorleistung der Gespanne, um die immer weiter steigenden Geschwindigkeiten in den Griff zu bekommen und für vermeintlich mehr Sicherheit zu sorgen.

Im Fahrerlager wird nun jedoch vermutet, dass Teams diesen Leistungsverlust durch radikalere Aerodynamik-Konzepte auszugleichen versuchten. Die ungewollte Folge: Die Gespanne reagierten an den extrem schnellen Sprungkuppen und bei Windböen aerodynamisch instabil und drohten abzuheben. Aus diesem Grunde sind die Rennen nun für dieses Jahr abgesagt worden.

Das offizielle Statement im Wortlaut

Die Veranstalter veröffentlichten zu der Entscheidung folgende offizielle Stellungnahme in voller Länge:

"Nach einem Vorfall mit einem Seitenwagen-Team während des dritten Qualifyings der Isle of Man TT-Rennen 2026 leitete die Rennorganisation eine sofortige technische und operative Überprüfung ein, um die Umstände des Vorfalls und die weitere Teilnahme der Seitenwagen-Klasse an der Veranstaltung zu bewerten. Im Anschluss an diese Überprüfung wurde in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter die Entscheidung getroffen, die Seitenwagen-Klasse für den Rest der Isle of Man TT-Rennen 2026 auszusetzen."

"Diese Vorsichtsmaßnahme wurde im Interesse der Sicherheit der Teilnehmer und Zuschauer getroffen und spiegelt die Verpflichtung der Rennorganisation wider, bei jedem Vorfall alle Aspekte der Veranstaltungssicherheit und der operativen Durchführung zu überprüfen."

"Alle an der Veranstaltung beteiligten Seitenwagen-Teilnehmer und Teams wurden von den Rennfunktionären über das Ergebnis der ersten Überprüfung und die nächsten Schritte des Bewertungsprozesses informiert. Wir erkennen die langjährige Geschichte des Seitenwagen-Rennsports bei der TT sowie das Engagement der in dieser Klasse involvierten Teilnehmer, Teams und Unterstützer an. Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen. Die Sicherheit von Teilnehmern, Zuschauern, Streckenposten, Offiziellen und allen an der Veranstaltung beteiligten Personen muss jedoch oberste Priorität haben."

Reaktionen zwischen Frust, Verständnis und Zukunftssorgen

Die Entscheidung traf das Fahrerlager hart. In Gesprächen mit Manx Radio schwankten die Emotionen zwischen tiefer Enttäuschung und absolutem Verständnis für die schwierige Lage der Rennleitung.

Für viele Teams, die ein ganzes Jahr harte Arbeit und private Ersparnisse in das Event investieren, ist die plötzliche Absage katastrophal. Ross Buchanan und Adam Evans vom Bull Inn Racing Team bezeichneten die Entscheidung als "völlig niederschmetternd".

Auch das Eclipse Racing Team rund um Anthony McDonnell und Derek Lynch zeigte sich tief enttäuscht und äußerte Unverständnis darüber, dass sofort das gesamte Starterfeld gestrichen wurde, anstatt intensiv nach einer alternativen technischen Lösung zu suchen.

Andere Piloten stärken der Rennleitung jedoch öffentlich den Rücken. Patrick Farrance betont, dass es angesichts der Vorfälle die absolut richtige Entscheidung sei. Wenn ein Fahrzeug bei fast 260 km/h aerodynamischen Auftrieb entwickle, werden selbst kleinste Fehler nicht mehr verziehen. Wenn sich Unfälle in dieser Form häufen, dürfe man die Warnsignale nicht ignorieren.

Auch Lee Crawford vom ARC-Team schließt sich an und gibt zu bedenken, dass die neuen Sicherheitsmaßnahmen für 2026 offensichtlich nicht den gewünschten Effekt erzielt hätten, weshalb man die Entscheidung vollauf unterstütze.

Derweil formiert sich auch außerhalb des Fahrerlagers Widerstand gegen ein mögliches dauerhaftes Aus: Fans haben bereits eine Online-Petition gestartet, um die Tradition der Seitenwagen auf der Isle of Man zu retten.

Ob und unter welchen technischen Auflagen die Dreiräder 2027 auf den Mountain Course zurückkehren können, werden die kommenden Analysen zeigen müssen. Rennleiter Gary Thompson betonte schnell, dass die Absage der Rennen nicht das Ende der Seitenwagen-Rennen auf der Isle of Man bedeuten und man die Klasse erhalten wolle.

Doch der Effekt der Schlagzeilen auf Sponsoren und weitere Stakeholder ist klar. Deshalb fordern erste Stimmen bereits ein "klares Bekenntnis" von den Organisatoren zur Zukunft der Seitenwagenklasse, die seit 1923 fester Bestandteil der TT sind.

Trainings: Harrison dominiert große Klassen

Abseits des Dramas um die Seitenwagen lief die Trainingswoche für die Solo-Klassen weitgehend bei perfekten Wetterbedingungen ab. Dabei kristallisierte sich schnell ein absoluter Top-Favorit für die großen Rennen heraus: Dean Harrison.

Der Honda-Werkspilot drückte den 1000er-Klassen (Superbike und Superstock) unmissverständlich seinen Stempel auf und fuhr in nahezu jeder Session die Bestzeit. Zum Abschluss der Trainingswoche am Freitag brannte Harrison auf seinem Superstock-Bike einen Durchschnitt von 135,484 Meilen pro Stunde (218.04 km/h) in den Asphalt, nur knapp unter Peter Hickmans Rekordrunde von 136,358 mph aus dem Jahr 2023.

Die Verfolger tun sich indes noch etwas schwer, die Pace von Harrison in den schnellsten Klassen voll mitzugehen. TT-Rekordsieger Michael Dunlop glänzte zwar mit enorm starken Rundenzeiten auf seiner Ducati in der Supersport-Kategorie und geht dort als klarer Favorit ins Rennen, hatte in den großen Hubraumklassen aber immer wieder mit technischen Problemen an seinen Motorrädern zu kämpfen.

Peter Hickman auf BMW und Josh Brookes, der im letzten Superbike-Qualifying noch eine sehr schnelle 132-mph-Runde nachlegen konnte, zählen ebenfalls zu den stärksten Anwärtern auf die Podestplätze.

Besondere Aufmerksamkeit zieht auch TT-Legende John McGuinness auf sich. Der Altmeister, der 2026 sein 30-jähriges TT-Jubiläum feiert, bewies mit souveränen Runden jenseits der magischen 130-mph-Marke, dass er weiterhin zu starken Leistungen imstande ist.

Erstes Todesopfer 2026: Daniel Ingham

Neben den Diskussionen um die Seitenwagen wurde die diesjährige Trainingswoche von einem schweren Schicksalsschlag überschattet. Der 33-jährige Brite Daniel Ingham aus Melton Mowbray verunglückte auf seiner ersten Runde in der dritten Qualifying-Session am Mittwochabend am Streckenabschnitt Doran's Bend tödlich.

Obwohl Ingham in diesem Jahr sein offizielles Debüt bei der Isle of Man TT feierte, war er keineswegs ein Neuling auf dem berüchtigten Mountain Course. Er verfügte über ein Jahrzehnt an Erfahrung beim Manx Grand Prix und krönte seine dortige Laufbahn 2024 mit einem Sieg im prestigeträchtigen Senior-Rennen.

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