Analyse: Jimmie Johnson und sein Playoff-Problem

Jimmie Johnson hadert mit dem neuen Chase-System, während Kyle Busch eine interessante Idee ins Spiel bringt.

Nein, 2015 war keine gute Saison von Jimmie Johnson.

Der sechsfache NASCAR-Champion gewann in Atlanta Saisonrennen Nummer zwei und hatte sein Playoff-Ticket damit sehr früh in der Tasche. Es folgten drei weitere Frühjahrs-Siege in Texas, Kansas und Dover. Den NASCAR-Sommer verbrachte sein Hendrick-Team mit einigen Setup-Experimenten. Johnson, sein Crewchief Chad Knaus und Co. konnten sich sicher fühlen.

Dann begann der Chase 2015 und plötzlich ging alles schief.

Eine defekte Dichtung an der Hinterachse bedeutete in Dover nur Rang 41. Die Monster-Mile hatte wieder einmal ihre Zähne gezeigt. Das frühe Aus in der Challenger-Round. Ein negativer Paukenschlag, der völlig überraschend kam. Statt Titel Nummer sieben nur Gesamtrang zehn.

Dementsprechend unzufrieden klang auch die nüchterne Johnson-Analyse im Rahmen der Champions Week von Las Vegas.

"Wir haben früh in der Saison gewinnen können", sinnierte Johnson. "Danach stand unser Fokus komplett auf dem Chase und wir flogen in Runde eins raus. Acht Monate haben wir uns darauf vorbereitet und dann scheitern wir aufgrund eines Pfennigteils. Das ist definitiv enttäuschend."

Der späte Erfolg im Chase-Rennen von Texas, Saisonsieg Nummer fünf, konnte da nur ein wenig Wiedergutmachung darstellen. Immerhin: "Wir hatten am Ende ein Momentum und es geht in die richtige Richtung."

Doch unter dem Strich war es viel zu wenig. "Ich behaupte nicht, dass ich von mir erwarte, jedes Jahr den Titel zu holen. Aber wir sollten ganz sicher in den Final-Four stehen. Das war nicht der Fall und daher war 2015 eine Enttäuschung."

Irgendwie Mitschwimmen

So hadert Johnson, der in früheren Chase-Zeiten die NASCAR-Szenerie deutlich dominierte, mit dem neuen Playoff-Prozedere.

"Diese Eliminationsgeschichte ist sehr komplex. Mental und sportlich. Wir sind so früh und so schnell rausgeflogen, dass wir gar nicht wussten, wie uns grade geschieht."

Der 40-jährige Kalifornier weiß: "Die mentale Seite war früher eine meiner Stärken. Über das Jahr hinweg aufbauen und immer besser werden, sodass du am Ende in den letzten zehn Rennen ein superstarkes Finish hinlegen kannst. Das gibt es nicht mehr."

"Jetzt geht es Schlag auf Schlag und du musst da irgendwie mitschwimmen. Alles ist ganz anders. Du kannst jetzt kein Gefühl mehr aufbauen, in dem du einen Titelgewinn förmlich spürst oder fühlst."

Nach zwei erfolglosen Johnson-Jahren ist es nicht gewagt, wenn man die Behauptung aufstellt, dass seine Hendrick-Mannschaft die großen Verlierer des neuen Chase-Systems sind. Zumindest bisher.

Drei Auscheidungsstufen mit jeweils drei Rennen und am Ende ein Finale mit vier punktgleichen Piloten. Jede Menge Spannung, jede Menge Drama, aber sportlich nicht immer fair.

Schutz für den Leader

So stellt sich die Frage nach dem Verbesserungspotenzial und da wirft der neue Champion Kyle Busch (Gibbs-Toyota) einen interessanten Vorschlag in den Ring.

"Ich glaube, wir sollten den Punkteführenden der regulären Saison besser schützen", sagte Kyle Busch in Las Vegas. "Wer nach 26 Rennen die Tabelle anführt, der sollte Chase-Runde Nummer eins automatisch überstehen."

Ein durchaus interessante Idee, denn auch Kevin Harvick (Stewart/Haas-Chevrolet) stand in der Challenger-Round kurz vor dem Aus. Den souveränen Leader der Regular-Season 2015 rettete nur sein Dover-Sieg. Also just in dem Rennen, in dem Johnson ausgerechnet auf einer seiner Spezialstrecken scheiterte.

Und es hätte eine sportlich faire Note, denn "wenn einer nach 26 Rennen die Punktewertung anführt, dann hat das schon den Stallgeruch des alten Formates", weiß Kyle Busch. "So etwas sollte belohnt werden."

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Cup
Fahrer Kevin Harvick , Jimmie Johnson , Kyle Busch
Teams Hendrick Motorsports
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