Analyse: Wie Toyota vom NASCAR-Titel profitiert

Nicht nur für Kyle Busch, auch für Toyota ist der Sprint-Cup-Titel der ganz große Wurf.

Kyle Busch hat sich am Sonntagabend die Krone im US-amerikanischen Motorsport aufgesetzt. Der 30-Jährige aus Las Vegas gewann seinen ersten Sprint-Cup-Titel. Mehr geht in der NASCAR nicht.

Für sein Team Joe Gibbs Racing ist es nach Bobby Labonte (2000) und zweimal Tony Stewart (2002 und 2005) die vierte große Meisterschaft.

Für Toyota ist es hingegen eine Premiere.

Und genau daran müssen sich jetzt viele Amerikaner gewöhnen: Der aktuelle NASCAR-Champion fährt für einen japanischen Konzern und Kyle Busch ist in diesem Spiel ohne jeden Zweifel das große Aushängeschild.

Er gewann im Frühjahr 2008 in Atlanta das erste Cup-Rennen mit Toyota-Power. Mittlerweile können die Japaner auf nicht weniger als 79 Sprint-Cup-Siege zurückblicken, Kyle Busch alleine sorgte für deren 30. Nun der erste Titel, der ganz große Wurf. Auch für Toyota.

FART, Pearl Harbour und die dunkle Seite

Ein Rückblick: Als Toyota zur Jahrtausendwende genug von der Formel 1 hatte und sich dem nicht ganz billigen NASCAR-Sport zuwandte, wurden die Japaner alles andere als mit offenen Armen empfangen.

Im Gegenteil.

Vor allem Jack Roush, der langjährige Teambesitzer der Ford-Werksmannschaft, lies einige derbe Sprüche vom Stapel. Unter anderem Sätze wie: „Wenn die Japaner Rennen fahren, dann ist es wie im Krieg.‟

Als sich Mitte 2012 sein langjähriger Pilot Matt Kenseth in Richtung Gibbs-Toyota verabschiedete, kommentierte Roush: „Er wechselt auf die dunkle Seite.‟

NASCAR-Veteran Jimmy Spencer verstieg sich angesichts des Toyota-Debüts in der NASCAR sogar zu einem ganz besonderen Bonmot: „Vergesst nicht, dass diese Hundesöhne einst Pearl Harbour bombadiert haben.‟

Auch die Mehrzahl der Fans war gegen Toyota. Der Höhepunkt war die Gründung der Interessensgemeinschaft „FART‟, zu deutsch: Der Pfurz. FART stand dabei für „Fans Against Racing Toyotas.‟

Dies alles, obwohl Toyota seinen Pickup-Truck, den Tundra, im texanischen San Antonio bauen lies und lässt. Den Camry, den späteren Cup-Kandidaten, montiert man in Kentucky. Und die NASCAR-Triebwerke entstehen im kalifornischen Costa Mesa.

Derzeit betreibt Toyota in den USA, nach eigener Aussage, nicht weniger als 14 Fabriken und hat 365.000 Jobs geschaffen.

2004 debütierte man sehr erfolgreich mit dem Tundra bei den NASCAR-Trucks, drei Jahre später folgte das Cup-Debüt mit dem Camry.

Toyota-Marketingchef Edward Laukes, erinnert sich gegenüber Bloomberg: „Trotzdem war auf den Parkplätzen rund um die Speedways weit und breit kein einziger Toyota zu sehen.‟

Jahrelange Aufbauarbeit

Das änderte sich, als man zur Saison 2008 das starke Gibbs-Team an Bord holte. Joe Gibbs hatte genug davon, hinter Hendrick und Childress die dritte Geige unter den Chevy-Teams zu spielen.

„Coach‟ Gibbs gewann als Trainer der Washington Redskins dreimal den Superbowl und baute danach sein eigenes NASCAR-Team auf.

Der Coach sagte damals: „Wenn wir bei General Motors geblieben wären, dann wären immer andere Leute vor uns gewesen.‟

Zusätzlich lockte Toyota mit jeder Menge technischer Unterstützung und mit dem üblichen jährlichen Millionen-Scheck, den auch Chevy und Ford an ihre NASCAR-Teams verteilen.

Selbst als Platzhirsch Tony Stewart, nach einer unglücklichen Saison 2008 und der Aussage: „Ich bin ein Chevy-Mann‟, seinen Hut nahm, ließ sich die Gibbs-Mannschaft nicht unterkriegen.

Man bastelte weiter unbeirrt an der Akzeptanz, nicht nur im Cup.

Kyle Busch gewann 2009 die damalige Nationwide-Serie, die zweite NASCAR-Liga. Toyota war maßgeblich an der Gründung von Kyle Busch Motorsports beteiligt.

„Ohne Toyota wäre das alles nicht möglich gewesen‟, erinnert sich der frischgebackene Champion an die Anfänge vor fünf Jahren. Kyle Busch fährt privat übrigens, wie könnte es auch anders sein, Lexus.

Der Wind dreht sich jetzt

Auch in Sachen NASCAR-Marketing lassen die hartnäckigen Japaner nicht nach. So wird zum Beispiel auf dem runderneuerten Daytona International Speedway das Toyota-Logo omnipräsent zu sehen sein.

Mit Furniture-Row-Racing und Martin Truex Jr. will man im Cup ein zweites bärenstarkes Toyota-Team aufbauen.

Durch diese Hartnäckigkeit kommen nicht nur große sportliche Erfolge. Auch der Image-Gegenwind beginnt sich nun zu drehen.

Klar gibt es in NASCAR-USA nach wie vor jede Menge alteingesessene Chevy- und Ford-Fans. „Aber die breite Masse ist auch offen gegenüber der Message, die Toyota gerade vermeldet‟, weiß Peter Laatz vom US-amerikanischen Meinungsforschungskonzern Repucom. „Weil sie NASCAR, Kyle Busch und ihre anderen Fahrer wirklich unterstützen.‟

Und ja, auch das hat sich nicht verändert: NASCAR-Fans zählen immer noch zu den loyalsten Käufern der Marken, die sich im NASCAR-Umfeld engagieren.

Ganz an der Spitze dieser Konzerne steht seit Sonntagabend nun Toyota.

Das hat auch Toyota-Marketingchef Laukes festgestellt: „Wenn du dich heute auf den Parkplätzen rund um die Speedway umsiehst, dann siehst du neben den Chevys und den Fords auch die Tundras, die Camrys und die Corollas. Jetzt sind wir ein Teil der Landkarte.‟

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