Michael Jordan zerrt NASCAR vor Gericht: Co-Besitzer Hamlin sagt aus
Der Rechtsstreit zwischen 23XI Racing, dem Team von NBA-Legende Michael Jordan, und NASCAR hat begonnen - Heftiger Schlagabtausch und erste Zahlen vor Gericht
Michael Jordan verklagt mit Denny Hamlin NASCAR
Foto: NASCAR NASCAR
Der Kampf um die Machtstrukturen im amerikanischen Stock-Car-Sport hat den Gerichtssaal erreicht. Am Montag begann vor dem Bundesgericht in Charlotte (North Carolina) die Verhandlung im Kartellrechtsstreit, bei dem es um nicht weniger als die Zukunft des Charter-Systems geht. Im Fokus steht dabei NBA-Superstar Michael Jordan, der mit seinem Team 23XI Racing die Speerspitze des Widerstands bildet.
Während eine neunköpfige Jury ausgewählt wurde, trat sein Geschäftspartner und NASCAR-Pilot Denny Hamlin als erster Zeuge in den Stand, um die Position der Kläger zu untermauern.
Der Rechtsstreit markiert eine historische Zäsur im US-Motorsport. Jordan und Hamlin werfen NASCAR gemeinsam mit Front Row Motorsports vor, ihre Monopolstellung missbraucht zu haben, um den Teams ein unfaires Charter-Abkommen zu diktieren. Weil sich die beiden Rennställe unter der Führung von Jordan und Bob Jenkins weigerten, den neuen Vertrag für die Saison 2025 zu unterzeichnen, klagen sie nun gegen die Organisation.
Denny Hamlin im Zeugenstand
Jordan, dessen Einstieg in die NASCAR dem Sport weltweite Aufmerksamkeit bescherte, zieht gegen die Familie France zu Felde, um - so die Auffassung der Kläger - faire Wettbewerbsbedingungen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell für alle Teams zu erstreiten.

Denny Hamlin ist der zweite Besitzer von 23XI und sagte bereits aus
Foto: James Gilbert/Getty Images
Im Kreuzverhör lieferte Hamlin tiefe Einblicke in die massiven Investitionen, die das Jordan-Team seit seiner Gründung getätigt hat. Er erklärte, dass 23XI Racing für seine drei Charter-Lizenzen schrittweise Summen von 4,7 Millionen (rund 4 Millionen Euro), 13,5 Millionen (rund 12 Millionen Euro) und zuletzt 28 Millionen US-Dollar (rund 24 Millionen Euro) gezahlt habe.
Der Aufbau des Rennstalls, den er gemeinsam mit der Basketball-Ikone aus dem Boden stampfte, gipfelte in einem 35 Millionen Dollar (rund 30 Millionen Euro) teuren Hauptquartier in Huntersville. "Der durchschnittliche Aufwand, um ein Auto für ein Jahr auf die Strecke zu bringen, liegt bei 20 Millionen Dollar (rund 17 Millionen Euro; Anm. d. Red.)", rechnete Hamlin der Jury vor.
NASCAR kontert Vorwürfe
Die Gegenseite ließ diese Darstellung jedoch nicht unwidersprochen. John Stephenson, Anwalt der NASCAR, betonte in seinem Eröffnungsplädoyer die Vertragstreue der Serie. "NASCAR hat jeden Cent gezahlt, der den Teams in den neun Jahren geschuldet wurde", so Stephenson wörtlich.

NASCAR kontert jegliche Vorwürfe der beiden klagenden Teams
Foto: Sean Gardner / Getty Images
Er fügte hinzu: "Sie werden nicht hören, dass NASCAR sein Wort gegenüber den Teams im Rahmen der Charter-Vereinbarung gebrochen hat." Aus Sicht der Verteidigung seien die Vorwürfe der Kläger haltlos: "Hier geht es überhaupt nicht um wettbewerbswidriges Verhalten."
Hamlin machte im Zeugenstand jedoch deutlich, warum Jordan und er die Unterschrift unter den neuen Vertrag verweigert haben. Es gehe vor allem um das fehlende Mitspracherecht bei Entscheidungen, die die Teams finanziell belasten.
Machtkampf geht weiter
"Kalender, Auto-Änderungen, Regeländerungen - all diese Dinge wirken sich direkt auf unser Geschäftsergebnis aus", erklärte der dreimalige Daytona-500-Sieger. Als konkretes Beispiel nannte er das Rennen in Mexiko-Stadt, das für die Teams "belastend in Bezug auf Überstunden für Mitarbeiter und komplizierte Logistik" war.
Der Prozess unter der Leitung von Richter Kenneth D. Bell wird am Dienstag fortgesetzt, wenn Denny Hamlin erneut in den Zeugenstand gerufen wird. Bis ein Urteil fällt, bleibt offen, wie sich der Machtkampf zwischen der Basketball-Legende und der NASCAR-Führung auf die kommende Saison auswirken wird.
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