NASCAR Austin: Chase Elliott siegt bei Regen - Kritik nach Crashs

Regenreifen, schlechte Sicht und Abbruch bei NASCAR-Premiere auf Circuit of The Americas: Chase Elliott schwimmt zum Sieg - Routiniers üben heftige Kritik

NASCAR Austin: Chase Elliott siegt bei Regen - Kritik nach Crashs

Der EchoPark Texas Grand Prix, die erste Auflage eines Rennens der NASCAR-Topliga auf dem Circuit of The Americas (COTA) in Austin, stand am Sonntag im Zeichen von Regenwetter und schlechter Sicht.

68 Runden waren auf dem 5,5 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs mit seinen 20 Kurven geplant. Nach 54 Runden aber wurde das Rennen aufgrund von auf der Strecke stehendem Wasser abgebrochen und nicht mehr neu gestartet. Zuvor hatte es bereits aufgrund eines heftigen Crashs eine Rotphase gegeben.

FOTOS: EchoPark Texas Grand Prix in Austin

Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) lag zum Zeitpunkt des Abbruchs in Führung. Damit hat der Vorjahreschampion seinen ersten Saisonsieg 2021 und seinen insgesamt sechsten Sieg auf einem Rundkurs erzielt.

Mehr noch: Für Hendrick Motorsports ist es der 268. Cup-Sieg. Mit diesem hat man mit Petty Enterprises gleichgezogen und liegt gemeinsam mit erfolgreichsten Team der ersten NASCAR-Jahrzehnte nun gleichauf an der Spitze.

Die Verhältnisse am Sonntag in Austin aber - und insbesondere die Tatsache, dass trotzdem gefahren wurde - wurden von einigen Piloten zum Anlass für heftige Kritik an NASCAR genommen.

ERGEBNIS: EchoPark Texas Grand Prix in Austin

Heftige Kritik von Kevin Harvick in Richtung NASCAR

Kevin Harvick als einer derjenigen, die bei schlechter Sicht im Regen von hinten getroffen wurden, drückte sich nach seinem Ausfall noch während des Rennens klar und deutlich aus: "Wir haben nichts im Regen zu suchen, Punkt. Ich kann nur sagen, dass das die schlechteste Entscheidung ist, die wir jemals in unserem Sport getroffen haben, seit ich dabei bin. Ich habe mich in meiner gesamten Rennfahrerkarriere noch nie so unsicher gefühlt, Punkt."

Harvick ist in der aktuellen NASCAR-Szene derjenige Fahrer mit der größten Erfahrung. Das Rennen in Austin war für ihn bereits das 732. in der Topliga, aber das erste im Regen - sieht man mal von den wenigen Runden auf feuchter Piste beim Start des letztjährigen Rennens auf dem Charlotte-Roval ab.

Ein paar mehr Cup-Rennen als Harvick hat im aktuellen Feld einzig Kurt Busch (734) auf dem Buckel. Harvick aber hat über alle drei NASCAR-Ligen gerechnet sage und schreibe 1.203 Rennen auf dem Buckel. Damit ist der Cup-Champion von 2014 nicht nur in Reihen der Aktiven, sondern auch historisch der absolute NASCAR-Rekordhalter. Mit den Verhältnissen am Sonntag in Austin freilich waren die Routiniers bedient.

 

Beim Start war die Strecke weitestgehend trocken und der Großteil des Feldes entschied sich zum Start auf Slicks. Tyler Reddick (Childress-Chevrolet) startete erstmals in seiner Cup-Karriere von der Pole, fiel aber direkt in der ersten Kurve - der engen Bergauf-Links - an die vierte Position zurück. Austin Cindric im nur bei wenigen Saisonrennen eingesetzten, vierten Penske-Ford führte, gefolgt von William Byron (Hendrick-Chevrolet) und A.J. Allmendinger, der im Kaulig-Chevrolet ebenfalls nur ausgewählte Rennen bestreitet.

Heftiger Crash - Stage-Siege für Logano und Kyle Busch

Während die Spitzengruppe auf Slicks unterwegs war, hatten einige wenige Fahrer im Feld direkt für den Start auf profilierte Reifen gesetzt. Das sollte sich als die richtige Entscheidung herausstellen. Denn noch im Verlauf des ersten Rennsegments (Stage 1) begann es zu regnen. So rüsteten zahlreiche Fahrer unter Grün von ihren Slicks auf Regenreifen um. Den Stage-1-Sieg holte sich schließlich Joey Logano (Penske-Ford) vor Michael McDowell (Front-Row-Ford) und Kurt Busch (Ganassi-Chevrolet).

Im zweiten Rennsegment - als es weiterhin regnete und bereits zahlreiche Fahrer von der Piste abgekommen oder kollidiert waren - wurde die schlechte Sicht zum ernsthaften Problem. Auf der langen Gegengerade ging Michael McDowell vom Gas. Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota) rauschte von hinten heran, konnte das Verzögern seines Vordermanns aber zu spät sehen und krachte diesem ins Heck.

Sekunden später passierte das Gleiche nochmal, als Cole Custer (Stewart/Haas-Ford) aus dem gleichen Grund auf Truex Jr. auffuhr. Dessen Gibbs-Toyota wurde durch den heftigen Zusammenstoß in die Luft geschleudert, während Custer in die Streckenbegrenzung auf der linken Seite der Piste krachte.

 

Das Rennen wurde mit der Roten Flagge unterbrochen. Custer und Truex Jr. aber durften das Medical-Center der Strecke kurz nach dem obligatorischen Check schon wieder verlassen. Truex' Stellungnahme: "Man kann überhaupt nichts sehen. Man hämmert die Gegengerade entlang, schaltet hoch und betet einfach nur, dass da niemand ist."

"Urplötzlich sah ich ein Rücklicht vor mir blinken. Da war es aber schon zu spät. In dem Moment wollte ich eigentlich weiter Gas geben, weil ich wusste, dass hinter mir noch andere kommen würden. Und da wurde ich auch schon getroffen", so Truex Jr., um zum Schluss zu kommen: "Es ist einfach nur gefährlich, wenn man nichts sehen kann."

Nachdem der Restart im Anschluss an die Rotphase der erste war, der nach kurzfristiger Regelanpassung nur noch in Single-File-Formation vorgenommen wurde, führte Kyle Busch (Gibbs-Toyota). Und wenige Runden später holte er sich den Stage-2-Sieg vor Chase Elliott, Polesetter Tyler Reddick und dem anfänglichen Spitzenreiter Austin Cindric.

 

Das letzte Rennsegment war mit 36 Runden als länger geplant als die ersten beiden zusammen. Die Witterungsbedingungen aber wurden nicht besser - ganz im Gegenteil. 27 Runden vor Schluss bog Spitzenreiter Kyle Busch zusammen mit Verfolger Chase Elliott zum letzten Boxenstopp ab.

Anschließend gab es in Person von Kyle Larson (Hendrick-Chevrolet), Ross Chastain (Ganassi-Chevrolet) und Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet) kurzzeitig drei neue Spitzenreiter, weil sie nacheinander etwas länger draußen blieben, bis sie ihren letzten Boxenstopp einlegten.

Als 19 Runden vor Schluss schließlich auch Bowman zum Service kam, übernahm Elliott das Kommando. An Kyle Busch war er kurz nach dem zeitgleichen Boxenstopp der beiden vorbeigekommen. Inzwischen war der Regen so stark, dass die Fahrer mit Aquaplaning zu kämpfen hatten. An einigen Stellen der Strecke stand das Regenwasser buchstäblich und floss nicht mehr ab.

Zweite Rotphase bringt vorzeitigen Abbruch

Eine zweite Rotphase war die Folge. Und dabei blieb es. Weil der Regen nicht nachließ, und das stehende Wasser auch mit den Air-Titans nicht bezwungen werden konnte, entschied NASCAR nach einigen Minuten des Wartens, als die Fahrer bereits ausgestiegen waren, das Rennen vorzeitig abzubrechen.

 

Das Rennen geht mit dem Stand nach 54 von eigentlich 68 geplanten Runden in Wertung. Weil mehr als 50 Prozent der Distanz zurückgelegt wurden, gibt es volle Punkte. Chase Elliott hat seinen ersten Saisonsieg in der Tasche. Die Top 5 wurden komplettiert von Kyle Larson, Joey Logano, Ross Chastain und A.J: Allmendinger.

Polesetter Tyler Reddick legte im letzten Segment auf der nassen Piste einen Dreher hin und kam letztlich auf P9 ins Ziel. Vor ihm schlossen Chase Briscoe (Stewart/Haas-Ford), Michael McDowell und Alex Bowman ab. Kyle Busch blieb am Ende nur der zehnte Platz.

Die nächste Station im NASCAR Cup-Kalender 2021 ist am kommenden Sonntag das Coca-Cola 600 in Charlotte als das mit 600 Meilen längste Rennen der Saison.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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