Dale Earnhardt Jr. mit NASCAR-Abschied: "Fühle mich gut"

In Homestead geht an diesem Wochenende die Karriere des populärsten NASCAR-Piloten der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte zu Ende: Dale Earnhardt Jr.

"One Last Ride": Am Sonntag klettert Dale Earnhardt Jr. auf dem Homestead-Miami Speedway zum letzten Mal ins Cockpit eines Autos aus der höchsten NASCAR-Liga. Bäume konnte "Junior" in seiner letzten Saison keine ausreißen. Für den anfangs mit 16 Fahrern ausgetragenen Titelkampf, der nun im finalen Vierkampf gipfelt, kam Earnhardt Jr. mit seinem #88 Hendrick-Chevrolet nie ernsthaft in Frage.

Zu schwach war in der Saison 2017 die Performance des NASCAR-Publikumslieblings, der seit Jahren ein inoffizielles Abo auf den Titel des beliebtesten Fahrers hat. Seit 2003 nämlich hat Earnhardt Jr. den "Most Popular Driver Award" Jahr für Jahr gewonnen und die Chance ist groß, dass dies auch in seiner letzten Saison so sein wird. Damit würde er es auf 15 Titel in dieser Kategorie bringen, noch dazu in Folge. Einen echten Titel in Form des Champions hat "Junior" in der NASCAR-Topliga indes nie erreicht.

Die beste Jahresendplatzierung von Earnhardt Jr. war Rang drei in der Saison 2003 hinter Matt Kenseth, der nun zeitgleich mit ihm selbst abtritt und hinter dem inzwischen siebenmaligen Champion Jimmie Johnson. Im Gegenzug verpasste "Junior" in seinen 18 Jahren als Vollzeitfahrer auf der höchsten NASCAR-Bühne elfmal den Sprung in die Top 10 der Jahresendwertung. In der zweiten NASCAR-Liga aber hat es "Junior" in den Jahren zweimal (1998 und 1999) zu Meisterehren gebracht.

Homestead: "One Last Ride"

Ohne den Druck, ein Top-Ergebnis erzielen zu müssen, wird Earnhardt Jr. am Sonntag beim Ford EcoBoost 400 in Homestead sein 631. Rennen in der höchsten NASCAR-Liga bestreiten. Alles begann für den Sohn von NASCAR-Legende Dale Earnhardt im Mai 1999 beim Coca-Cola 600 in Charlotte. "Junior" pilotierte damals den von Budweiser gesponserten Chevrolet mit der Startnummer 8 aus dem familieneigenen Team Dale Earnhardt Inc. (DEI), mit dem er in seiner Rookie-Saison 2000 auf Anhieb ein Rennen gewann und zudem beim All-Star-Race (damals The Winston) triumphierte.

Den roten #8 Chevrolet fuhr Earnhardt Jr. bis einschließlich der Saison 2007 und steuerte ihn zu 17 Siegen. Anschließend erfolgte der Wechsel zu Hendrick Motorsports, wo "Junior" bis einschließlich seines nun angebrochenen letzten Rennwochenendes den #88 Chevrolet fuhr. Damit gelangen ihm neun weitere Siege. Zum Abschied aber kehrt noch einmal das legendärste Paint-Scheme seiner Karriere zurück, nämlich das Rot von Budweiser mit den schwarzen Streifen von DEI und der in Weiß gehaltenen Startnummer.

"Ich fühle mich ganz gut, habe gut geschlafen und freue mich, hier auf die Strecke zu gehen, um am Sonntag ein bisschen Spaß zu haben. Ich würde das Rennen gerne zu Ende fahren. Ein Ausfall wäre würde mir das Herz brechen", sagt Earnhardt Jr. am Freitag in Homestead, zwei Tage vor seinem letzten Rennen.

In diesem Zusammenhang offenbart er, dass er gute Chancen sieht, im kommenden Jahr nach Homestead zurückzukehren, um für sein eigenes Team JR Motorsports das Rennen der zweiten NASCAR-Liga (Xfinity-Serie) zu bestreiten: "Ich habe zwei, drei Rennen auf der Liste. Homestead ist ganz klar eines davon, denn ich liebe diese Strecke einfach. Ich liebe es, ganz oben an der Mauer zu fahren."

Abschied zusammen mit Matt Kenseth

Da an diesem Wochenende nicht nur er selbst, sondern auch Matt Kenseth seine Abschiedsvorstellung in der NASCAR-Topliga gibt, hält "Junior" fest: "Ich freue mich schon auf die Fotos zusammen mit Matt und unseren Autos hier." Auch Kenseth fährt an diesem Wochenende mit einem Paint-Scheme, das an jenes aus seiner Rookie-Saison erinnert. Wie im Falle von Earnhardt Jr., so war auch im Falle von Kenseth die Saison 2000 die Rookie-Saison.

Was die Zukunft generell betrifft, bemerkt "Junior": "Ich weiß noch gar nicht so richtig, worauf ich mich freuen soll. Ich lasse es einfach auf mich zukommen". Eines steht bereits fest: In der zweiten Hälfte der NASCAR-Saison 2018 wird Earnhardt Jr. als regelmäßig Co-Kommentator für den TV-Sender NBC auftreten.

Bei seinen bisher 630 Starts hat es Earnhardt Jr. auf 26 Siege, 149 Top-5-Platzierungen, 260 Top-10-Platzierungen, 15 Pole-Positions und 8.234 Führungsrunden gebracht. Zwei seiner 26 Siege erzielte "Junior" beim Daytona 500, das Vater Dale Earnhardt im Jahr 2001 zum Schicksal wurde. Der Junior triumphierte beim "Great American Race" in den Jahren 2004 und 2014.

Die beiden Siege von Earnhardt Jr. beim Daytona 500 waren die größten Erfolge in einer Karriere, die nicht immer von sportlichen Glanztaten lebte, aber stets von der immensen Unterstützung der riesigen Fan-Gemeinde, der "Junior Nation". Dies wurde nicht zuletzt 2016 deutlich, als Earnhardt Jr. aufgrund der Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung die halbe Saison verpasste. Allen voran als Dank an die Fans entschied er sich, 2017 ein Comeback zu geben und noch eine Saison dranzuhängen. Die Entscheidung zum Rücktritt am Saisonende gab er im April, und damit nur zwei Monate nach Saisonstart, bekannt. Der #88 Hendrick-Chevrolet wird in der kommenden Saison von Alex Bowman gefahren.

Übrigens: Bevor er am Sonntag zum letzten Mal ins Cockpit eines Autos aus der höchsten NASCAR-Liga klettert, hat Earnhardt Jr. am Samstag die große Chance, in der Xfinity-Serie den Titel als Teambesitzer zu erringen. Von den dortigen vier Finalteilnehmern fahren drei für JR Motorsports: Elliott Sadler, Justin Allgaier und der 2018 zu Hendrick Motorsports in die NASCAR-Topliga aufsteigende William Byron.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Cup
Veranstaltung Homestead
Rennstrecke Homestead-Miami Speedway
Fahrer Dale Earnhardt Jr.
Teams Hendrick Motorsports
Artikelsorte News
Tags abschied, cup, earnhardt jr., homestead, junior, karriereende, letztes rennen, nascar, rücktritt