NASCAR Sonoma: Souveräner Rundkurs-Sieg für Martin Truex Jr.
Vierter Sonoma-Sieg für Martin Truex Jr. nach überzeugender Vorstellung - Ein anderer gibt sein Cup-Renndebüt mit knapp zwölf Jahren Verspätung
Das Rundkurs-Rennen der NASCAR Cup Series 2023 war ein sauberes Rennen mit nur zwei Gelbphasen. Beide Cautions waren Zwischenfällen geschuldet, denn die sonst standardmäßigen Stage-Cautions gibt es auf Rundkursen seit Beginn der Saison nicht mehr.
Gewonnen wurde das Toyota / Save Mart 350 auf dem Sonoma Raceway nach souveräner Fahrt von Martin Truex Jr. (Gibbs-Toyota). Für ihn ist es der zweite Saisonsieg (nach Dover) und der vierte Sonoma-Sieg, wobei er die ersten drei allesamt für unterschiedliche Teams eingefahren hat.
2013 siegte Truex Jr. in Sonoma für Michael Waltrip Racing, 2018 für Furniture Row Racing und 2019 für Joe Gibbs Racing. Für das Team von "Coach" Joe Gibbs hat er nun abermals triumphiert. Rekordsieger auf dem kalifornischen Rundkurs bleibt dennoch Jeff Gordon mit fünf Siegen.
FOTOS: Toyota / Save Mart 350 in Sonoma
Nach Austin (Circuit of The Americas) Ende März war Sonoma nun das zweite Rundkurs-Rennen der Saison. Beide wurden von Toyota-Fahrern gewonnen. In Austin hatte sich 23XI-Pilot Tyler Reddick in einem ungleich turbulenteren Rennen durchgesetzt. In Sonoma waren die ersten vier Verfolger von Sieger Martin Truex Jr. allesamt Fahrer, die auf anderer Boxenstoppstrategie unterwegs waren.
ERGEBNIS: Toyota / Save Mart 350 in Sonoma
Von der Pole startete Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) mit Austin-Sieger Tyler Reddick (23XI-Toyota) direkt daneben in der ersten Startreihe. Hamlin gewann den Start gewann, während sich der von P4 gestartete Christopher Bell (Gibbs-Toyota) gleich in der ersten Rechtskurve als Zweiter einreihte.
Frühe Probleme gab es derweil für den Vorjahressieger. Daniel Suarez (Trackhouse-Chevrolet) ging von P9 ins Rennen, büßte im Verlauf der ersten Runde aber direkt 20 Positionen ein. Grund war ein Verschalter in dem Teil der Strecke, der die Kurzanbindung bildet.
Martin Truex Jr. mit dem schnellsten Auto
An der Spitze dauerte es nicht lange, bis aus der Führung für Joe Gibbs Racing und sofortiger Doppelführung sogar eine Dreifachführung wurde. Denn Martin Truex Jr. arbeitete sich vom achten Startplatz zügig auf die zweite Position nach vorn. Denny Hamlin aber war auch für ihn nicht so ohne Weiteres zu knacken.
Auf Rundkursen ist es seit Beginn der Saison üblich, dass die drei Rennsegmente (Stages) nicht mehr durch Gelbphasen voneinander getrennt sind. Stage 1 war auf 25 Runden, Stage 2 auf 30 Runden angesetzt. Weil es die erste Gelbphase im Rennen erst in Runde 50 (davongerolltes Rad in der Boxengasse) gab, lief Stage 1 komplett unter Grün ab und Stage 2 fast komplett unter Grün.
Den Stage-1-Sieg bei Renntempo holte sich Denny Hamlin vor seinen Teamkollegen Martin Truex Jr. und Christopher Bell. In der 33. Runde gelang es Truex Jr. dann doch, Hamlin von der Spitzenposition zu verdrängen. Es war ein hartes Stück Arbeit. Das Manöver zog sich über vier Kurven hin, bevor Hamlin doch nachgeben musste.
Nach einer ganzen Reihe von Boxenstopps, die kurz vor der zweiten Stage-Flagge unter Gelb eingelegt wurden, ging der Stage-2-Sieg unter Renntempo an Kyle Busch (Childress-Chevrolet), gefolgt von Joey Logano (Penske-Ford) und Ross Chastain (Trackhouse-Chevrolet). Das davongerollte Rad in der Boxengasse, das Auslöser für die Gelbphase und damit die veränderte Spitzengruppe war, stammte vom #38 Front-Row-Ford von Zane Smith.
Crash von Denny Hamlin sorgt für späten Restart
Die Gruppe mit Kyle Busch und Co., die im Vergleich zu Martin Truex Jr. und Co. sieben bis acht Runden früher an der Box gewesen war, konnte sich zwar ein paar Runden lang vorne halten. Letztlich waren aber auch Busch, der sich am längsten wehrte, die Hände gebunden. In der 63. Runde war Truex Jr. schon wieder Zweiter, sechs Runden später nahm er Busch die Führung ab und stellte damit die ursprüngliche Reihenfolge wieder her.
Ein dritter Boxenstopp stand für alle noch an. Als der von allen absolviert war, ging es mit Martin Truex Jr., Kyle Busch, dem von P3 gestarteten Michael McDowell (Front-Row-Ford), sowie Joey Logano und Chris Buescher (RFK-Ford) als Top 5 in den letzten Stint des Rennens.
Komplett unter Grün lief dieser letzte Stint aber nicht ab. 19 Runden vor Schluss gab es die zweite Gelbphase des Rennens. Auslöser war ein Crash des von der Pole gestarteten Denny Hamlin auf der Start/Ziel-Gerade.
Andere Autos waren nicht beteiligt, aber das Feld wurde infolge der Gelbphase nochmals zusammengeführt. Mehr noch: Spitzenreiter Truex Jr. und Co. kamen ein viertes Mal an die Box. Drei andere hingegen - Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet), 23XI-Pilot Tyler Reddick und Ryan Blaney (Penske-Ford) - blieben draußen.
So ging der letzte Restart mit Elliott und Reddick in der ersten Reihe über die Bühne. Truex Jr. nahm diesen Restart neben Blaney aus der zweiten Reihe unter die Räder. 15 Runden waren noch zu fahren. An Blaney und an Reddick kam Truex Jr. schon in den ersten Kurven nach dem Restart vorbei.
Truex Jr. feiert vierten Sonoma-Sieg
Und weil Truex' Reifen im Vergleich zu denen von Elliott 13 Runden weniger drauf hatten, war auch der Hendrick-Pilot leichte Beute für den Gibbs-Piloten. In der zweiten Runde nach dem Restart war auch Elliott fällig. Aber: Kyle Buschs Reifen waren genauso frisch wie die von Truex Jr.
So schienen die letzten zwölf Runden des Rennens zum Duell zu werden. Aber wie schon zuvor, so war der #19 Gibbs-Toyota auch in der Schlussphase das schnellste Auto. Martin Truex Jr. brachte seinen zweiten Saisonsieg 2023, seinen vierten Sonoma-Sieg und den fünften Rundkurs-Sieg seiner Karriere souverän ins Ziel.
Zweiter wurde nach der abweichenden Strategie Kyle Busch (gestartet von P12), Dritter Joey Logano (gestartet von P17), Vierter Chris Buescher (gestartet von P7) und Fünfter Chase Elliott (gestartet von P10). Die Top 10 wurden komplettiert von A.J. Allmendinger (Kaulig-Chevrolet), Michael McDowell, Kyle Larson (Hendrick-Chevrolet), Christopher Bell und Ross Chastain.
Vorjahressieger Daniel Suarez kam nach seinem anfänglichen Schaltproblem nicht über Platz 22 im Endergebnis hinaus. Der einzige Ausfall im Rennen: Polesetter Denny Hamlin nach dem späten Crash auf der Start/Ziel-Gerade.
Mit fast zwölf Jahren Verspätung: Cup-Renndebüt für Grant Enfinger
Ganz kurzfristig gab es für einen das Renndebüt in der NASCAR-Topliga. Grant Enfinger, der normalerweise in der Truck-Serie fährt, sprang im Cockpit des #42 Legacy-Chevrolet für Noah Gragson ein. Eigentlich wollte Enfinger schon vor fast zwölf Jahren - beim Saisonfinale 2011 in Homestead - sein Cup-Debüt geben. Damals aber scheiterte er an der Qualifikation für das Rennen.

Mit diesem Auto von George Sinica scheiterte Enfinger in Homestead 2011 an der Quali-Hürde
Foto: Eric Gilbert
Dass Enfinger nun in Sonoma beim Legacy Motor Club eingesprungen ist, liegt daran, dass Stammfahrer Noah Gragson verletzt ist. Bei ihm wurde einige Tage nach dem Crash vom vergangenen Sonntag in St. Louis eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Enfinger vertrat ihn in Sonoma mit Platz 26 im Rennergebnis mit 36 Autos. Ob Gragson beim nächsten Rennen wieder einsatzbereit sein wird, steht noch nicht fest.
Eben dieses nächste Rennen findet nicht in einer, sondern erst in zwei Wochen statt. Das kommende Wochenende nämlich ist das letzte rennfreie im Kalender der NASCAR Cup Series 2023. Gefahren wird dann am 25. Juni wieder, und zwar auf dem Nashville Superspeedway, der seit 2021 im Kalender auftaucht.
Mit Bildmaterial von Motorsport Images.
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