Was bitte ist der Driver-Code?

Erst Denny Hamlin, nun Carl Edwards: Als neuer, interner NASCAR-Begriff macht derzeit der Fahrer-Kodex die Runde ...

Der Begriff Payback und das NASCAR-Motto „Boys have at it“ waren und sind seit dem Martinsville-Wochenende Gegenstand zahlreicher, kontroverser Diskussionen. Nicht nur unter den Fans, auch bei den Aktiven.

So schlug sich zum Beispiel Denny Hamlin klar und deutlich auf die Seite seines gesperrten Gibbs-Teamkollegen Matt Kenseth – und lies sich dabei sogar in einem T-Shirt mit der Aufschrift #FreeMatt ablichten.

Hamlin legte gegenüber Fox Sports nach und brachte dabei einen neuen Begriff ins Spiel: den Driver-Code oder Fahrer-Kodex.

„NASCAR hat immer wieder gesagt, dass sie es gerne sehen, wenn die Piloten die Dinge selbst regeln“, sagte der Gibbs-Pilot. „Matt hat die Dinge selbst geregelt und dabei meiner Meinung nach den Driver-Code beschützt. Dieser Driver-Code existiert, seit es das Racing gibt und wird gerade stark kompromittiert.“

Eine genaue Definition dieses Begriffs blieb Hamlin jedoch schuldig, was auch beim Martinsville-Opfer Joey Logano einige Fragezeichen hinterließ.

„Ich glaube nicht, dass so einen Kodex gibt“, widersprach Logano. „Meiner Meinung nach hat jeder Pilot seinen eigenen Kodex. Keiner hat sich irgendwann hingestellt und diesen Kodex geschildert. Meiner Meinung nach nutzt jeder seinen gesunden Menschenverstand und genau darin besteht dieser Kodex.“

Natürlich ist der NASCAR-Sport in seiner 65-jährigen Historie gespickt mit Anekdoten aller Art. Vieles geschieht dabei hinter verschlossenen Türen, einiges dient vor allem der Legendenbildung und wieder anderes besteht einfach im klassischen Mythos der berühmt-berüchtigten ungeschriebenen Gesetze.

Auch die Geschichte vom Driver-Code?

Von einem Fahrer-Kodex also, der den jungen Gipfelstürmern vom Schlage eines Joey Loganos vom NASCAR-Establishment, zum Beispiel Matt Kenseth, beigebracht werden soll?

Mark Martin lehrt Carl Edwards

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. So sieht es jedenfalls Carl Edwards, der am Freitag in seiner Texas-Pressekonferenz darauf angesprochen wurde.

„Nein“, sagte der Gibbs-Pilot. „Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was das alles zu bedeuten hat. In so einer Situation geschehen so viele Dinge. Da ist es richtig schwierig, sich hinzustellen und zu sagen: Das ist der Grund, warum etwas passiert ist und so sollte es nun weitergehen. Das ist alles sehr komplex.“

Immerhin einen konkreten Hinweis gab Edwards. Eine Geschichte aus der Zeit, als er einer der jungen Gipfelstürmer der NASCAR war - und von einem Oldie zurechtgewiesen wurde. Mark Martin.

„Mark war einer meiner Mentoren und hat mir in meiner Karriere mehrfach geholfen. Es war in Bristol 2005 und da ist er mir im Rennen heftig ins Auto gefahren. Ich konnte einen Abflug gerade noch vermeiden. Ich wusste überhaupt nicht, was los war und rief ihn deswegen am Montag an.“

 

Carl Edwards, Roush Fenway Racing Ford, und Mark Martin, Hendrick Motorsports Chevrolet
Carl Edwards und Mark Martin

Photo by: Motorsport.com / ASP Inc.

„Ich sagte zu ihm: Erinnerst du dich daran, wie du mir hinten reingefahren bist? Gibt es etwas, das ich nicht weiß, was ich aber besser wissen sollte?“

„Er sagte: Nein. Aber in den letzten Rennen bist du sehr hart gefahren und ich dachte mir, dass du etwas zuviel in Anspruch nimmst. Ich dachte mir: Wenn du so Rennen fahren willst, dann sollst du auch so Rennen fahren.“

„Nein, antwortete ich. So will ich nicht Rennen fahren. Gut, sagte er. Dann lass es einfach sein und es gibt keinen Ärger. Wir sehen uns nächste Woche! Dann legte er auf und das war's.“

In der Saison 2005 war der junge Edwards ein Roush-Teamkollege von Altstar Mark Martin. Wenn dies ein Beispiel zum Thema Fahrer-Kodex war, dann hat Edwards damals seine Lektion gelernt.

„Auf der Strecke musst du deinen Gegner einfach so behandeln, wie du auf der Strecke gerne selbst behandelt werden willst.“

„Klar musst du immer das tun, was deiner Meinung nach in einer gegebenen Situation das Richtige ist. Jeder von uns hat schon einige dieser Entscheidungen getroffen. Manche waren richtig, manche waren definitiv falsch.“

Auch Edwards ist in Sachen Payback kein Unschuldsknabe. So beförderte er in Atlanta 2010 seinen damaligen Intimfeind Brad Keselowski mit einem Revanchefoul in einen unschönen Überschlag.

„Brad weiß, warum ich ihn abgeschossen habe“, kommentierte Edwards damals. „Ich wollte ihn aber keinesfalls in die Luft schicken.“ Damals wurde das Edwards-Auto sofort geparkt, zudem bekam er eine Bewährungsstrafe für drei Rennen aufgebrummt.

Edwards/Keselowski, Jeff Gordon/Clint Bowyer 2012 und nun eben Kenseth/Logano. Sich aufschaukelnde Rivalitäten und in der Folge eben Paybacks gab es im NASCAR-Sport schon immer. Auch in der jüngeren Vergangenheit.

Strafen dafür gab es im bisweilen so dehnbaren Graubereich der NASCAR auch in schöner Regelmäßigkeit. Neu im Fall Kenseth ist dabei nur die Sperre für zwei Rennwochenenden.

Und jetzt der öffentlich gemachte Begriff des Driver-Codes. Der allerdings noch ein wenig mehr Unterfütterung bräuchte...

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Rennserien NASCAR Cup
Fahrer Matt Kenseth , Carl Edwards , Denny Hamlin , Joey Logano , Mark Martin
Teams Joe Gibbs Racing , Team Penske , Roush Fenway Racing
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