"Bin bereit, um die Scherben aufzulesen" - Redding schreibt Titel noch nicht ab

Ducati-Pilot Scott Redding holt in Portimao mehr Punkte als Toprak Razgatlioglu und Jonathan Rea: Ist Redding am Ende der WSBK-Saison 2021 der lachende Dritte?

"Bin bereit, um die Scherben aufzulesen" - Redding schreibt Titel noch nicht ab

Scott Redding (Ducati) kassierte beim WSBK-Event in Portimao 49 von 62 möglichen Zählern und sammelte damit mehr Punkte als alle anderen Fahrer. Jonathan Rea (Kawasaki) und Toprak Razgatlioglu (Yamaha) ließen durch Stürze Punkte liegen.

In der Meisterschaft liegt Redding vor den beiden Überseerennen in Argentinien und Indonesien 54 Punkte zurück und kann sich noch Chancen ausrechnen, den Titel zu holen. Dafür ist er aber auf das Pech der beiden WM-Spitzenreiter angewiesen.

"Ich versuche es weiter. Man weiß nie, was passiert. Ich konnte es nicht fassen, als ich sah, dass Toprak in der gleichen Kurve gestürzt war wie Jonathan", kommentiert Redding nach dem finalen Rennen des Superbike-WM-Events in Portugal.

Die Stürze von Rea und Razgatlioglu machen die WM wieder offen

"Ich dachte mir, dass die WM dadurch wieder offener ist und dass die beiden es sich beim nächsten Rennen wieder geben. Ich stehe dann bereit, um die Scherben aufzulesen. Ich muss einfach nur konstant fahren", nennt Redding seine Strategie und betont: "Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist."

Jonathan Rea

Jonathan Rea flog am Samstag und am Sonntag ab, Toprak Razgatlioglu stürzte in Lauf 2

Foto: Motorsport Images

Das Duell zwischen Razgatlioglu und Rea intensivierte sich in Portimao. Die beiden WM-Rivalen lieferten sich auf der Strecke harte Duelle. Aber auch abseits des Renngeschehens wurden Feindseligkeiten ausgetauscht. In ihren Medienrunden kommentierten beide kritisch, was der andere treibt.

Nach den Siegen in den Hauptrennen feierten Razgatlioglu und Rea in den Auslaufrunden und schickten mehr oder weniger subtile Botschaften in Richtung des anderen. "Das sind kleine Psychospielchen", kommentiert Redding. "Diese Psychospielchen heute unterscheiden sich von früher, weil sich alle Fahrer auf einem sehr professionellen Niveau bewegen.

Scott Redding erneut bester Ducati-Pilot

Mit drei zweiten Plätzen holte Redding in Portimao das Maximum heraus. "Ich war das gesamte Wochenende bester Ducati-Pilot. Das muss ich im Hinterkopf behalten", bemerkt er. "Vor dem Wochenende sagte ich mir, dass ein Podium gut wäre."

Scott Redding

Scott Redding war in Portimao deutliche schneller als Teamkollege Michael Rinaldi

Foto: Ducati

"Dieser Kurs zählt nicht zu meinem besten Strecken. Ich lerne nach wie vor noch dazu. Ich denke nicht, dass der Kurs zu den Paradestrecken der Ducati zählt. Er ist nicht schlecht, aber er ist nicht unsere Lieblingsstrecke", erklärt Redding.

Kleiner Seitenhieb in Richtung Razgatlioglu

Im Sonntags-Rennen übernahm Redding die zweite Position, nachdem Razgatlioglu auf Grund eines defekten Kotflügels zu Sturz kam. "Vielleicht wurde das von den vielen Kollisionen mit anderen Fahrern verursacht (lacht; Anm. d. Red.)", kann sich Redding einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Toprak Razgatlioglu

Toprak Razgatlioglus Fahrweise kommt bei Scott Redding nicht gut an

Foto: Yamaha

Redding fuhr unmittelbar hinter Razgatlioglu, als der Türke stürzte. "Ich erkannte, dass etwas nicht stimmt. Ich sah, wie er einlenkt und dann sah ich etwas (davonfliegen). Es folgte der Rauch und dann stürzte er. Normalerweise sieht man, wie ein Fahrer zuerst stürzt und dann raucht es. Ich grübelte, ob das Vorderrad blockiert hat. Doch seltsam war, dass Teile vom Motorrad flogen, bevor er auf dem Asphalt aufschlug", berichtet der Ducati-Pilot.

Kaputte Verkleidungsscheibe nach Schrecksekunde

Aber auch für Redding verlief das Rennen nicht ohne Zwischenfall. Mit dem Helm zerschlug er die Verkleidungsscheibe seiner Ducati, als das Motorrad unruhig wurde. "Ich attackierte, doch der Wind war mein größter Gegner. Beim Bremsen war es nicht so schlimm, aber in Schräglage schon", schildert Redding.

"Am Ausgang von Kurve 5 wehte der Wind unter die Front. Das Motorrad war auf dem Weg zu Kurve 8 sehr unruhig und ich bekam das Vorderrad nicht auf den Boden. Am Ausgang von Kurve 13 kämpfte ich gegen die Wheelies. Ich schaltete, das Vorderrad rutschte und bekam dann wieder Haftung und ich zerbrach die Verkleidungsscheibe nach ein paar Runden", berichtet der WM-Dritte.

"Ich sagte mir, dass ich ruhig bleiben muss. Ich verwaltete den Vorsprung nach hinten. Toprak stürzte auf Position zwei liegend. Ich versuchte, an Jonathan dran zu bleiben, hatte aber einige Schrecksekunden. Ich sagte mir, dass sich das Risiko nicht lohnt. Ich wusste, dass er hier ein Spezialist ist", so Redding.

Mit Bildmaterial von Kawasaki.

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