Doppelsieg in Donington: Wo die Yamaha noch Schwächen hat

geteilte inhalte
kommentare
Doppelsieg in Donington: Wo die Yamaha noch Schwächen hat
Gerald Dirnbeck
Autor: Gerald Dirnbeck
Co-Autor: Lewis Duncan
28.05.2018, 06:59

Michael van der Mark hätte nicht mit dem Doppelsieg in Donington gerechnet. Wo die Yamaha R1 stark ist und in welchen Bereichen das Bike noch besser werden muss.

Der große Sieger der Superbike-WM in Donington heißt nicht Jonathan Rea oder Tom Sykes, sondern Michael van der Mark. Abgebrüht wie ein Routinier holte sich der Niederländer beide Siege. Es war sein erster Triumph in der Superbike-WM und der erste für Yamaha, seit Marco Melandri im Oktober 2011 in Portimao gewonnen hat. "In den letzten Runden war ich nicht so nervös wie am Vortag", sagt van der Mark nach seinem zweiten Sieg binnen 24 Stunden. "Natürlich arbeitet dein Kopf. Es ist schwierig zu erklären, aber in den letzten Runden war ich weniger nervös und wurde schneller und schneller."

Während vor allem Rea in beiden Rennen in den letzten Runden die Pace nicht mehr ganz halten konnte, brachen die Rundenzeiten bei van der Mark nicht ein. Vor allem im vergangenen Jahr war es immer ein Problem der R1, dass man zwar zu Rennbeginn vorne mithalten konnte, im weiteren Rennverlauf aber langsamer wurde und den Anschluss an Kawasaki und Ducati verlor. Bei Teamkollege Alex Lowes war das auch in Donington zu beobachten, während van der Mark souverän seine Runden abspulte.

Stop-and-Go für die Yamaha noch problematisch

"Diese Strecke passt sicherlich der Yamaha", meint der neue WM-Dritte. "Außerdem liebe ich diese Strecke. Aber bei Stop-and-Go-Abschnitten und am Ende der Geraden haben wir noch Mühe. Es wird besser, aber das ist ein Bereich, wo es noch schwierig ist." Diese Analyse deckt sich auch mit dem Renngeschehen, denn Rea war vor allem im letzten Streckenabschnitt mit der Kawasaki schneller. Dafür hatte Yamaha im ersten Abschnitt einen Vorteil.

"Im schnellen und flüssigen Teil ist die Yamaha unglaublich. So war es auch schon in Assen", hält van der Mark fest. "Aber das Motorrad ist in Stop-and-Go-Bereichen immer noch schwierig zu kontrollieren. Wir müssen das verbessern." Dass die schnellen Abschnitte der R1 liegen, hat auch mit der Verwandtschaft zur MotoGP-Schwester M1 zu tun, von der viele Anleihen in die Entwicklung des Superbikes geflossen sind.

 

Michael van der Mark, Pata Yamaha, Jonathan Rea, Kawasaki Racing
Michael van der Mark, Pata Yamaha, Jonathan Rea, Kawasaki Racing

Foto Gold and Goose / LAT Images

"Wir haben vom ersten Rennen am Samstag kaum etwas am Bike verändert. Ich hätte den Doppelsieg nicht erwartet", so van der Mark. Mit diesem Erfolg bringt er sich auch in eine optimale Position für Vertragsverhandlungen, denn weder van der Mark noch Lowes sind für 2019 fix. Dafür gibt es Gerüchte, dass Sykes ein Kandidat bei Yamaha sein könnte. Noch hat van der Mark keine Verhandlungen mit Teamchef Paul Denning aufgenommen. "Wir haben etwas gesprochen, aber noch nicht offiziell. Aber ich denke, ich bin momentan in einer guten Position", lächelt der Niederländer.

In zwei Wochen geht es im tschechischen Brünn weiter. Zum ersten Mal seit 2012 steht die Strecke wieder im Kalender. Zur Vorbereitung testeten dort vor einigen Wochen mehrere Teams. "Wir hatten den idealen Test, aber es gab keine offiziellen Testzeiten", merkt van der Mark an. "Deswegen ist schwierig zu sagen, wo wir stehen. Aber ich fühlte mich stark. Es ist immer gut, wenn man vor einem Rennen ein paar Runden auf der Strecke fahren kann, vor allem mit unserem derzeitigen Gefühl."

Mit 163 Zählern hält van der Mark nun punktgleich mit Sykes den dritten Platz in der Fahrer-WM. In der Hersteller-Wertung ist Yamaha weiterhin auf dem dritten Rang. Van der Mark hat an diesem Wochenende aus mehrerer Hinsicht Geschichte geschrieben, denn er ist nun der erste Sieger aus den Niederlanden. Das wird die Begeisterung in seiner Heimat noch einmal in die Höhe schrauben, denn schon seit Jahren ist Assen ein Magnet für seine Fans.

Nächster Superbike-WM Artikel