Drehzahllimit 2019: V4-Ducati bereitet der Dorna "Kopfschmerzen"

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Drehzahllimit 2019: V4-Ducati bereitet der Dorna
Autor: Sebastian Fränzschky
21.07.2018, 08:44

Die Ducati Panigale V4 ist das erste Superbike, das nach der Einführung des Drehzahllimits debütiert: Die Dorna/FIM möchte Tricksereien unterbinden

Mit der Einführung des modellspezifischen Drehzahllimits sorgten die Verantwortlichen der Superbike-WM im vergangenen Winter für viele Diskussionen. Von der Saison 2018 an müssen sich die Drehzahlen an den Werten der Serienmaschinen orientieren. Kawasaki und Ducati fühlten sich benachteiligt, schließlich mussten diese beiden Hersteller am stärksten abrüsten. Kawasaki opferte 1.100 Umdrehungen pro Minute.

Unterm Strich zahlten sich die Bemühungen der Dorna und der FIM aus. In diesem Jahr liegen die verschiedenen Hersteller enger beieinander. Doch 2019 droht neues Ungemach, denn Ducati schickt mit der Panigale V4 ein neues Motorrad ins Rennen. Schrauben die Italiener die Drehzahl der Serienmaschine künstlich nach oben, um in der WSBK einen Vorteil zu haben?

Wir sprechen FIM-Technikdirektor Scott Smart über das Reizthema Drehzahllimit. "Wenn man die Regeln ändert und es aussieht, als ob man jemanden limitieren will, dann wird es politisch immer ziemlich schwierig. Die Leute haben verschiedene Ansichten. Es gibt viele verschiedene Meinungen. Diejenigen, die für einen Hersteller arbeiten, werden dafür bezahlt, ihre Position zu verteidigen", kommentiert Smart und reagiert damit sehr gelassen auf die Kritik, die hauptsächlich von Kawasaki kam.

Scott Smart

Scott Smart

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Das Drehzahllimit und die damit verbundene Seriennähe haben eine Vorgeschichte. Seit der Übernahme der Dorna im Winter 2012/2013 verfolgten die Verantwortlichen stets das Ziel, die Motorräder näher an ihre Serienableger zu bringen. "Es ist etwas, das auf die Saison 2014 zurück geht. Damals gab es Diskussionen über ein Drehzahllimit und eine einheitliche ECU", schildert Smart im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

"Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Einheits-ECU momentan nicht die perfekte Lösung für uns ist, aber vielleicht ändert sich das in der Zukunft. Das Drehzahllimit war aber aus verschiedenen Gründen wichtig. In der Saison 2015 war selbst ich überrascht, wie schnell diverse Hersteller im Verlauf der Saison die Drehzahlen steigern und damit ihre Performance verbessern konnten. Zu Beginn der Saison waren die Rennen ziemlich eng, doch später nicht mehr", erinnert sich Smart und stellt sich hinter die Regeländerungen für 2018: "Durch das Drehzahllimit konnten wir die Rennen spannender machen."

"Doch es gibt immer Faktoren, die man nicht kontrollieren kann, wie zum Beispiel das Talent der Fahrer. Es gibt in dieser Meisterschaft ein oder zwei Fahrer, die einfach gesagt besser sind. Sie sind an jedem Wochenende sehr stark", deutet er die Dominanz von Jonathan Rea an. "Johnny macht nur ganz selten Fehler. Er ist konstant schnell. Es ist also egal, was wir machen, er und Chaz (Davies) sind immer die Fahrer, die in dieser Meisterschaft herausragen. Wir können bei den Motorrädern für Ausgeglichenheit sorgen, doch bei den Fahrern ist das natürlich nicht möglich."

Prototyp der Ducati Panigale V4

Prototyp der Ducati Panigale V4

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Das geschaffene Gleichgewicht könnte 2019 empfindlich gestört werden. Ducati arbeitet bereits an der neuen V4-Maschine, die in der kommenden Saison debütiert. Die Homologationsbasis wurde noch nicht vorgestellt. Es wird erwartet, dass die Panigale V4 R im November präsentiert wird. Offen ist, wie hoch das Serienmodell drehen wird. Schraubt Ducati die Drehzahl künstlich nach oben, um in der WSBK mehr Freiheiten zu haben?

"In der neuen Saison gibt es einen neuen Grund für Kopfschmerzen", kommentiert Smart mit Blick auf die V4-Ducati. Es gibt aber bereits einen Plan: "Wir haben bereits in den Regeln verankert, wie wir in solch einem Fall umgehen. Es gibt zwei verschiedene Wege. Zuerst schauen wir uns die Leistungsentfaltung der Serienmaschine an. Dann notieren wir, bei welcher Drehzahl der Begrenzer einsetzt."

"Wenn man sich nur am Drehzahlbegrenzer orientiert, dann würden die Hersteller einen Motor bauen, der extrem hoch dreht. Deshalb schauen wir uns auch die Drehmomentkurve an", erklärt Smart. Und sollte die Maximalleistung deutlich vor dem Drehzahlbegrenzer bereitstehen, dann profitieren die Hersteller nicht von diesem Trick.

"Den niedrigen Wert nehmen wir als Grundlage", stellt Smart klar. "Das ist unser Startpunkt, den wir weiter anpassen können. Sollte es bereits bei den Wintertests eine zu große Dominanz geben, dann können wir noch vor dem ersten Rennen Anpassungen vornehmen. Danach kann alle drei Rennen die Drehzahl angepasst werden."

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