Exklusiv: Ducati reagiert auf die Kritik von Ex-Werkspilot Chaz Davies

Laut Chaz Davies schenkt Ducati dem WSBK-Projekt zu wenig Aufmerksamkeit: Ducati-Technikdirektor Marco Zambenedetti hat sich exklusiv zur Kritik geäußert

Exklusiv: Ducati reagiert auf die Kritik von Ex-Werkspilot Chaz Davies

Ducati hat in diesem Jahr gleich mit drei Fahrern die Chance, die Weltmeisterschaft in der Königsklasse zu gewinnen. Die MotoGP-Werkspiloten Jack Miller und Francesco Bagnaia befinden sich aktuell in den Top 4 der Fahrer-WM. Pramac-Ducati-Pilot Johann Zarco ist als WM-Zweiter erster Verfolger von Yamaha-Pilot Fabio Quartararo.

Das MotoGP-Projekt von Ducati erlebte somit einen vielversprechenden Start in die Saison 2021. Vom WSBK-Projekt kann man das nicht unbedingt behaupten.

Werkspilot Scott Redding konnte bei den ersten drei WSBK-Events zwar Rennen gewinnen, liegt in der Meisterschaft aber nur auf der dritten Position. Nicht nur Weltmeister Jonathan Rea (Kawasaki) sammelte mehr Punkte. Auch Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu erlebte einen besseren Start in die WSBK-Saison 2021.

Konzentriert sich Ducati ausschließlich auf die MotoGP?

Bereits beim Saisonauftakt in Aragon äußerte sich Ex-Werkspilot Chaz Davies kritisch, was Ducatis Herangehensweise an die Superbike-WM betrifft. "Ehrlich gesagt erkenne ich nicht, dass wir in diesem Winter einen großen Fortschritt machen konnten", so der Ducati-Pilot. "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Probleme lösen können. Doch dafür sind Geld und Hingabe notwendig."

Chaz Davies

Chaz Davies erkennt beim Panigale-Projekt kaum Fortschritte

Foto: Motorsport Images

Laut Davies steckt Ducati nicht genug Ressourcen in die Superbike-WM, obwohl die Italiener mit der Panigale V4R über das Motorrad mit dem größten Potenzial verfügen. Bereits in der Serie erreicht das Ducati-Superbike eine Leistung von über 230 PS und eine Drehzahl von über 16.000 U/min. Von diesen Werten sind die Superbikes der Konkurrenz teilweise weit entfernt.

Das WSBK-Budget ist laut Ducati nicht das Problem

Wir haben bei Ducati nachgehakt und Technikdirektor Marco Zambenedetti mit der Kritik von Chaz Davies konfrontiert. "Es ist offensichtlich, dass die Budgets von Yamaha, Honda und Ducati für die Superbike-WM nicht so hoch sind wie für die MotoGP", kommentiert Zambenedetti im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Marco Zambenedetti

Ducati-Technikdirektor Marco Zambenedetti kann Chaz Davies' Kritik nicht nachvollziehen

Foto: Ducati

"Kawasaki und BMW sind die Ausnahmen. Ich denke aber nicht, dass das der Grund für unsere Probleme ist. Ich verstehe diese Kritik nicht. Ich bevorzuge es, das nicht weiter zu kommentieren", bemerkt der Ducati-Technikdirektor.

Warum Chaz Davies' Ducati nicht identisch zu den Werksmaschinen ist

Von Ducati wird Chaz Davies auch in diesem Jahr voll unterstützt. Im Kundenteam GoEleven pilotiert der Waliser eine Werks-Panigale. "Wir sehen Chaz als Werksfahrer an", stellt Zambenedetti klar. "Wir geben ihm die gleichen Möglichkeiten, neue Teile zu testen. Er kann selbst auswählen, was für seinen Stil am besten funktioniert. Er kann das Motorrad an seine Bedürfnisse anpassen."

Chaz Davies

Chaz Davies verwendet bewusst nicht alle Neuerungen von Ducati

Foto: Motorsport Images

Davies' Ducati unterscheidet sich in einigen Details von den Werksmaschinen. "Er hat sich zum Beispiel entschieden, bei den älteren Bremssätteln zu bleiben und weiterhin die ältere Gabel zu verwenden. Wir zwingen unsere Fahrer nicht dazu, eine bestimmte Wahl zu treffen", erklärt der Ducati-Technikdirektor.

"Andererseits hat er sich für den überarbeiteten Motor entschieden und verwendet diesen. Er kann entscheiden, was er verwendet und was nicht. Für uns ist er weiterhin eine gute Referenz in Sachen Daten und Wissen", so der Ducati-Verantwortliche.

Beim Ducati-Heimspiel in Misano waren mit Ducati-CEO Claudio Domenicali, MotoGP-Teamdirektor Davide Tardozzi und Ducati-Corse-Chef Luigi Dall'Igna gleich drei bekannte Gesichter vor Ort, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie das WSBK-Team arbeitet.

Ständiger Austausch zwischen dem MotoGP- und dem WSBK-Projekt

Für Ducatis WSBK-Projekt war Luigi Dall'Ignas Verpflichtung der Wendepunkt. Mit der V2-Panigale fuhren die Italiener zu Beginn hinterher, doch Dall'Igna brachte Ducati zurück in die Erfolgsspur. "Gigi hat sich sehr stark für einen besseren Erfahrungsaustausch vom Rennteam zum Werk eingesetzt. Zudem hat er sich stark bemüht, die Kommunikation zwischen dem WSBK-Team und der Serienabteilung sowie dem MotoGP-Team zu verbessern", berichtet WSBK-Technikdirektor Marco Zambenedetti.

Ducati Panigale V4R

Die Ducati Panigale V4R wird wie das MotoGP-Bike von einem V4-Motor angetrieben

Foto: Ducati

Bei Ducati gibt es einen ständigen Austausch zwischen dem MotoGP-Projekt und der Superbike-WM. "Viele der beteiligten Personen arbeiten parallel an beiden Projekten. Es gibt keine Trennung im Werk", schildert der Ducati-Ingenieur.

"Jeder lernt von den Erfahrungen des anderen. Wir müssen danach entscheiden, was wir uns für die jeweilige Kategorie leisten können und ob es passend ist, um die jeweiligen Probleme zu lösen. Wir lernen jeden Tag etwas dazu, ohne Zweifel", so Zambenedetti.

Mit Bildmaterial von Ducati.

geteilte inhalte
kommentare
"Kandidaten für die MotoGP" - WSBK-Teamchef über Razgatlioglu und Gerloff

Vorheriger Artikel

"Kandidaten für die MotoGP" - WSBK-Teamchef über Razgatlioglu und Gerloff

Nächster Artikel

60.000 in Wembley, 4.000 in Donington erlaubt: Jonathan Rea versteht es nicht

60.000 in Wembley, 4.000 in Donington erlaubt: Jonathan Rea versteht es nicht
Kommentare laden