Formtief nach Assen-Crash: Ben Spies spricht über Garrett Gerloffs Saison

Ex-Weltmeister Ben Spies analysiert die WSBK-Saison von Garrett Gerloff und bekräftigt, dass er in seinem Landsmann einen potenziellen Champion sieht

Formtief nach Assen-Crash: Ben Spies spricht über Garrett Gerloffs Saison

Yamaha-Pilot Garrett Gerloff startete nach einem vielversprechenden Testwinter als einer der heimlichen Favoriten in die WSBK-Saison 2021. Doch bereits ab dem ersten Renn-Wochenende war der US-Amerikaner in kontroverse Zwischenfälle verwickelt, die seine Saison nachhaltig beeinflussen sollten.

Beim Auftakt in Aragon geriet er mit Weltmeister Jonathan Rea aneinander. Und auch bei den folgenden Events fiel Gerloff mit seiner aggressiven Fahrweise auf und zog sich damit den Zorn einiger Kollegen zu. In Assen lief das Fass über, als er Markenkollege und WM-Anwärter Toprak Razgatlioglu zu Sturz brachte. Von da an wirkte Gerloff eingeschüchtert.

"Ich spüre Frustration", erkennt Landsmann Ben Spies im Gespräch mit 'WorldSBK.com'. "Er hat zu Beginn des Jahres einige Fehler gemacht und ein wenig Aufruhr verursacht. Einige Leute waren verärgert, was verständlich war. Ich glaube, er wurde ein bisschen nervös und musste unbedingt ein paar Wochenenden ohne Zwischenfälle zeigen."

Ben Spies hofft, dass Garrett Gerloff zu alter Stärke findet

Gerloff blieb nach dem Assen-Crash unauffällig und fuhr meist im Mittelfeld. "Wir haben gesehen, dass seine Pace nach den ersten Runden der Rennen großartig war, aber er wurde in den ersten Kurven durchgereicht, weil er keinen Fehler machen wollte. Und dann brauchte er aus diesem Grund zu lange, um die Leute zu überholen", erkennt Ben Spies.

Ben Spies

Ben Spies beobachtet Garrett Gerloff ganz genau

Foto: LAT

"Wenn er freie Fahrt hatte, dann fuhr er ohne Probleme die Zeiten der Fahrer auf den Positionen drei oder vier", bemerkt der Superbike-Weltmeister von 2009. "Ich verstehe, dass er ein paar Fehler gemacht hat, die ihn zurückgeworfen haben, und es sind auch andere Dinge passiert, die seinem Selbstvertrauen nicht gut getan haben, mit denen ich nicht einverstanden bin, aber jetzt hat er sich wieder gefangen."

"Im Moment ist er ein Fahrer, der in der Superbike-WM in die Top 3 oder in die Top 4 gehört. Ich traue ihm zu, dass er es im kommenden Jahr in die Top 4 schaffen kann. Ich denke, dass er nächstes Jahr ein paar Rennen gewinnen wird, die er vielleicht dieses Jahr hätte gewinnen sollen. Er hatte ein paar Mal die Pace dazu, aber aus dem einen oder anderen Grund ist er nicht richtig aufgestellt", bedauert Ben Spies.

Fehlt ein starker Charakter im Umfeld des US-Hoffnungsträgers?

Vom reinen Talent ist Garrett Gerloff laut Ben Spies ein zukünftiger Weltmeister. "Ich sehe das Potenzial von Garrett und ich erkenne, dass er, wenn die Dinge richtig laufen, einen WSBK-Titel einfahren kann. Er hat das Talent ohne Zweifel, er braucht nur das Umfeld um sich herum, wie es bei Toprak und Jonny der Fall ist. Das wird 2022 nicht komplett der Fall sein."

Garrett Gerloff

Garrett Gerloff ist in der Superbike-WM auf sich allein gestellt

Foto: Motorsport Images

Laut Ben Spies würde es einen großen Unterschied ausmachen, wenn Garrett Gerloff jemanden in seiner Box hätte, der ihm den Rücken frei hält und bei Entscheidungen hilft. Toprak Razgatlioglu kann sich voll auf Manager Kenan Sofuoglu verlassen. Ex-Champion Jonathan Rea hat über die Jahre eine komplette Crew um sich herum aufgebaut, die ihm Zuversicht schenkt.

Garrett Gerloff hingegen ist Alleinkämpfer. "Er hat keinen Kenan wie Toprak, und das wird einen Unterschied machen, wenn es darum geht, sich gegenseitig mit Ideen zu versorgen. Ich hoffe, dass er im nächsten Jahr sein Selbstvertrauen ausschöpft und großartige Leistungen erbringt und dass im Team alles gut läuft, sodass er beginnen kann, sein eigenes Team um sich herum aufzubauen. Ich weiß, dass er das Talent und die Fähigkeiten dazu hat."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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