Jonathan Rea: Warum der WSBK-Titel 2021 nicht der wichtigste Titel wäre

Noch nie musste Jonathan Rea so hart für die Titelverteidigung kämpfen: Doch ein Triumph über Toprak Razgatlioglu würde ihm weniger bedeuten als andere Titel

Jonathan Rea: Warum der WSBK-Titel 2021 nicht der wichtigste Titel wäre

Seit der Saison 2015 ist Jonathan Rea in der Superbike-WM ungeschlagen. Mit Kawasaki feierte der Brite sechs WSBK-Titel in Folge. Doch diese Serie droht zu Ende zu gehen. Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu reiste mit 24 Punkten Vorsprung zum ersten der beiden finalen Überseerennen nach Argentinien. Wir trafen uns exklusiv mit Rea und Razgatlioglu in San Juan, um über die Meisterschaft zu sprechen.

"Ich kenne das Gefühl, wenn man eine Meisterschaft gewinnt. Ich möchte es erneut spüren", bemerkt Jonathan Rea im Gespräch mit 'Motorsport.com'. Doch ein möglicher Erfolg im Kampf gegen Toprak Razgatlioglu wäre für Rea nicht der süßeste aller Titel.

"Nein, der Süßeste ist immer der erste, weil das unglaublich ist. Er ist eine Bestätigung, dass man ein guter Fahrer ist und dass man es schaffen kann. Alles danach ist ein Bonus", erklärt Rea und grübelt: "Ich weiß nicht ,ob dieser Titel wichtiger wäre. Auf jeden Fall wäre es der Titel, bei dem es am engsten war."

Ungewohnt viele Fehler und knallharte Duelle

Beim Kampf um den Titel machte Rea in der laufenden Saison ungewohnt viele Fehler. Die Stürze in Donington, Most und Portimao kosteten wichtige Punkte. "Ich habe Fehler gemacht, weil ich in jeder Runde am Limit fahre. Natürlich geht man dann auch mal über das Limit. Das ist normal", kommentiert der Rekord-Weltmeister.

Toprak Razgatlioglu, Jonathan Rea

Toprak Razgatlioglu setzt Jonathan Rea stark unter Druck

Foto: Motorsport Images

Ständig ans Limit gehen zu müssen, ist für Rea neu. "In der Vergangenheit hatte ich immer einen gewissen Puffer, weil meine Gegner mehr Fehler gemacht haben als ich. Jetzt gibt es keinen Puffer. Jeder ist schnell", bemerkt der Weltmeister.

Zuletzt ging es im Titelduell mit Razgatlioglu hart und emotional zur Sache. Nach Lauf eins kommentierte Rea kritisch, wie sein WM-Rivale zu Werke geht (zur Reaktion). Doch Rea ist bereit, ebenfalls die Ärmel hochzukrempeln und hart zu kämpfen.

"Er hat mich bereits zwei Mal berührt - einmal in Jerez und zwei Mal in Portugal. Doch das ist Rennsport. Es steht viel auf dem Spiel. Wir kämpfen um eine Weltmeisterschaft. Dann geht man manchmal über das Limit. Am wichtigsten ist es, respektvoll zu bleiben", so Rea.

Toprak Razgatlioglu will sich nicht mit zweiten Plätzen zufriedengeben

Toprak Razgatlioglu betonte bei den zurückliegenden Wochenenden immer wieder, dass er den WM-Stand ausblendet und sich voll und ganz auf die Rennen konzentriert. "Es ist nicht einfach für mich, doch ich denke nicht an die Meisterschaft. Ich denke daran, jedes Rennen zu gewinnen. Das ist mir wichtiger", wiederholt der Türke im Rahmen des Argentinien-Wochenendes und fügt hinzu: "Am Ende der Saison bin ich dann vielleicht Weltmeister."

Toprak Razgatlioglu

Toprak Razgatlioglu denkt nur an Siege und blendet die WM aus

Foto: Yamaha

"Ich sage nie, dass es ausreicht, Zweiter zu werden und vom Gas zu gehen, weil das besser ist für die Meisterschaft. Das sage ich nie. Ich konzentriere mich immer auf die Rennen", betont der Yamaha-Pilot, der in der laufenden Saison bereits drei unverschuldete Ausfälle hinnehmen musste.

Psychospielchen in Portimao

Beim vergangenen WSBK-Event in Portimao lieferten sich Razgatlioglu und Rea auch auf mentaler Ebene einen unterhaltsamen Schlagabtausch. Nach den Siegen in den Hauptrennen setzten sie jeweils ein Statement. Razgatlioglu machte am Samstag den Anfang.

"In Portimao säuberte ich die grüne Linie und Johnny machte einen Burnout. Ich verstehe ihn. Nachdem er stürzte, säuberte ich die grüne Linie. Diese Botschaft war nicht für Johnny", stellt Razgatlioglu klar und erklärt: "Das war für Kawasaki. Es war ein Spaß. Vielleicht dachte er, dass es an ihn gerichtet ist."

Mit Bildmaterial von Dominik Lack.

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