Loris Baz exklusiv über sein WSBK-Comeback und die MotoAmerica 2021

Am Wochenende übernimmt Loris Baz die Ducati V4R von Chaz Davies: Kann sich der Franzose in Jerez und Portimao für die WSBK-Saison 2022 empfehlen?

Loris Baz exklusiv über sein WSBK-Comeback und die MotoAmerica 2021

Durch die Verletzung von GoEleven-Pilot Chaz Davies bekommt Loris Baz erneut die Chance, in der Superbike-WM zu fahren. In Jerez und Portimao übernimmt Baz die Ducati Panigale V4R des Ducati-Satellitenteams. Wir trafen uns vor dem Wochenende mit Baz und sprachen über seine Saison in der MotoAmerica, den Wechsel von der Yamaha R1 zur Ducati V4R und die Erwartungen für die Einsätze in Spanien und Portugal.

"Ich habe keine Erwartungen", bemerkt Loris Baz im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Ich will es einfach genießen und mein Bestes geben. Ich gebe immer 100 Prozent beim Fahren. Am Freitag möchte ich das Gefühl für die Pirelli-Reifen zurückfinden. Ich möchte eine Abstimmung erarbeiten, die für mich funktioniert. Wir beginnen mit einer Art Grundabstimmung. Ich will die Rennen einfach genießen."

Baz ist sich aber gleichzeitig bewusst, dass er einen bleibenden Eindruck für die Saison 2022 hinterlassen könnte. "Ich möchte hierhin zurückkommen und denke, dass ich hierhin gehöre. Ich möchte aber nur zurückkommen, wenn ich ein gutes Motorrad bekomme", stellt der Franzose klar.

"Andernfalls bleibe ich lieber in den USA. Zu 90 Prozent werde ich auch im kommenden Jahr in den USA fahren. Doch vor einem Jahr war ich zu diesem Zeitpunkt zu 100 Prozent überzeugt, mit einer Werks-Yamaha in der Superbike-WM zu fahren. Und hier bin ich. Die Dinge ändern sich sehr schnell und man weiß nie, was passiert. Im Moment geht es nur darum, hier und in Portimao Spaß zu haben", so Baz.

Wie der Traum von der WSBK-Saison 2021 platzte

Ende der vergangenen WSBK-Saison hatte Baz bereits die Zusage, 2021 eine Werks-Yamaha zu fahren. Doch dann platzte der Deal mit Ten Kate und das Team zog sich aus der Superbike-WM zurück. Somit war Baz ohne Job für 2021. Anfang des Jahres öffnete sich eine neue Tür. In der MotoAmerica startete Baz für das von Ducati unterstützte Warhorse-Team.

Loris Baz

Loris Baz war Ende 2020 sicher, 2021 eine Werks-Yamaha zu pilotieren

Foto: TenKateRacingSBK

"Der MotoAmerica-Deal kam spät zustande. Das war Ende Februar", erinnert sich Baz. "Es ist ein gutes Projekt. Ich wollte nie für ein B-Team oder für ein C-Team fahren. In dem Fall wäre ich lieber Zuhause geblieben. Doch ich bekam diese Anfrage und Ducati stand hinter dem Projekt. Ich sprach mit Paolo (Ciabatti, Ducati-Sportdirektor; Anm. d. Red.) und war vom Projekt überzeugt. Ich unterschrieb, ohne weiter nachdenken zu müssen."

"Ich musste die Kurse, das Motorrad und die Reifen kennenlernen. Ich musste meine Komfortzone verlassen und richtig hart kämpfen. Wir hatten nicht die Saison, die wir uns erhofft hatten. Doch wenn man alles bedenkt, dann war es eine tolle Saison, in der wir Spaß hatten. Ich lernte viele Dinge und genoss die Meisterschaft und die Leute in den USA", bilanziert Baz, der in der Meisterschaft Vierter wurde.

Erschwerte Bedingungen beim Karriere-Neustart in den USA

In Zeiten von Corona war der Wechsel in die USA keine einfache Aufgabe. "Ich versuchte, immer wieder nach Europa zurückzukommen, wenn es möglich war. Als ich in die USA kam, war ich bereit, dort zu bleiben, weil zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, welche Reisebeschränkungen es geben wird. Doch dann wurde es immer einfacher, zu reisen", berichtet Baz.

"Ich ließ meine Freundin daheim, meine Eltern auch. Wir hatten einige Projekte. Ich wollte das Restaurant wiedereröffnen, das meine Mutter betrieb. Dann musste ich abreisen und in die USA gehen. Mein Vater kümmerte sich um das Projekt", beschreibt Baz seine Situation.

Wechsel zur Ducati V4R weckt MotoGP-Erinnerungen

Der Wechsel von der Yamaha R1 zur Ducati Panigale V4R hingegen war kein so großes Problem. "Es war kein großer Schock. Wir konnten nur einen Test in Austin absolvieren. Ich kannte den Kurs. Das Motorrad war auf diesem Kurs sehr stark. Es fühlte sich an, als ob ich wieder in der MotoGP fahre, was den Charakter des Motors und die Arbeitsweise der Elektronik angeht", schildert Baz.

Loris Baz

Loris Baz fuhr in der MotoGP bereits für Ducati

Foto: GP-Fever.de

"Dann stand das erste Rennevent an. Es war ein Desaster. Wir waren richtig schnell, hatten aber großes Pech. Dann kamen die typischen US-Strecken, die verwinkelt sind und keinen guten Asphalt haben. Das bereitete uns Probleme. Wir mussten einige Dinge am Motorrad ändern. Alles war neu für uns. Es gab das ganze Jahr über Änderungen im Team. Das machte es nicht einfach", nennt Baz die Hürden seiner MotoAmerica-Debütsaison.

Dominiert wurde die Saison von Yamaha-Pilot Jake Gagne. "Jake fuhr im FT1 Rundenrekorde und wir suchten nach der richtigen Getriebeübersetzung", vergleicht Baz seine Situation mit der des MotoAmerica-Champions 2021.

Von Pirelli zu Dunlop und zurück zu Pirelli

Im Gegensatz zur Superbike-WM wird in der MotoAmerica mit Dunlop-Reifen gefahren. "Die Dunlop-Reifen waren eine große Veränderung für mich. Der Vorderreifen erinnerte mich eher an die Reifen in der MotoGP als in der Superbike-WM. Die Karkasse des Dunlop-Reifens ist viel härter als die der Pirelli-Reifen. Doch mit der Ducati hatten wir in Schräglage Probleme mit der Haftung am Hinterrad. Das war unser größtes Problem", erklärt er.

Loris Baz

Loris Baz fuhr in der MotoAmerica mit Dunlop-Reifen

Foto: HSBK Racing

"Ich kann mich aber noch gut an die Pirelli-Reifen erinnern", bemerkt Baz vor seinem WSBK-Comeback. "Ich muss nicht den Charakter der Maschine lernen, denn der ist identisch. Es gibt nur einige Updates, wie den Tank."

"Bei der MotoAmerica-Maschine habe ich ein anderes Getriebe verwendet. Wir müssen das Seriengetriebe verwenden. In der WSBK wird ein anders abgestuftes Getriebe verwendet. Der erste und der zweite Gang sind anders übersetzt", erklärt der Ducati-Pilot.

"Ich fuhr mehr oder weniger die 2019er-Version. Hier wird die aktuelle Werksmaschine eingesetzt. Es hat die jüngsten Updated. Es ist ein starkes Paket", ist Baz von der GoEleven-Ducati überzeugt und wünscht sich für 2021 ebenfalls die Ducati-Updates, sollte er weiterhin in den USA fahren: "Ich hoffe, dass wir für die MotoAmerica auch die aktuelle Version bekommen."

Mit Bildmaterial von Team Go Eleven.

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