Marvin Fritz mit WSBK-Wildcard in Jerez: Vorgeschmack auf komplette WM-Saison?

YART ermöglicht Marvin Fritz ein weiteres WSBK-Event: Der Deutsche träumt von einer vollen Saison in der Superbike-WM und konnte Yamaha bereits beeindrucken

Marvin Fritz mit WSBK-Wildcard in Jerez: Vorgeschmack auf komplette WM-Saison?

Marvin Fritz wird bei der Superbike-WM in Jerez mit einer Wildcard starten. Der Deutsche beeindruckte bereits bei seinem Debüt in Most, obwohl er mit der YART-Yamaha aus der Langstrecken-WM technisch im Nachteil war. Auch in Jerez wird Fritz' Motorrad weniger Leistung haben als die Maschinen der Stammfahrer. Zudem ist die Langstrecken-R1 einige Kilogramm schwerer. Gelingt Fritz dennoch eine weitere Überraschung?

"Ich freue mich riesig, erst recht nach dem Pech beim Bol d'Or. Ich hoffe, dass wir wieder so gut dabei sind wie in Most", kommentiert Fritz vor dem WSBK-Wochenende in Jerez im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

"Most war ein super Wochenende für uns", erinnert sich der YART-Pilot an sein WSBK-Debüt im August. "Wir waren alle überrascht, so weit vorne zu sein und so schnell zu sein. Das war super uns - für mich und für das gesamte Team. Dadurch habe ich die Möglichkeit bekommen, hier noch einmal zu fahren. Das ist ein Traum. Ich hätte nie gedacht, in diesem Jahr zwei Superbike-WM-Events zu bestreiten."

Marvin Fritz

Marvin Fritz hatte beim WSBK-Debüt in Most keine Angst vor großen Namen

Foto: Dominik Lack

"Die Strecke gefällt mir sehr gut. Wir waren im Vorjahr mit unserem Langstrecken-Bike hier testen. Damals haben wir aber noch die Kit-Elektronik der Langstrecken-R1 verwendet. Jetzt haben wir die WSBK-Elektronik", verrät Fritz. "Natürlich haben die anderen Teams hier sehr viele Daten. Es wird ein bisschen schwieriger als in Most, doch ich habe das Gefühl, dass wir dennoch gute Arbeit leisten können."

Auch beim Gaststart in Jerez kämpft Marvin Fritz mit Nachteilen

Abgesehen von der WSBK-Elektronik hat sich aus technischer Sicht nichts verändert. "Wir fahren mit dem gleichen Motorrad wie in Most. Mit Blick auf die vielen Richtungswechsel mache ich mir keine Gedanken, doch auf Start/Ziel raus im ersten oder zweiten Gang werde ich ein bisschen Zeit verlieren. Beim Topspeed waren wir in Most 10 bis 14 km/h langsamer als die Spitze. Hier ist die Gerade in etwa gleich lang", bemerkt der Deutsche.

Marvin Fritz

Marvin Fritz traf sich vor dem WSBK-Event in Jerez mit Redakteur Sebastian Fränzschky

Foto: MST/Fränzschky

Und was nimmt sich Fritz für das Gastspiel in der Superbike-WM vor? "Wir sind jetzt natürlich die Ergebnisse von Most gewöhnt und hoffen auf bessere Ergebnisse. Ein Top-12-Ergebnis wäre ein Traum. Klar, es kann gern auch weiter nach vorne gehen. Es wäre natürlich super, vor Jonas (Folger) und vor Kohta Nozane ins Ziel zu kommen", kommentiert Fritz.

Komplette WSBK-Saison das Ziel für die Zukunft

Können sich die deutschen WSBK-Fans Hoffnungen machen, Fritz in Zukunft regelmäßiger in der Superbike-WM zu sehen? "Ich habe einen neuen Vertrag mit YART für die Langstrecken-WM, über den ich sehr glücklich bin. Wir haben ein super Team. Klar, in den beiden vergangenen Jahren hatten wir auch sehr viel Pech. Das ändert sich in der Zukunft hoffentlich. Ich bin 28 Jahre alt und habe noch viele Jahre vor mir", erklärt er.

Marvin Fritz

Marvin Fritz träumt von einer kompletten WM-Saison

Foto: Dominik Lack

"Natürlich würde ich gern irgendwann eine komplette Saison in der Superbike-WM fahren. Im kommenden Jahr fahre ich aber noch einmal in der Langstrecken-WM und schaue, was nebenbei möglich ist. Vielleicht könnte man bei den Europa-Rennen fahren oder fünf, sechs Wildcards absolvieren. Dann hätten wir etwas mehr Zeit. Das würde etwas Druck rausnehmen, um zu zeigen, was man kann", schaut er auf die Saison 2022.

Yamaha-Verantwortliche staunten über Marvin Fritz' Leistungen in Most

Bei Yamaha konnte Fritz bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "Die Verantwortlichen von Yamaha haben schon etwas seltsam geschaut, als sie sahen, wie gut wir zurechtkommen, obwohl wir von Bridgestone zu Pirelli wechseln mussten. Das ist natürlich kein einfacher Umstieg, denn die Pirellis haben eine viel weichere Karkasse", berichtet der YART-Pilot und erklärt: "Man muss die komplette Geometrie vom Motorrad darauf einstellen."

"Yamaha hätte nie gedacht, dass wir so gut dabei sind", freut sich Fritz. "Andrea Dosoli (Yamaha-WSBK-Projektleiter) und Andrew Pitt (Yamaha-Crewchief; Anm. d. Red.) waren dauerhaft in unserer Box und waren sehr begeistert. Das war für das gesamte Team super, auch für das Verhältnis zu Yamaha. Most war sehr positiv."

Was Marvin Fritz zu Jonas Folgers Saison sagt

Obwohl Marvin Fritz in der laufenden Saison erst drei Rennen fuhr, liegt er in der Meisterschaft nur drei Positionen hinter Jonas Folger. "Jeder kommt anders mit anderen Motorrädern zurecht. Jonas war mit der Yamaha super, weil er auch das MotoGP-Bike kannte und sich die R1 wohl ziemlich ähnlich fährt wie die MotoGP-Maschine, von dem was ich gehört habe", versucht Fritz die Situation bei Folger zu verstehen.

Jonas Folger

Jonas Folger konnte die Hoffnungen der deutschen Fans bisher nicht erfüllen

Foto: BMW Motorrad

"Die BMW ist ein ganz anderes Motorrad. Ich kenne die Teamstruktur nicht und weiß nicht, welche konkreten Probleme er hat. Ich konzentriere mich nur auf mich. Für mich war es natürlich gut, dass an nur einem Wochenende fast so viele Punkte herausgesprungen sind wie bei ihm in beinahe einer kompletten Saison", kommentiert der Yamaha-Pilot.

"Leider bin ich im zweiten Rennen gestürzt. Sonst hätte ich jetzt mehr Punkte als er", bemerkt Marvin Fritz und stellt klar: "Das ist mir aber nicht wichtig. Ich mache mir eher Gedanken, wie mein Wochenende läuft."

Mit Bildmaterial von YART Yamaha.

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