Marvin Fritz schneller als Jonathan Rea: "Hatte ein großes Grinsen im Gesicht"

Starker Auftritt in Most: Wildcard-Pilot Marvin Fritz fährt mit der übergewichtigen Langstrecken-Maschine in die Top 4 und beeindruckt die Yamaha-Verantwortlichen

Marvin Fritz schneller als Jonathan Rea: "Hatte ein großes Grinsen im Gesicht"

Beim Trainingsauftakt der Superbike-WM in Most stach aus deutscher Sicht die Leistung von Gaststarter Marvin Fritz (YART-Yamaha) heraus. Der ehemalige IDM-Champion stürmte im FT1 in die Top 4 und ließ unter anderem Weltmeister Jonathan Rea (Kawasaki) hinter sich. "Ich hatte ein großes Grinsen im Gesicht", gesteht Fritz nach seinem WSBK-Debüt.

"Von Yamaha kamen alle, um zu gratulieren und das war ein sehr schönes Gefühl", berichtet Fritz. "Ich hoffe, dass das nicht meine letzte Chance in diesem Paddock sein wird. Klar, ich bin jetzt 28 und habe noch einige Jahre im Rennsport vor mir. Deshalb hoffe ich, dass ich vielleicht mal die Chance habe, eine volle Saison zu fahren. Aber auch noch weitere Wildcards im nächsten Jahr wären ein Traum."

Fritz kannte das Autodrom Most besser als die Stammpiloten. Doch besonders groß war der Vorteil nicht. "Ehrlich gesagt war ich vorher nur zweimal hier", erklärt er. "Einmal 2007 in der IDM 125, also vor langer Zeit. Dann war ich noch hier zum testen. Das war aber ein normaler Trackday mit Regen und viel Verkehr. Wir konnten also nicht viel fahren."

"Wir sind mit dem Set-up gestartet, mit dem wir aufgehört hatten. Natürlich ist es mit den Pirellis anders. Wir sind die Bridgestone-Reifen gewohnt. Es war ein wenig schwierig, den Fahrstil umzustellen, aber ich habe mich schon wohlgefühlt. Mit dem SC0-Reifen sind wir bereits gute Rundenzeiten gefahren. Die Rundenzeit kam ganz einfach zustande", freut sich der Langstrecken-Pilot.

Für den Rest des Wochenendes sieht Fritz noch Raum für Verbesserungen. "Ich weiß, dass wir noch viel an der Elektronik arbeiten müssen, denn das Bike hält viel Leistung zurück. Für das FT2 haben wir einige Veränderungen gemacht, aber dann kam der Regen nach nur drei Runden. Wir konnten es also nicht perfekt testen. Mein Gefühl war aber wirklich gut und es war so schön, Platz vier auf dem Dashboard zu sehen", schildert der Deutsche.

Technisch im Nachteil: Mehr Gewicht und weniger Leistung

Die Yamaha R1 des YART-Piloten unterscheidet sich deutlich von den Maschinen der restlichen Yamaha-Piloten. Die Basis ist das Langstrecken-Bike. "Unser Motorrad ist 7 kg schwerer als die offizielle Werks-Yamaha. Uns fehlen mehr als 10 PS und es ist einfach ein anderes Motorrad", vergleicht Fritz.

"Wir wussten, dass das Level nicht schlecht ist. Dieses Jahr erhalten wir wir großen Support von Yamaha. Das ist schön und hilft uns sicherlich sehr. Das Level in der Langstrecken-WM ist sehr hoch", macht Fritz Werbung für die Langstrecken-WM. "Man muss hart pushen und man fährt genauso wie hier."

Marvin Fritz

Marvin Fritz pilotiert die Yamaha R1 aus der Langstrecken-WM

Foto: Dominik Lack

"Wir wussten, dass wir nicht allzu schlecht dastehen würden, aber ich habe nicht erwartet, in den Top 10 zu sein. Ich habe eher etwas zwischen Platz 13 und 15 erwartet. Klar werden sich die anderen über die nächsten gefahrenen Runden sehr verbessern, aber unser Start war nicht schlecht", analysiert er.

Fritz hätte gern ausgiebiger im Autodrom Most getestet, doch einige Hersteller aus der Superbike-WM waren dagegen. "Hier hatten wir nur einen Tag, obwohl wir noch einen anderen Test geplant hatten. Aber BMW und Ducati haben sich beschwert und wir konnten nicht testen, obwohl wir nur ein Wildcard-Team sind und quasi nur ein Standard-Bike haben", bedauert der Deutsche.

Auch Marvin Fritz stuft einige Stellen als "furchteinflößend" ein

Die Sicherheit des Autodrom Most war am Freitag das bestimmende Thema. Scott Redding machte sich nach dem Auftakt Luft und kritisierte die Verantwortlichen für die Entscheidung, auf dem Kurs zu fahren (zur Reaktion).

Autodrom Most

Das Autodrom Most ist laut einigen Fahrern nicht WM-würdig

Foto: Dominik Lack

Wie beurteilt Fritz die Situation? "Als ich das erste Mal (im Regen) rausgefahen bin, hatte ich etwas Angst. Ich kenne einige Leute, die hier auf Trackdays im Regen gefahren sind und die haben gesagt, dass es rutschig ist. Das Gefühl war aber besser als gedacht", berichtet der Wildcard-Starter.

"Natürlich ist es manchmal furchteinflößend, denn in zwei oder drei Kurven ist die Auslaufzone nicht ausreichend. Das hat man aber auf anderen Strecken auch, zum Beispiel in Suzuka, wo es noch schlimmer ist", vergleicht Fritz. "Am Ende müssen es die Spitzenfahrer in der Sicherheits-Kommission entscheiden."

Mit Bildmaterial von Dominik Lack.

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