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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Jorge Viegas (FIM)

Bange Momente und viele Fragen: Der Auftakt der WorldWCR in Misano verläuft nicht nach Plan und dafür ist auch Motorrad-Weltverband FIM verantwortlich

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Jorge Viegas (FIM)

Liebe Freunde des Motorrad-Rennsports,

das WSBK-Wochenende in Misano sollte den Rahmen bilden, um die neue Frauen-Weltmeisterschaft (WorldWCR) auf den Weg zu bringen, die im Oktober 2023 beim Saisonfinale der Superbike-WM in Jerez feierlich vorgestellt wurde.

Von Beginn an gab es gewisse Vorurteile. In den sozialen Medien wurde eifrig diskutiert, ob Frauen eine separate Meisterschaft haben sollten oder nicht. FIM-Präsident Jorge Viegas prophezeite bei der WorldWCR-Vorstellung stolz einen großen Erfolg. Doch das Debüt der Serie endete beinahe in einer Katastrophe.

 

Und daran waren die WorldWCR-Verantwortlichen, also auch Motorrad-Weltverband FIM, nicht ganz unschuldig. Aus diesem Grund übernimmt FIM-Präsident Jorge Viegas heute die Hauptrolle in unserer traditionellen Montags-Kolumne.

Bange Momente beim WorldWCR-Debüt in Misano

Doch der Reihe nach: Das erste Rennen der WorldWCR-Geschichte am Samstag musste gleich drei Mal gestartet werden. Ein heftiger Sturz der Norwegerin Mia Rusthen führte zu einem Abbruch, sorgte im Fahrerlager für große Ungewissheit und bange Momente. Nach dem Zwischenfall in der Zielkurve realisierten die Beteiligen schnell, dass die Situation sehr ernst ist.

Mia Rusthen

Mia Rusthen hat sich eine Kopfverletzung zugezogen und wurde operiert

Foto: WorldSBK.com

Von der zuvor lebendigen Stimmung im WorldWCR-Zeltdorf war nicht mehr viel übrig. Die Teilnehmerinnen rätselten, ob es einen Neustart des Rennens gibt. Die Verantwortlichen trafen dann recht spontan die Entscheidung, einen Sprint über fünf Runden zu starten.

Doch auch der Neustart endete beinahe in einer Katastrophe, als die Südafrikanerin Jessica Howden am Ausgang der zweiten Kurve stürzte, über die Strecke rutschte und das halbe Feld an ihr vorbeifuhr. Sie musste daraufhin ins Krankenhaus geflogen werden.

Maria Herrera

Maria Herrera gewann beide Rennen und feierte ihren Erfolg mit den Fans

Foto: Pirelli

Beim dritten Startversuch kollidierte die Österreicherin Lena Kemmer noch beim Sprint zur ersten Kurve mit Emily Bondi und schlitterte in die Boxenmauer. Dabei blieb sie glücklicherweise unverletzt. Dass Maria Herrera schlussendlich das erste WorldWCR-Rennen der Geschichte gewann, wurde zur Nebensache.

Sind die Motorräder zu schwer und zu träge?

Bereits bei der Premiere habe ich mich gefragt, ob die Wahl des Materials wirklich passend ist. Ich verstehe, dass das Ziel verfolgt wurde, ein Motorrad auszuwählen, das zwischen der Supersport-300-WM und der Supersport-WM angesiedelt ist, um die Meisterschaft für möglichst viele Teilnehmerinnen zugänglich zu machen.

Ich kann auch das Konzept der Einheits-Motorräder nachvollziehen, das sehr viele Vorteile hat und große Chancengleichheit bei überschaubaren Kosten bietet. Für 25.000 Euro erhalten die Teilnehmerinnen ein Rundum-Sorglos-Paket. Aber war die Yamaha R7 wirklich die optimale Wahl für die Frauen-WM?

Yamaha R7

Technisch gibt es nicht viele Änderungen zur Serienversion der Yamaha R7

Foto: S. Fränzschky

Die R7 ist mit etwa 75 PS ein leistungsschwaches und vergleichsweise schweres Motorrad. Die geringe Leistung hat zur Folge, dass es nicht so einfach ist, sich in den Rennen von seinen Gegnern oder in diesem Fall Gegnerinnen abzusetzen. Rennen mit großen Gruppen sind die Folge. Das ist toll für die Show, steigert aber das Risiko.

Das hohe Gewicht und die damit verbundenen Kräfte im Falle eines Unfalls sehe ich ebenfalls kritisch, vor allem weil einige der Teilnehmerinnen sehr zierlich sind. Hätte es eine bessere Wahl gegeben? Sicher. Aber mir ist bewusst, dass es nicht einfach ist, eine kostengünstige Lösung zu finden. Viele Teams werden von der Familie der jeweiligen Fahrerin geführt.

Große Anspannung: Zu viele Termine neben dem Renngeschehen?

Bei der Wahl des eingesetzten Materials gibt es sicher viele verschiedene Sichtweisen. Eindeutiger sind meiner Meinung nach die Fehler, die im Rahmen des Premieren-Wochenendes gemacht wurden. Und mir ist vollkommen bewusst, dass ich als Medienvertreter hier sicher ein Teil des Problems war.

Lucy Michel; Alvaro Bautista

Lucy Michel bildete beim Pre-Event ein Team mit Alvaro Bautista

Foto: WorldSBK.com

Denn was den Teilnehmerinnen am ersten Wochenende zugemutet wurde, hat den Bogen zweifellos überspannt. Zahlreiche Medientermine, Präsentationen, Fotoshootings und Videoshootings sind für Profis mittlerweile ein Teil des Jobs. Doch ein großer Teil des WorldWCR-Feldes fährt nicht professionell Motorradrennen. Nicht alle Teilnehmerinnen können auf die Erfahrung zurückgreifen, die Ana Carrasco und Maria Herrera haben.

 

So berichtete mir Lena Kemmer, dass sie einer normalen 38,5-Stunden-Woche nachgeht und ihren Urlaub für die Rennerei "opfert". Es ist einfach nur naheliegend, dass bereits die Anspannung der Rennen eine große Herausforderung ist. Ich habe riesigen Respekt, dass die Mädels auch die anderen Aufgaben stets freundlich gemeistert haben.

Lena Kemmer

Lena Kemmer nahm Urlaub für das Rennwochenende in Misano

Foto: Pirelli

Es steht aber außer Frage, dass vor allem die weniger erfahrenen Pilotinnen zeitweise etwas überfordert waren. Die eigene Erwartungshaltung, der Druck dieser großen Bühne und das rege Medieninteresse haben ein angespanntes Umfeld kreiert, das schlicht und einfach zu viel war.

Wirklich alle Teilnehmerinnen gut genug für eine WM?

Die Zeitenunterschiede in Misano verdeutlichen, dass es beim fahrerischen Niveau große Unterschiede gibt. In der Superpole lagen 8,5 Sekunden zwischen der Spitze und dem Ende des Feldes. Die sonst übliche 107-Prozent-Regel gibt es in der WorldWCR nicht. Ich stelle mir die Frage, ob wirklich alle Fahrerinnen qualifiziert waren, um sich dieser Herausforderung zu stellen.

WorldWCR

In der WorldWCR treffen Fahrerinnen aus der ganzen Welt aufeinander

Foto: Pirelli

Im Fahrerlager hörte man diesbezüglich einige kritische Stimmen. Beanstandet wurde, dass die Verantwortlichen der Serie den Fokus darauf gelegt haben, Fahrerinnen aus allen Bereichen der Welt zu finden, um der WorldWCR einen echten WM-Charakter zu verleihen, auch wenn man nur in Europa fährt. Wäre es nicht besser gewesen, die Qualität stärker in den Vordergrund zu schieben?

Wenig Fahrzeit und viel Druck vor dem Rennstart

Der komprimierte Zeitplan hat die Situation zusätzlich verschärft. Ist es wirklich eine gute Idee, bereits in der zweiten Session die Startaufstellung auszufahren? Dieser Plan setzte die zum Teil unerfahrenen Teilnehmerinnen unnötig stark unter Druck. Andererseits bietet der WSBK-Zeitplan nicht viele Lücken für zusätzliche Sessions.

WorldWCR

Vor der Superpole gab es nur eine Trainingseinheit

Foto: Pirelli

Die WorldWCR-Premiere hat für mich viele Fragen aufgeworfen. Vielleicht war der chaotische Samstag aber auch nur eine unglückliche Momentaufnahme und sollte nicht überbewertet werden.

Meiner Ansicht nach bleibt aber ein gewisser Beigeschmack. Anstatt ein positives Signal in die Welt zu senden, wurden die Vorurteile eher bestätigt als abgebaut.

Und warum man nach dem ersten Rennen eine Siegerehrung mit Prosecco-Dusche veranstalten musste, während eine Teilnehmerin um ihr Leben kämpfte, muss mir auch mal jemand erklären. Spätestens an dieser Stelle wäre ein klares Signal von den Verantwortlichen der FIM nötig gewesen. Jorge Viegas hatte eine Gelegenheit dafür, als er der Siegerin den Pokal überreichte.

Wie haben Sie den WorldWCR-Auftakt in Misano wahrgenommen? Teilen Sie mir Ihre Meinung auf Facebook unter "Sebastian Fränzschky - Motorsport-Journalist" mit. Dort gibt es meine Texte, Insiderinfos, Meinungen und Einschätzungen zu aktuellen Themen. Und natürlich die Möglichkeit, diese Kolumne zu diskutieren!

Sportliche Grüße,
Sebastian Fränzschky

Mit Bildmaterial von WorldSBK.

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