WSBK Jerez: Rea profitiert von Melandri-Drama

Jonathan Rea holt seinen ersten WSBK-Sieg in Jerez – Chaz Davies hält Tom Sykes in Schach – Ex-Weltmeister Sylvain Guintoli zeigt starkes Comeback

Dramatische Szenen in Jerez: Durch einen technischen Defekt wurde Marco Melandri (Ducati) am Samstagnachmittag um den sicheren Sieg gebracht. Vier Runden vor Rennende rollte die Ducati mit der Startnummer 33 aus und machte den Weg frei für Weltmeister Jonathan Rea (Kawasaki), der seinen ersten WSBK-Sieg in Jerez feierte. Ebenfalls auf dem Podium landeten Chaz Davies (Ducati) und Tom Sykes (Kawasaki), die um den Vizetitel kämpfen.

"Ein unglaubliches Rennen", betont Sieger Rea. "Ich wollte das Rennen kontrollieren, doch dann ging Marco vorbei, Chaz ebenfalls. Ich musste das Tempo anziehen. Ich bin sehr froh, gewonnen zu haben, doch für Marco tut es mir leid. Nicht, dass ich den Sieg nicht verdient hätte, aber Marco sollte wenigstens auf dem Podium stehen. Es tut mir sehr leid für ihn."

Um den Sieg konnte Davies nicht kämpfen, doch Platz zwei half dabei, in der WM näher an Sykes heranzukommen. "Wir waren ähnlich schnell. Das erkannte ich, als ich hinter ihm fuhr. Ich wollte ihm entkommen, als ich vor ihm lag, doch es war ein Katz- und Maus-Spiel", kommentiert der Ducati-Pilot. "Nachdem wir das zweite Training gestern verpassten, fühlte es sich richtig gut an. Es war schwierig, denn wir verloren sehr viel Trainingszeit."

"Durch den neuen Asphalt ist es wie eine neue Strecke für uns. Ich hatte das Gefühl, im Rennen sehr viel zu lernen. Es war schwierig. Ich bin froh, dass ich auf Tom ein paar Punkte gutmachen konnte", berichtet Davies und fügt hinzu: "Marco hatte großes Pech. Ich gratuliere Johnny zum Sieg."

Für Sykes endete das Rennen mit Platz drei nicht wie gewünscht. "Ich gab mein Bestes", betont der Brite. "Chaz fuhr ein gutes Rennen. An einigen Stellen fuhr er weite Linien, doch das war auf die Abstimmung seiner Maschine zurückzuführen. Er kann diese Linien gut kompensieren. Unterm Strich bin ich mit unserem Renntempo zufrieden. Trotz der hohen Temperaturen waren wir schnell. Lediglich in den schnellen Kurven verloren wir etwas Zeit. Darauf müssen wir uns morgen konzentrieren."

Der erste Lauf in Jerez musste zwei Mal gestartet werden. Beim ersten Versuch stürmte Rea an die Spitze und bog vor Melandri in Kurve 1 ein. Dahinter kamen sich Michael van der Mark (Yamaha) und Sykes in die Quere. In Kurve 6 stürzten Ayrton Badovini (Kawasaki) und Raffaele de Rosa (BMW). Die Verantwortlichen brachen das Rennen ab. 13:21 Uhr erfolgte der Neustart.

Auch beim zweiten Start bog Rea als Führender in die erste Kurve ein. Dahinter folgten nach dem ersten Umlauf Melandri, Sykes, Davies, van der Mark und Alex Lowes (Yamaha). Nach wenigen Runden setzten sich die Top 4 ab. Dahinter tobte ein Duell der Yamaha-Piloten. Honda-Pilot Takumi Takahashi (Honda) schied zeitig durch einen Sturz aus.

Sykes erlebte eine Schrecksekunde und verlor den Anschluss an die Spitze. Mit starken Rundenzeiten fuhr der Weltmeister von 2013 die Lücke aber schnell wieder zu. Die Top 6 lagen innerhalb weniger Sekundenbruchteile.

In Runde neun übernahm Melandri die Führung. In Kurve 9 zog der kleine Italiener an der Kawasaki mit der Startnummer 1 vorbei. Wenig später nutzte auch Teamkollege Davies die Gunst der Stunde und überholte Rea in Kurve 1. Es führten zwei Ducatis vor zwei Kawasakis und zwei Yamahas.

Rea konterte mit einem aggressiven Manöver in Kurve 13 und ermöglichte damit, dass Melandri entkommt. Mit einer starken Schlussoffensive steigerte Rea den Druck auf Melandri, der das Rennen dennoch kontrollieren konnte. Doch die Technik verhinderte den zweiten Saisonsieg. Die führende Ducati Panigale rollte aus, Rea übernahm die Führung und verteidigte diese trotz eines Fahrfehlers in Kurve 6.

Rea kam nach 19 Runden mit 1,137 Sekunden Vorsprung auf Davies ins Ziel. Sykes' Versuche, Platz zwei zu übernehmen, scheiterten. Der Ex-Weltmeister büßte somit vier Punkte auf Davies ein. Yamaha-Pilot Lowes verpasste den Sieg um weniger als vier Sekunden. Teamkollege van der Mark komplettierte das aus Yamaha-Sicht positve Ergebnis mit Platz fünf.

Eine starke Leistung zeigte WSBK-Rückkehrer Sylvain Guintoli, der mit seiner Puccetti-Kawasaki als Sechster der erste Verfolger der Werksmaschinen von Kawasaki, Ducati und Yamaha war. Nicht ins Ziel schaffte es Dominic Schmitter mit seiner Suzuki GSX-R1000. Der IDM-Pilot stellte sein Motorrad vorzeitig ab.

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Über diesen Artikel
Rennserien Superbike-WM
Veranstaltung Jerez
Rennstrecke Circuito de Jerez
Artikelsorte Rennbericht