Analyse: Warum Piloten lieber Einzelrennen statt eine komplette Saison fahren

Es wird immer schwieriger, das Budget für eine Rennsaison aufzutreiben. Gleichzeitig bezahlen große Teams bei Langstrecken-Rennen viel Geld für Copiloten, die nur einzelne Rennen fahren. Andrew van Leeuwen analysiert diese Situation.

Denn noch bis vor einer Woche hatte Jack Perkins nie ein V8-Supercars-Rennen gewonnen.

Es mangelte nicht an Versuchen, auch nicht an Talent. Aber es fehlte schlicht und ergreifend an der Möglichkeit. Perkins hatte nie ein konkurrenzfähiges Auto, das es ihm gestattet hätte, ein Wörtchen um die Vergabe der Podestplätze mitzureden.

Doch dann hat er beim Holden Racing Team für die Langstrecken-Rennen der Saison 2015 unterschrieben.

In anderen Worten: Um ein Rennen zu gewinnen, musste er aufhören, ein Vollzeit-Rennfahrer zu sein. Nach seinem Triumph sprach Perkins jedoch ausführlich über diesen Schritt und erklärte, weshalb er diesen Kurs so fortsetzen will.

„Ich wollte einfach nicht das Feld auffüllen und auf meine Chance bei einem Topteam warten, aber gleichzeitig jede Woche nur 15. werden“, sagte er in der Pressekonferenz.

„In diesem Starterfeld gibt es vielleicht sechs bis acht Fahrzeuge, die eine Siegchance haben. Da dachte ich mir: Es wäre besser, drei Rennen mit einem solchen Auto zu fahren als 15 Rennen, bei denen ich nur das Feld auffülle.“

„Inzwischen fühle ich mich wohl damit, nur die Langstrecken-Rennen zu bestreiten. Es gibt nicht viele Vollzeit-Cockpits, die mich interessieren würden und die zugleich eine bessere Chance bieten würden als das, was ich derzeit habe.“

Klingt plausibel. Denn warum sollte sich ein junger Fahrer wie Perkins tagein, tagaus bemühen, ein Budget zusammenzukratzen, um am Ende das dritte Auto eines Mittelfeld-Teams für eine komplette Saison zu bewegen, wenn er sich mit einem Langstrecken-Einsatz etwas dazuverdienen kann und damit sogar Siegchancen hat?

Eine unendliche Geschichte

Das Leben eines Mittelfeld-Fahrers in der V8-Supercars-Rennserie ist ein hartes. Denn unterm Strich kostet der Einsatz der Autos Geld. Und es liegt nahe, dieses Geld aufzubringen, indem sich die Teams einen Fahrer suchen, der eben dieses Geld schon mitbringt.

Wenn du als Rennfahrer aber nicht Millionen Euro auf dem Konto hast – auch das gibt es in der V8-Supercars-Serie –, musst du dein Budget anderweitig auftreiben. Es gilt Sponsoren zu finden und Verträge abzuschließen. Aber es besteht auch die Chance, dass ein Fahrer mit einem größeren Budget daherkommt. Und diesen Konkurrenten musst du überbieten, wenn du das Cockpit haben willst.

Und es geht immer so weiter. Denn abgesehen von ein paar wenigen Piloten in den Topteams, die viel verdienen und langfristige Verträge haben, dreht sich das Sponsorenkarussell munter weiter. Sobald das erste Saisonrennen ansteht, ist es auch an der Zeit, sich über das Folgejahr Gedanken zu machen.

Das muss kräftezehrend sein. Vor allem für Fahrer wie Perkins, die schon seit über einem Jahrzehnt dabei sind.

Und selbst zu Zeiten, an denen die Wirtschaft finanziell gut dasteht, wirst du mit der Realität konfrontiert: All die harte Arbeit, aber am Ende fährst du 16 Mal im Jahr um den 18. Platz.

Auf einmal ist ein Vollzeit-Cockpit nicht mehr nur zeitfressend und teuer, sondern zerstört obendrein auch noch dein Selbstvertrauen.

Eine bessere Lösung

Die Entscheidung der V8-Supercars, bei Langstrecken-Rennen keine zwei Topfahrer in einem Auto zuzulassen, hat das den Fahrermarkt der Rennserie revolutioniert.

Die großen Teams müssen sich nun neue Fahrer suchen, die für drei Rennen im Jahr zur Mannschaft stoßen. Und wir reden hier nicht von Pfennigbeträgen: Wie Motorsport.com von einem Insider erfahren hat, verdienen Copiloten bei ihren wenigen Einsätzen zwischen 40.000 und 75.000 Euro oder mehr.

Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass dafür nur drei Rennwochenenden zu bestreiten sind. Und es ist auf jeden Fall besser, als einen Millionenbetrag aufbringen zu müssen, um Rennfahren zu können.

Und so haben auch Rennfahrer eine Siegchance, die sonst nicht vorn mit dabei wären, wenn sie in Vollzeit antreten würden. Ein Beispiel: Paul Dumbrell hat in neun Saisons als Vollzeit-Fahrer ein Rennen gewonnen. Seit er nur noch gelegentlich antritt, siegte er einmal beim Bathurst 1.000 und zweimal beim Sandown 500.

Eine kuriose Situation, die aber nichts Schlechtes für den Sport bedeuten muss. Denn natürlich ist es auch weiterhin erstrebenswert, eine komplette Saison zu bestreiten. Vor allem für junge Fahrer, die sich erst noch beweisen müssen. Daher wird das Starterfeld immer wieder durch neue Talente bereichert.

Die große Chance bietet sich vielmehr für erfahrene Piloten, die sich schon einmal in der Meisterschaft versucht haben, denen der große Durchbruch aber nicht gelungen ist, die aber andererseits zu viel Talent haben, um einfach so das Handtuch zu werfen. Man denke an Perkins, an Dean Fiore, an Taz Douglas oder Tony D’Alberto.

Und unterm Strich ist es doch so: Alles, was den Fahrern zu bezahlten Renneinsätzen verhilft, ist eine gute Sache.

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