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Wirbel in Australien: Abgesagtes Supercars-Rennen wird zum Politikum

Das Adelaide 500 ist abgesagt, doch das wollen nicht alle auf sich sitzen lassen - Die Opposition verspricht Rückkehr bei Wahlsieg, Premier hält das für "rücksichtslos"

Wirbel in Australien: Abgesagtes Supercars-Rennen wird zum Politikum

Mit dem Adelaide 500 ist eine der traditionsreichsten Motorsportveranstaltungen Australiens gekippt worden. Damit will sich die politische Opposition aber nicht abfinden und hat bereits eine Absichtserklärung mit den Supercars für ein Event ab 2023 abgeschlossen, sollte sie die nächsten Wahlen in Südaustralien gewinnen. Das Rennen wird zum Politikum.

Anders als man im ersten Moment denken mag, wurde das Rennen nicht aufgrund einer linksgrünen Politiklinie, sondern von der alleinregierenden liberalkonservativen Partei aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt. Der Support für das Rennen kommt von der sozialdemokratischen Labor-Partei.

Das Adelaide 500, das in der Vergangenheit mehrfach für seine Zuschauerfreundlichkeit ausgezeichnet worden war, hat in den vergangenen drei Jahren einen dramatischen Zuschauerverlust hinnehmen müssen. Bis dahin war das Event eines der meistbesuchten Sportereignisse in ganz Australasien, mit einem Rekordpublikum von 291.400 Zuschauern an vier Tagen im Jahr 2008.

Fast pausenlose Action auf der Strecke an vier Tagen wechselte sich mit Konzerten bis spät in die Nacht ab. Noch 2018 kamen 273.500 Zuschauer. 2019 waren es nur noch 254.000, im Februar 2020 (das Wochenende fand vom 20. bis 23. Februar statt) gab es einen dramatischen Abfall auf 206.000 Zuschauer.

Die Gründe für den Zuschauerschwund

Eine Reihe von Gründen wird für den dramatischen Verlust verantwortlichen gemacht: Die im späten Februar sich bereits abzeichnende COVID-19-Krise, die verheerenden Buschfeuer in Australien um den Jahreswechsel 2019/20, und ein weniger hochkarätiges Line-up für das Konzert werden als Gründe jenseits des Racings genannt.

Lockten in den Jahren zuvor Acts von Pop-Ikonen wie Robbie Williams oder den Red Hot Chili Peppers die Menschen zum Event, wurden 2020 nur noch national Bands ausgewählt, die zwar in Australien eine nicht zu verachtende Anhängerschaft haben, aber nicht mit den zuvor genannten Giganten mithalten können.

Doch auch auf der Strecke mussten die Fans Abstriche machen. Das Rahmenprogramm wurde seit 2017 immer weiter gekürzt - unter anderem die beim Vor-Ort-Publikum äußerst beliebten Stadium Super Trucks waren nicht mehr dabei. Auch wurden Sanitär- und Verpflegungsangebote in den vergangenen Jahren zurückgefahren, was zu verärgerten Fan-Reaktionen in den sozialen Medien führte.

Und dann ließ auch noch General Motors sechs Tage vor dem Rennen 2020 die Bombe platzen, dass die Traditionsmarke Holden Ende des Jahres eingestampft werden wird. All diese Faktoren trugen zum massiven Verlust von Zuschauern bei, die das Event tief in die roten Zahlen trieb.

Für 2021 sollte Adelaide ans Jahresende rutschen und neues Finale statt Saisonauftakt werden. Doch daraus wird nun erst einmal nichts. Die COVID-19-Pandemie, bei der sich abzeichnet, dass sie mindestens weite Teile des Jahres 2021 beeinflussen wird, war der letzte Sargnagel.

Angesichts der jetzigen Lage sei es nicht möglich, ein nachhaltig erfolgreiches Event auf die Beine zu stellen, heißt es aus dem südaustralischen Tourismusministerium. "Wir unterstützen den Motorsport weiterhin und werden schnellstmöglich Optionen für zukünftige Motorsportevents untersuchen", heißt es weiter. Als Ersatz ist momentan ein Formel-E-Rennen in Adelaide im Gespräch.

Premierminister geißelt Oppositionspläne als rücksichtslos

Oppositionschef Peter Malinauskas hat andere Pläne: "Wenn Labor die Wahlen [2022] gewinnt, werde ich die Supercars auf die Straßen Adelaides zurückbringen", erklärt er auf Facebook. Das sind nicht bloß hohle Phrasen: Mit Supercars-Chef Sean Seamer hat er bereits eine Absichtserklärung ("Memorandum of Understanding") unterzeichnet.

"Ich habe das Gefühl, dass Peter Malinauskas über sämtliche Basics dieses Rennens falsch informiert ist." - Steven Marshall

‘¿’Das wiederum treibt Südaustraliens Premierminister Steven Marshall auf die Barrikaden. "Ich habe das Gefühl, dass Peter Malinauskas über sämtliche Basics dieses Rennens falsch informiert ist." Damit meint er vor allem die volkswirtschaftlichen Kosten.

"Er geht hier rücksichtslos vor. Das Tourismusministerium hat sich alle Daten angesehen. Sie haben eine einstimmige Empfehlung ausgesprochen. Wir haben das widerwillig akzeptiert. Wir würden ja gerne mit dem Event weitermachen, aber wir haben uns alle Daten angesehen. Es ist schlicht nicht möglich - besonders in der aktuellen Coronasituation."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Supercars
Urheber Heiko Stritzke