Gesamt-Boxenzeiten in der VLN: Altes Problem gelöst, neues geschaffen?

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Gesamt-Boxenzeiten in der VLN: Altes Problem gelöst, neues geschaffen?
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18.02.2020, 09:16

Die VLN führt für die meisten Klassen eine vorgeschriebene Zeit an der Box pro Rennen ein - Damit ist Gleichheit für alle garantiert, aber neue Gefahren entstehen

In der Nürburgring Langstrecken-Serie (VLN) gelten ab der Saison 2020 für alle Klassen außer SP9, SP10, SPX und SP-Pro Gesamtzeiten, die an der Box verbracht werden müssen. Die Maßnahme löst ein bestehendes Problem. Sie droht aber, ein neues zu schaffen, wie 'Motorsport.com' erfahren hat.

Hintergrund der Maßnahmen sind fortlaufende Beschwerden über eine unterschiedliche Performance der Zapfsäulen in der Boxengasse. Vor allem die Box 33 soll über ein außerordentlich gut funktionierendes System verfügen, weil sie über eine unabhängige Pumpe verfügt. Es ist die ehemalige Diesel-Zapfsäule. Probleme gab es auch, wenn an vielen Säulen gleichzeitig getankt wurde.

In den "großen" Klassen sorgte wurde das Problem mit den Mindeststandzeiten pro Boxenstopp umgangen. Dieses System bleibt auch bestehen. Den kleineren Klassen wollte man die komplizierte Regelung mit unterschiedlichen Tabellen nicht aufhalsen.

Diese Klassen müssen stattdessen nun pro Rennen eine Mindestzeit an der Box verbringen. Wann und wie sie das tun, bleibt den Teams selbst überlassen. Die Überlegung hinter der neuen Regel: Man würde so Druck vom Boxenpersonal nehmen und die Boxenstopps weniger hektisch ablaufen. Das käme der Sicherheit zugute.

Die Gesamt-Boxenzeiten lauten:

Standzeit Klasse
07:00 Minuten V1 bis V5, VT1, VT2, SP1 bis SP4, SP2T, Cup X
08:00 Minuten SP5 bis SP7, SP3T, H2, H4, AT-G, TCR, OPC, Cup 2 bis Cup 5
09:00 Minuten V6, VT3, SP8, SP4T, SP8T

Beim 6-Stunden-Rennen lauten die Aufenthaltszeiten an der Box 10:30, 12:00 und 13:30 Minuten.

Massenandrang in der letzten Runde?

Auf wenig Begeisterung stößt dieses System bei Teams der Klasse V6, die zwei Minuten länger an der Box verbringen müssen als Teams aus der V5. Das kann Nachteile beim Thema Wertungsgruppensieg bedeuten.

Noch mehr Gedanken machen sich Teamvertreter und auch die Teamvereinigung ILN um eine neue Undurchsichtigkeit der Rennverläufe. Selbst wenn die Monitore die abgeleistete oder noch zu leistende Boxenzeit anzeigen sollen: Man müsste ständig rechnen. Die Streckensprecher dürften sich bereits über den Winter im Kopfrechnen beschäftigt haben.

Ein weiterer Aspekt: Das neue System schreibt die Aufenthaltszeiten zwar vor, aber nicht, wann diese Zeit abgesessen werden muss. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die meisten Teams weiterhin versuchen werden, ihre normalen Boxenstopps so schnell wie möglich zu absolvieren und die restliche Zeit als Puffer für eventuelle Notfälle (zum Beispiel Reifenschäden) zu nutzen.

Fabian Schiller, Markus Palttala

In den großen Klassen verändert sich gegenüber den vergangenen Jahren nichts

Foto: Gruppe C

Da die wenigsten Teams diesen Puffer in Anspruch nehmen werden, könnte es passieren, dass eingangs der letzten Runde die Boxengasse plötzlich aus allen Nähten platzt. Dann kämen nämlich zahlreiche Teams rein, um ihre Rest-Boxenzeit abzusitzen. Ein solches Szenario würde kaum für mehr Sicherheit sorgen.

Tankanlagen werden neu gemacht

Im Zuge des Total-Sponsorings des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring werden die 20 Jahre alten Zapfsäulen in der Boxengasse in diesem Winter zwar ersetzt. Die VLN scheint dem Braten allerdings nicht zu trauen.

Da die VLN-Läufe mittlerweile in den meisten Klassen reine Sprintrennen sind, können schon geringfügige Unterschiede in der Performance der Tankanlagen einen großen Unterschied ausmachen.

Die Nürburgring Langstrecke-Serie 2020 beginnt am 21. März mit der 66. Westfalenfahrt. Sieben Tage vorher finden die Test- und Einstellfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife statt.

Mit Bildmaterial von VLN.

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Rennserie VLN
Urheber Heiko Stritzke