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Interview mit Hubert Haupt: "Besseren Einstand kann man kaum haben"

Drei Rennen, dreimal Podium und dreimal im Siegkampf - Hubert Haupt über die Gründung des Teams und wie der die ersten drei VLN-Läufe erlebt hat

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Interview mit Hubert Haupt: "Besseren Einstand kann man kaum haben"

Diese Bilanz kann sich sehen lassen: Drei Rennen hat das Haupt Racing Team (HRT) bislang bestritten, dreimal landete man auf dem Podium, einmal hat man gewonnen. Ein zweiter Sieg hängt in der Schwebe, ein dritter ging nur durch eine Zeitstrafe verloren.

"Nicht schlecht, Herr Specht", könnte man für ein neues Team meinen. Wobei, wie viel ist hier wirklich neu? Hubert Haupt erklärt, dass sein Team doch mehr ist als Black Falcon im neuen Gewand und wie er die ersten drei Rennen erlebt hat.

Frage: "Herr Haupt, Ihre Bilanz als neues Team ist ja gigantisch ..."

Hubert Haupt: "Wir sind in den ersten drei Rennen dreimal aufs Podium gefahren. Einen besseren Einstand kann man eigentlich als neu gegründetes Team gar nicht haben. Das ist absolut perfekt gelaufen."

Frage: "Ist Zeitstrafe aus VLN1 noch ärgerlich, nicht den Sieg direkt als neues Team geschafft zu haben?"

Haupt: "Wir waren eigentlich schon glücklich, dass wir überhaupt beim ersten Rennen an den Start gehen konnten."

"Die ganze Zusammensetzung des Teams inklusive Fahrer und AMG-Vertrag in der Kürze der Zeit hinzubekommen, war eine Herausforderung. Wir hatten eigentlich gar nicht damit gerechnet, bei VLN1 starten zu können. Dann mit einer Pole zu starten und das Rennen fast zu gewinnen, war großartig. Natürlich wäre es ein Traum gewesen, beim ersten Rennen gleich den Sieg zu holen."

"Bei den ersten beiden Boxenstopps waren wir ein paar Sekunden zu lange drin und haben deshalb mit zwei Sekunden weniger [für den letzten Stopp] kalkuliert. Deshalb waren wir zwei Sekunden zu schnell. Ein Fauxpas, der nicht passieren darf, wenn man in so einer Serie Rennen gewinnen will. Aber wir haben es ja beim zweiten Rennen wiedergutgemacht."

Frage: "Und wie Sie das gemacht haben. Wie emotional ist der Sieg gewesen?"

Haupt: "Das war unglaublich. Man gründet ein Team und investiert natürlich erst einmal rein. Man versucht, die Mitarbeiter richtig zu positionieren und motivieren. Man erwartet natürlich nicht, dass man von vorn herein diese Performance zeigt."

"Natürlich waren die Fahrer und Autos alle bekannt. Trotzdem ist es unglaublich emotional, so schnell einen Sieg zu holen - und vielleicht noch einen zweiten dazu. Das wäre natürlich fantastisch."

"Es tut mir schon irgendwo für Ferrari leid. Ich bin großer Ferrari-Fan. Wegen so einer Reifengeschichte hinten herunterzufallen, ist dann schon sehr schade. Aber Reglement ist Reglement."

Frage: "Haben Sie den Kampf an der Spitze verfolgen können oder waren Sie im anderen Auto unterwegs?"

Haupt: "Ich bin im anderen Auto den Start gefahren. Deshalb konnte ich das Rennen die letzten drei Stunden über verfolgen."

"Natürlich habe ich gesehen, wie Adam Christodoulou gekämpft hat. Man muss dazu sagen, dass er seit dem 24-Stunden-Rennen 2019 nicht mehr [auf der Nordschleife] im Auto gesessen hat. Er hatte ganze zwei Runden, um sich einzuschießen."

"Man braucht auf der Nordschleife ein bisschen Zeit. Man muss erst wieder die Lockerheit gewinnen und auch wieder das Gefühl dafür bekommen, wie man um die anderen Autos herumfährt. Ich glaube, das hat ein bisschen dazu beigetragen, dass er zwei bis drei Runden gebraucht hat, bis die Zeiten wieder richtig drin waren. Da war der Ferrari natürlich schon dran."

Frage: "Wie sehr haben Sie in der Box mitgefiebert?"

Haupt: "Wir haben alle verfügbaren Daumen gedrückt und wollten diesen Sieg unbedingt. Aber wir haben irgendwann erkannt, dass der Ferrari einen Tick schneller ist, und schon befürchtet, dass er irgendwann auf der Döttinger Höhe an uns vorbeifahren würde. Dass er es schon woanders schaffen würde, haben wir nicht erwartet."

"Aber Adam wollte einfach das Auto nach Hause bringen und keinen Unfall riskieren. Kilometer zu sammeln war oberste Priorität. Deshalb haben wir lieber einen zweiten Platz in Kauf genommen als einen möglichen Sieg mit dem Risiko eines Ausfalls."

Haupt Racing Team, Mercedes-AMG GT3

Das Haupt Racing Team startet gleich mit einer beeindruckenden Flotte durch

Foto: Haupt Racing Team

Frage: "Wie viel Black Falcon steckt im neuen Team drin? Es gibt ja welche, die sagen, es sei einfach nur Black Falcon in neuem Gewand ..."

Haupt: "Wir haben ein paar Assets von Black Falcon übernommen, aber beispielsweise Autos neu hinzugekauft. Ich habe teilweise die Mannschaft von Black Falcon angeheuert, aber wir haben auch Leute von außerhalb geholt."

"Wir haben das Team völlig neu strukturiert. So haben wir zum Beispiel einen Ingenieur, der über alle Autos wacht, statt für jedes Auto einen. Da haben wir einiges geändert. Es ist ein neues Team, natürlich mit bekannten Gesichtern. Die Fahrer kommen zum Teil ja auch bei HRT über die AMG-Kooperation. Insofern ist es die Gründung eines neuen Teams mit dem Besten, was man zur Verfügung hatte."

"Natürlich gab es auch ein Agreement mit Black Falcon, das zwischen Alex Böhm und mir abgesprochen war. Black Falcon wollte den professionellen GT3-Sport nicht mehr fortführen und sich auf den Kundensportbereich konzentrieren."

"Insofern war es eine gute Gelegenheit, gerade jetzt in der Coronazeit ein Zeichen zu setzen: Ich stehe zum Motorsport, auch in schwierigen Zeiten. Ohne genau zu wissen, wie die Zukunft aussieht. Deshalb habe ich investiert und ein neues Team gegründet."

Frage: "Unseren Informationen zufolge war der Transfer erst später geplant gewesen. War Corona ein 'Brandbeschleuniger' in dieser Sache?"

Haupt: "Die Diskussionen über eine Teamgründung führen wir schon seit einem Jahr. Aber dass es jetzt mitten in der Saison passiert, ist natürlich Corona geschuldet."

"Man muss sich das vorstellen: Die Teams haben ihre laufenden Kosten, aber keine Einnahmen. Da ist es natürlich schwierig. Und so kam die Entscheidung von Black Falcon, den GT3-Sport nicht weiterzuverfolgen, spontan und kurzfristig schon für dieses Jahr."

"Deshalb hatte ich die große Chance, es jetzt zu machen. Die Alternative wäre gewesen, auch als Fahrer nicht mehr genau zu wissen, wo ich in Zukunft fahren soll. Da ich mich noch fit genug fühle, um noch weiter zu fahren, konnte ich mir jetzt den Traum in Erfüllung gehen lassen, ein eigenes Rennteam zu haben."

Frage: "Wie lang sind Ihre Arbeitstage gewesen?"

Haupt: "Wer mich kennt weiß, dass ich ein Immobilienunternehmen habe, das mich gut auslastet. Wir haben in Bayern zahlreiche Großprojekte. Natürlich gab es jetzt in der Coronazeit auch dort diverse Krisenthemen. Unsere Kapazitäten waren ziemlich am Anschlag."

"Aber das Thema Motorsport ist für mich eine Herzensangelegenheit. Für so etwas hat man im Leben immer Zeit. Ich habe mich die vergangenen Wochen auch intensiv mit allen Themen befasst - Personalverträge, Sponsorenvereinbarungen, Fahrerverträge, AMG-Kooperationg. Dazu das Team formen und Strukturen schaffen, kaufmännisches Controlling einführen - da gibt es viel zu tun."

"Ich habe viel Zeit investiert, aber auch gute und erfahrene Mitstreiter an meiner Seite gehabt, da ja wirklich enorm viel in kürzester Zeit zu tun war. Aber es hat mir Spaß gemacht. Und was man mit Freude tut, macht man im Leben immer gern."

Frage: "Was sind die Ziele des neuen Teams?"

Haupt: "Wir haben natürlich das große Ziel, in diesem Jahr mit einem neu gegründeten Team das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zu gewinnen."

"Ich glaube, dass wir auch eine Chance haben, die Meisterschaften der GT World Challenge Europe zu gewinnen. Das ist ein großes Ziel. Und natürlich haben wir auch das Ziel, bei den 24 Stunden von Spa gut auszusehen. Das sind unsere kurzfristigen, aber schon sehr hochgesteckten Ziele. Wir arbeiten daran, dass wir diese auch erreichen."

"Für das kommende Jahr wollen wir das Team auf noch professionellere Beine stellen und ausbauen. Möglicherweise treten wir dann auch mit mehreren Autos an, sowohl mit [AMG-] Performanceautos als auch mit Amateurautos."

Frage: "Und das Ganze mit Hubert Haupt selbst am Steuer?"

Haupt: "Ja, absolut. Das war überhaupt ein Beweggrund für mich, dieses Team zu gründen. Es macht immer noch Spaß. Ich bin jetzt 51, aber immer noch konkurrenzfähig. Und solange ich auf diesem Niveau Motorsport betreiben kann, werde ich die nächsten Jahre natürlich noch aktiv als Fahrer mit dabei sein."

Mit Bildmaterial von Haupt Racing Team.

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Rennserie VLN
Urheber Heiko Stritzke