Interview mit Sven Schnabl Teil 2: Herausforderung neuer Porsche

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Interview mit Sven Schnabl Teil 2: Herausforderung neuer Porsche
Autor: Heiko Stritzke
19.12.2018, 14:00

Sven Schnabl im exklusiven Interview über die Pläne für 2019 und das anstehende Testprogrogramm mit dem brandneuen Porsche 911 GT3 R

Nach der Saison ist vor der Saison: Sven Schnabl, Chef des Teams Schnabl Engineering, das die Einsätze für Falken Motorsport auf der Nürburgring-Nordschleife vornimmt, hat in diesem Winter eine große Herausforderung zu meistern: Der neue Porsche 911 GT3 R wird in Butzbach vorstellig. Was das für sein Team bedeutet und wie sich Falken Tire auf das neue Fahrzeug einstellen musste, erklärt er im exklusiven Interview mit 'Motorsport.com'.

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Frage: Schauen wir nach vorne, auch wenn wir dafür wieder etwas zurückblicken müssen: Nächstes Jahr kommt der neue Porsche. War euer Testeinsatz bei VLN7 hilfreich?

Sven Schnabl: "Auf jeden Fall. Wir haben uns bereits nach dem 24-Stunden-Rennen 2018 bei Porsche stark dafür eingesetzt, das neue Auto einmal fahren zu können. Das hat ganz einfach den Grund, dass uns 2019 keine böse Überraschung bevorstehen sollte. Es kann ja passieren, dass man ganz andere Aerodynamik-Werte bekommt."

"Der Vorderreifen ist größer - statt 660er fährt man 680er. Diesen haben wir beim Gen.1-Porsche schon ausprobiert und mussten dafür ein paar Änderungen an der Vorderachse vornehmen. Somit konnten wir böse Überraschungen ausschließen. Der Test hat gut funktioniert und uns ging es nicht darum, mit spektakulären Rundenzeiten aufzufallen. Sondern es ging um die Frage, ob unser Reifen über acht Runden hält. So haben wir eine Basis-Abstimmung herausgefahren."

Frage: Der neue Porsche hat eine neue Vorderachsgeometrie mit Doppelquerlenkern. Muss man da einen neuen Reifen für bauen?

Schnabl: "Nein, das muss man nicht. Zwar hat sich die Reifengröße geändert, aber es war keine komplette Neuentwicklung. Wie gesagt haben wir diese dann auch beim alten Porsche in den letzten Rennen verwendet. Natürlich fährt man mit Doppelquerlenkern eine andere Abstimmung mit anderen Federraten und Anlenkpunkten. Der Reifen, den wir beim Gen.2-Testeinsatz verwendet haben, war derselbe, mit dem wir den Sieg bei VLN9 geholt haben. Deshalb bin ich guter Dinge. Anfang Februar 2019 werden wir in Portimao ausgiebig testen."

 

Frage: Erwartet ihr, sofort auf der Performance des alten Autos zu sein?

Schnabl: "Grundsätzlich tun wir das. Es wäre ja schlecht, wenn wir langsamer werden. Dann müssten wir ja kein neues Auto kaufen. Aber natürlich hängt vieles davon ab, wohin sich die BoP entwickeln wird. Bei VLN7 hat man gesehen, dass wir grundsätzlich bei der Musik waren. Aber keiner weiß, was sich bei der BoP tun wird. Natürlich gibt es Feinheiten, die wir aussortieren müssen, wie Bremse und Fahrwerk. Und die Hoffnung, dass wir einen noch besseren Reifen finden, ist natürlich auch immer da."

"Speziell beim Thema Fahrwerk haben wir noch ein paar Dinge zu erledigen. Beim Gen.1 wussten wir genau, woran wir sind. Aber auch da mussten wir natürlich zu Beginn üben. Das wird uns sicherlich auch beim Gen.2 blühen. Dafür ist Portimao dann sicherlich auch nicht die richtige Strecke, dafür muss man auf der Nordschleife fahren. Deshalb ist es wichtig, bei den Reifen aussortiert zu sein, wenn wir im März auf die Nordschleife gehen. Dass wir genau wissen, welcher Reifen funktioniert, und wir uns sofort an die Suche nach einem Basis-Set-up machen können."

Frage: Sind Änderungen bei BMW geplant?

Schnabl: "Nein, es gibt keine Updates. Natürlich geht die Reifenentwicklung auch dort ganz normal weiter. Auch hier gilt: Stillstand ist Rückschritt. BoP-technisch heißt es, dass erst einmal alles so bleiben soll, obwohl die Rundenzeiten natürlich mächtig gepurzelt sind. Die magischen acht Minuten von früher gelten nicht mehr. Mit einer 7:56 kann man heute kaum noch in die erste Reihe fahren. Mein Gedanke war, die Autos wieder einen Tick langsamer zu machen, aber dort sagt man, dass es so bleiben soll."

"Aber alleine schon wegen der Neuasphaltierung von weiteren Bereichen auf der Nordschleife werden die Zeiten weiter purzeln. Natürlich werden die Autos noch diffiziler im Grenzbereich zu fahren sein, wenn wir uns der 7:50er-Marke nähern, die die neue 'magische Marke' werden wird. Zehn Sekunden auf der Nordschleife sind schon eine richtige Hausnummer."

#3 Falken Motorsport BMW M6 GT3: Peter Dumbreck, Stef Dusseldorp

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Foto: Jan Brucke/VLN

Frage: Seit einiger Zeit geistert das Schreckgespenst Einheitsreifen am Nürburgring umher. Das wäre für Falken der Super-GAU. Machen Sie sich Sorgen?

Schnabl: "Da machen wir uns große Sorgen. Natürlich sitzen wir in diversen Arbeitsgruppen, da gibt es auch eine für Reifen mit allen Herstellern. Die Reifenhersteller wollen alle keinen Einheitsreifen, weil viele Fahrzeuge auch über Reifenhersteller mit finanziert werden, natürlich vor allem wir."

"Ganz klar: Wenn der Einheitsreifen kommt, wird das Falken-Projekt auf der Nordschleife von jetzt auf gleich eingestellt werden. Denn wir werden nie mit einem Konkurrenzprodukt fahren. Wann immer wir gefahren sind, waren wir auf Falken-Reifen unterwegs. Anders als andere Hersteller, die einen Aufkleber auf das Fahrzeug kleben und in Wirklichkeit ein Konkurrenzprodukt fahren. Das hat es bei uns nicht gegeben und wird es nicht geben. Für uns ist das natürlich ein großes Thema, auch als Schnabl Engineering. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Nordschleife und wir hoffen, dass es nicht so weit kommen wird. Und die Reifenhersteller natürlich auch nicht."

Frage: Schnabl Engineering ist zwar erst seit dem Beginn des Porsche-Projekts dabei, aber viele Fans identifizieren Falken Motorsport eigentlich noch immer mit den früheren japanischen Fabrikaten. Ist es denkbar, in Zukunft mal wieder einen Nissan GT-R einzusetzen?

Schnabl: "Das kann ich nicht sagen, da liegt der Spielball natürlich bei Falken. Da spielen auch Marketing-Aspekte mit hinein. Ich kann nur sagen, dass es 2019 definitiv nicht dazu kommen wird, sonst hätten wir längst ein Auto bestellt. 2019 werden wir mit den beiden bestehenden Autos weiterfahren. Nissan kommt mit dem GT3-Fahrzeug wieder vermehrt auf die Nordschleife zurück. Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen. Wie weit sie wirklich sind, kann ich nicht beurteilen. Ob ein Nissan eines Tages für Falken ein Thema wird, geht jetzt über meinen Bereich hinaus.

Wenn der Einheitsreifen kommt, wird das Falken-Projekt auf der Nordschleife von jetzt auf gleich eingestellt werden.

Frage: Welche Einsätze macht Schnabl Engineering noch neben der VLN?

Schnabl: "Wir haben das VIP-Auto im Porsche-Supercup eingesetzt und einen teilweisen Einsatz eines Fahrzeugs im asiatischen Porsche-Carrera-Cup gemacht. Das sind Einsätze, die man nicht vernachlässigen darf. Wir hatten mit Felix Rosenqvist, Chris Harris und Matthias Walkner drei verschiedene Fahrer auf dem VIP-Auto, was wahnsinnig Spaß gemacht hat. Es waren auch gute Ergebnisse dabei, was bei VIP-Einsätzen ja nicht immer gegeben ist."

"Martin Raggingers Saison in Asien ist etwas unglücklich gelaufen - er ist zweimal abgeschossen worden, ohne etwas dafür zu können. Deshalb ist er nur Dritter in der Meisterschaft geworden. Da war wirklich viel Pech dabei. Aber durch solche Einsätze kommt man natürlich viel in der Welt herum."

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Teams Team Falken Motorsport
Urheber Heiko Stritzke