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Musterreifen in der VLN/NLS: Was ist das und warum gibt es sie?

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Musterreifen in der VLN/NLS: Was ist das und warum gibt es sie?
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Der octane126-Ferrari wurde aufgrund eines Vergehens beim DMSB-Musterreifenprozedere disqualifiziert - Wozu braucht es diese Bürokratie?

Die Nachricht schlug zur Geisterstunde ein wie eine Bombe: Der octane126-Ferrari von Björn Grossmann, Jonathan Hirschi, Simon Trummer und Luca Ludwig hat in der Nacht auf Montag seinen Sieg beim dritten Lauf zur Nürburgring-Langstrecken-Serie (VLN) verloren. Doch was ist das Musterreifen-Reglement und warum existiert es? Wir wollen hier etwas Licht ins Dunkel bringen.

Zunächst einmal gibt es generell zwei Reifentypen, die die großen Reifenhersteller anbieten: Von unten angefangen gibt es den Kundenreifen, der auf dem freien Markt erhältlich ist. Jedermann kann diese Exemplare käuflich erwerben (Vorsicht beim eigenen Straßenauto - TÜV sagt: Nein!).

Und dann gibt es die sogenannten Entwicklungsreifen. Diese repräsentieren den neuesten Stand der Alchimisten-Magie aus den Entwicklungslaboren der Reifenhersteller. Sie sind reine Prototypen, auf die nur ausgewählte Kooperationsteams Zugriff haben, die in der Regel werksunterstützt sind.

Sie haben natürlich eine deutlich bessere Performance als Kundenreifen. Vielleicht werden diese Entwicklungsreifen irgendwann Kundenreifen, wenn sie Serienreife erlangt haben. Bis dahin ist aber natürlich auch schon wieder eine neue Generation Entwicklungsreifen da.

Diese Entwicklungsreifen, die von den jeweiligen Herstellern jeweils gehütet wurden wie der eigene Augapfel, waren lange Zeit Standard an der Spitze des SP9-Feldes. Bis der Automobil-Weltverband FIA (der ein Mitbestimmungsrecht hat, weil die GT3 eine FIA-Klasse ist) und der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) im Winter 2016/17 einschritten, weil ihnen die GT3-Autos auf der Nürburgring-Nordschleife zu schnell wurden.

Simon Trummer, Jonathan Hirschi, Luca Ludwig

Dem octane126-Ferrari wurden die Regeln ausgerechnet beim ersten Sieg zum Verhängnis

Foto: VLN

Musterreifen-Reglement als Kompromiss

Zwei Möglichkeiten standen zur Auswahl: Den Reifenwettbewerb auf der Nürburgring-Nordschleife ganz einstellen und auf Einheitsreifen zu setzen (und damit mehreren Teams vor den Kopf zu stoßen), oder eine Kompromisslösung. Und diese Kompromisslösung ist das Musterreifen-Reglement.

Wie der Name schon sagt, ist von jedem verwendeten Reifentyp, den ein Reifenhersteller am Nürburgring einsetzt, ein Musterexemplar zu hinterlegen. Jedes Team darf in der Nürburgring-Langstrecken-Serie bei den SP9-Fahrzeugen nur Reifen verwenden, von denen ein solches Musterexemplar in der Box 1 hinterlegt wird.

Maximal darf ein Reifenhersteller in der Saison 2020 noch fünf Reifentypen pro Fahrzeugtyp und Achse homologieren. 2019 waren es noch sechs, 2021 werden es nur noch deren vier sein.

Ein Musterexemplar kann dann von einem anderen Reifenhersteller zum Stückpreis von 500 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer) käuflich erworben werden. Auch hier gibt es Grenzen: Maximal darf ein Hersteller bei zwei Veranstaltungen zuschlagen und dabei maximal drei Reifentypen mitnehmen.

Der Hintergedanke dabei: Da die Hersteller so mit einem "Reverse-Engineering"-Prozess Informationen über den Aufbau des Reifens der Konkurrenz erhalten, werden die Hersteller nicht ihre allerletzten Entwicklungen preisgeben. Außerdem würde sich die Reifenperformance angleichen, da es keine Geheimniskrämerei mehr gibt.

Der Vignetten-Reifen, wie ein Reifen nach Musterreifen-Reglement auch genannt wird, ist nach dieser Logik also zwischen Kunden- und Entwicklungsreifen angesiedelt. Ob das Reglement angeschlagen hat, lässt sich schwer beurteilen, weil direkte Vergleiche mit waschechten Entwicklungsreifen fehlen. Die GT3-Boliden wurden jedenfalls 2019 erneut eingebremst.

Was ist passiert?

Wie kam es dann, dass ein ungekennzeichneter Reifen hinten links auf der Ferrari montiert wurde, während die anderen drei Reifen okay waren? Es gibt zwei wahrscheinliche Möglichkeiten: Entweder hat der Reifenhersteller (in diesem Falle Goodyear) bei der Montage im Fahrerlager vergessen, den Reifen entsprechend zu kennzeichnen.

Oder octane126 hat versehentlich einen Reifen verwendet, den man eigentlich bei den Einstellfahrten am Freitag fahren wollte. Solche Verwechslungen sind auch in der Vergangenheit bei hochprofessionellen Teams vorgekommen, unter anderem in der DTM.

Mit Bildmaterial von VLN.

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Urheber Heiko Stritzke