"Überleben statt Rennfahren", doch VLN-Abbruch stand nie zur Debatte

geteilte inhalte
kommentare
"Überleben statt Rennfahren", doch VLN-Abbruch stand nie zur Debatte
Autor:
29.04.2019, 15:35

Die Nürburgring-Nordschleife zeigt sich bei VLN3 erbarmungslos: Hunderttausende Euro wurden im Starkregen vernichtet - Warum dennoch nicht abgebrochen wurde

Der Starkregen nach 30 Minuten hat beim 61. ADAC-ACAS-H&R-Cup selbst Ringspezialisten an ihre Grenzen gebracht. Mehrere Fahrer sagten gegenüber 'Motorsport.com' aus, dass Bedingungen in der zweiten Hälfte der ersten Stunde des 4-Stunden-Rennens am absoluten Limit gewesen seien.

"Das war mehr Überleben als Rennfahren", findet Polesetter Kevin Estre. "Ich glaube, jeder hat das Auto ungefähr zehnmal beinahe verloren." Andere Fahrer hatten weniger Glück und verloren die Kontrolle über ihre Autos komplett. Ein Schaden, der mindestens in die Hunderttausende geht, kam innerhalb weniger Minuten zustande. Eine Ginetta verunfallte mitten auf der Döttinger Höhe.

Walkenhorst Motorsport verlor beispielsweise alle seine drei BMW M6 GT3 in dem Regenschauer, zwei davon an ein und derselben Stelle. Eine Rote Flagge war für viele nur noch eine Frage der Zeit. "An einem Punkt habe ich das Team gebeten, mit dem Rennleiter zu sprechen", erzählt Dennis Olsen, der einen heldenhaften 4-Stunden-Stint hinlegte.

Doch die Rennleitung ließ das Rennen weiterlaufen, was im modernen Motorsport nicht mehr häufig vorkommt. "Eigentlich haben wir über einen Abbruch nicht einmal nachgedacht", sagt ein VLN-Offizieller gegenüber 'Motorsport.com'. "Die Strecke war nicht komplett blockiert. Es war schwierig, aber fahrbar." Tenor: Auf der Nürburgring-Nordschleife muss man mit solchen Bedingungen fertig werden.

 

Tandy cool: Schon schlimmeres erlebt

Das wurde auch mehreren Profi-Fahrern zum Verhängnis. In Zeiten, in denen bei Starkregen Safety-Cars oder Rennunterbrechungen die Regel geworden sind, sind es gerade jüngere Fahrer nicht mehr gewohnt, eine "Sicherheitsfahrt" weit diesseits des Limits hinzulegen. So segelten zahlreiche Boliden mit Aquapaning von der Strecke.

Olsen erzählt: "Das war wirklich richtig nass und ich hatte Aquaplaning bei 90 km/h. Das war extrem. Aber dann hat der Regen aufgehört und es war wieder okay. Es war eine große Herausforderung mit Regen, Starkregen und sonnigen Bedingungen und abtrocknender Strecke mit Regenreifen. Wir hatten alles, zum Glück nur keinen Schnee."

Deshalb war für ihn die mentale Anstrengung von vier Stunden Solofahrt auch wesentlich härter als die physische: "Am schwierigsten war es im Regen mit der Sicht. Man sieht nur eine weiße Wand und muss sich sehr darauf konzentrieren, in den Fahrspuren des Vordermanns zu bleiben, um kein Aquaplaning zu erleiden. Wenn man mit 260 km/h auf eine Kurve zurast und nicht weiß, ob man Aquaplaning bekommt oder nicht, dann ist es mental auf jeden Fall deutlich härter."

Nur einer hatte mit den Verhältnissen scheinbar kein Problem: Regenspezialist Nick Tandy fuhr bei den Schwerstbedingungen einen Vorsprung von beinahe einer Minute im späteren Siegerfahrzeug, dem Manthey-Porsche #912 heraus. "Es war bei weitem nicht so schlimm wie vergangenes Jahr beim 24-Stunden-Rennen", sagt er. "Natürlich war es schwierig und man muss gut aufpassen. Aber ich habe speziell hier am Nürburgring schon Schlimmeres erlebt. Erfahrung hilft."

Mit Bildmaterial von VLN.

Vier Stunden allein: Porsche-Junior Olsen fährt den Stint seines Lebens

Vorheriger Artikel

Vier Stunden allein: Porsche-Junior Olsen fährt den Stint seines Lebens

Nächster Artikel

Video: VLN-Boliden driften im Regen durch Brünnchen-Kurve

Video: VLN-Boliden driften im Regen durch Brünnchen-Kurve
Kommentare laden

Artikel-Info

Rennserie VLN
Event VLN 3
Subevent Rennen
Urheber Heiko Stritzke
Hier verpasst Du keine wichtige News