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Reaktion

"Unglaublich cool": Scherer über Verstappens Nürburgring-Einsatz

Fabio Scherer traf Max Verstappen auf dem Podium nach dessen NLS-Sieg und zeigt sich begeistert über die Umgänglichkeit des Siegers, aber auch dessen Fahrkönnen

Scherer über Verstappen: "Er lebt den Sport und hatte viel zu verlieren"

DTM-Pilot Fabio Scherer absolvierte sein erstes Rennen auf der Nordschleife im GT3

Foto: VLN

Fabio Scherer war einer der Fahrer, die Max Verstappen bei seinem Debüt auf der Nordschleife direkt erlebten. Der Schweizer fuhr bei seinem ersten GT3-Einsatz auf der Nürburgring-Nordschleife gemeinsam mit Jann Mardenborough und Dennis Fetzer auf Platz zwei. Sein Ford Mustang GT3 hatte im Ziel nur 24,496 Sekunden Rückstand auf den siegreichen Ferrari von Verstappen und Chris Lulham.

Scherer zeigt sich beeindruckt - nicht nur von der Performance des viermaligen Formel-1-Weltmeisters, sondern auch von dessen Einstellung. "Mich hat beeindruckt, wie engagiert er ist", sagt Scherer gegenüber Motorsport-Total.com. "Seine Familie, auch seine Mutter, waren dabei - und trotzdem war es für ihn eigentlich nur Spaß."

Auf dem Podium stand er dann in direktem Kontakt mit dem viermaligen Formel-1-Weltmeister. Das obligatorische Selfie, das nahezu alle Fahrer auf dem Podium mit Verstappen schossen, durfte natürlich nicht fehlen. "Er war sehr umgänglich, als er nach dem Rennen auf dem Podium mit uns gesprochen hat. Das fand ich cool."

Besonders in Erinnerung blieb dem 25-Jährigen auch eine Szene beim Champagner-Spritzen: "Er hat gefragt, wo 'Stippi' die Flasche vorgeöffnet hat und was er da macht." Frank Stippler ist Scherers Teamkollege gewesen, fuhr aber auf einem anderen Mustang, der im Rennen Platz drei erreichte.

Für Scherer ist klar: "Er lebt den Sport. Und er hatte bei dieser Aktion auch viel zu verlieren. Auf der Nordschleife kann immer etwas passieren - ein Unfall hätte sofort große Schlagzeilen gegeben. So wie er jetzt der Hero ist, hätte es auch anders laufen können."

"Nordschleife ist Nordschleife"

Scherer, der die Nordschleife selbst zum ersten Mal im GT3-Fahrzeug erlebte, hebt hervor, wie schwer die Strecke zu bewältigen ist: "Im Zeitfahren war Max auch nicht ganz vorne - das lag am Verkehr. Ich hatte am Ende sogar das Intervention-Car vor mir. Nordschleife ist Nordschleife."

"Ich bin noch unerfahren, aber es ist schon etwas ganz Eigenes. Ich hoffe, dass ich nicht das letzte Mal gegen ihn dort gefahren bin." Scherer kam auf eine persönliche Bestzeit von 7:59.774 Minuten und knackte damit bei der Premiere gleich die magische Marke von acht Minuten.

Auf der Strecke bekam er auch einen Eindruck von Verstappens Fahrweise: "Am Freitag bin ich ein Stück hinter ihm gefahren. Er war sehr präzise unterwegs - aber das darf man auch von ihm erwarten."

Ungewohnt war für Scherer vor allem der Reifenkrieg in der NLS. "Du hast so viel mehr Grip [als in anderen GT3-Serien], das war für mich das Schwierigste. Beim ersten Anbremsen bin ich fast innen durchgefahren. Jeder Hersteller bringt hier das Beste, was er hat. Reifen Schonen ist kaum noch ein Thema - du gibst einfach Vollgas."

Rekordrunden relativiert

Dass Verstappen beim Testtag eine Rundenzeit fuhr, die schneller war als der offizielle NLS-Rekord, relativiert Scherer. "Ein Nordschleifen-Rekord hat Historie und Bedeutung. Aber auf einer fast 24 Kilometer langen Strecke, mit Verkehr, spielt viel Glück mit hinein. Du brauchst den leeren Tank, den perfekten Reifen, die freie Bahn."

"Wer so dominant in der Formel 1 ist, wird überall schnell sein." Ein direkter Vergleich sei aber kaum möglich: "Ein Ferrari fährt nicht so oft auf der Nordschleife, und wir wissen alle, welchen Unterschied ein Reifen machen kann. Ich habe mich eher mit 'Stippi' verglichen, weil wir gleichzeitig auf der Strecke waren. Mit Max ist der Vergleich schwierig."

"Für mich zählt auf der Langstrecke die schnellste Runde nicht. Am Ende gewinnt meist der Konstante, nicht der Schnellste." Allerdings war Verstappen im Rennen sehr konstant unterwegs - konstant schnell: "Das ist normalerweise ein Zeichen, dass man gut durch den Verkehr kommt."

Dass es trotzdem nur 24 Sekunden Vorsprung waren, war auf die Tatsache zurückzuführen, dass Chris Lulham ausgesprochen viel Pech mit Code-60-Zonen hatte. (Verstappens Dominanz bei NLS9 in Zahlen)

"Überall schnell"

Verstappens Start sorgte für enorme Aufmerksamkeit. "Selbst die großen Schweizer Tageszeitungen haben bei mir nachgefragt. Es ist schon anders, wenn er fährt."

"Schade finde ich nur, dass es dann fast nur noch um ihn geht. Wir sind alle Rennfahrer. Klar, er ist unglaublich gut und verdient den Respekt. Aber auch Chris Lulham hat einen tollen Job gemacht - davon spricht kaum jemand."

Trotzdem: Für Scherer war die Erfahrung durchweg positiv - und Verstappen hat für ihn noch längst nicht das Ende seiner Karriere erreicht: "Ich könnte mir vorstellen, dass er in der Formel 1 der Größte aller Zeiten wird, auch was die WM-Titel angeht. Es würde mich nicht überraschen, wenn er dieses Jahr noch einmal Weltmeister wird. Bei ihm weißt du nie."

Sein Teamchef Ulrich Fritz war mit Scherers Debüt durchweg zufrieden: "Es ist wirklich beeindruckend, was die Jungs auf der Nordschleife schon beim ersten Einsatz zeigen. Schön zu sehen, wie sie sich entwickeln. Noch schöner war es, Fabio nach seinen ersten beiden Runden zu erleben - mit einem riesigen Grinsen im Gesicht: 'Das ist das Geilste, was ich je gemacht habe.' Die Nordschleife ist eben immer etwas Besonderes."

Auch Stippler zollt Respekt: "Das war ja erwartungsgemäß. Der beste Rundstreckenfahrer der Welt dürfte auch hier vorne fahren. Das ist die Simulator-Generation, die kennt bereits die Streckenführung, das Auto und dann ist er noch der beste Fahrer der Welt. Von daher habe ich nichts anderes erwartet."

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