"Verarscht mich nicht!" - NLS-Meister wusste nichts von seinem Glück

Danny Brink wird erst in der letzten Runde darüber aufgeklärt, dass er drauf und dran ist, den VLN/NLS-Titel zu holen - Er glaubte an einen Scherz des Teams!

"Verarscht mich nicht!" - NLS-Meister wusste nichts von seinem Glück

Bei diesem Finale der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS, ehemals VLN) war einfach nichts normal. Beginnend mit der Ausgangslage, dass die amtierenden Meister nur Außenseiter im Titelkampf waren, bis zu den unglaublichen Ereignissen auf der Rennstrecke beim 45. DMV Münsterlandpokal. Ein völlig verrücktes Finale, zu dem die Ereignisse im Cockpit des BMW 325i #1 (Rink/Brink/Leisen) nur passen.

"Ich habe keine Stimme mehr, ich bin völlig fertig", sagt Philipp Leisen beim Interview nach dem Rennen. "Ich bin ohne jede Erwartung hierhergekommen. Wir sind frei aufgefahren, mir war eigentlich klar, dass es nicht funktioniert. Das hier ist unglaublich. Unglaublich!"

Zuvor hatte er sich seinem Ärger über die rapide sinkenden Starterzahlen in der Klasse V4 bei Facebook Luft gemacht: "Mehr als einmal wurde mir gesagt, wir haben mit unserer Leistung in den vergangenen Monaten die Gegner aus der Klasse verschreckt und vertrieben, aber das sehe ich anders. Es sollte doch gerade dann ein Ansporn für jeden sein, der den Sport und den Wettbewerb liebt, gegen uns anzutreten und uns zu besiegen."

Nun hat er es doch geschafft, zum dritten Mal. Sein Teamkollege Danny Brink fuhr die letzten Meter. Von den Dramen des Reifenschadens bei Christopher Rink (der auch auf seinem Auto fährt), Philipp Stahlschmidt und Daniel Zils sowie des zu kurzen Boxenstopps bei Daniel Blickle, Max Kronberg und Tim Scheerbarth bekam dieser gar nichts mit.

Als er eingestiegen war, lagen die anderen Titelanwärter noch auf Platz eins in ihren jeweiligen Klassen. Erst in der letzten Runde im Brünnchen, klar auf Kurs zu Klassensieg liegend, erkundigte er sich beim Team über die Situation. Die Antwort des Teams: Er solle die alte und neue Nummer 1 nach Hause bringen.

Brink konnte es verständlicherweise nicht glauben. "Da habe ich gesagt: 'Verarscht mich nicht!' Ich habe das nicht geglaubt, bis zur letzten Minute." Seine Befürchtung: "Wenn ich jetzt hier [über die Ziellinie] drüberfahre und juble, und dann sind wir doch kein Meister..."

Doch spätestens bei der Ankunft im Parc Ferme dürfte auch sein letzter Zweifel ausradiert gewesen sein. Er wurde direkt zu den Siegerfahrzeugen gelotst und das Team wartete schon vor der Siegerehrung mit einer Sektdusche.

Christopher Rink, Philipp Stahlschmidt und Daniel Zils auf ihrem BMW 330i (VT2) in der VLN/NLS 2021

Christopher Rink holte auf dem "falschen" Auto Punkte

Foto: VLN

Tragischer Held Christopher Rink

Für Brink und Leisen ist es der erste Titelgewinn, den sie direkt an der Rennstrecke feiern können. 2018 gewannen sie den Titel vor dem Saisonfinale nach Protest und Berufung. 2020 endete die Saison nach fünf Rennen wegen der COVID-19-Pandemie abrupt.

Meister-T-Shirts, die eigentlich für 2020 gedruckt waren, konnten nun recycelt werden - nachdem sie im Zuge der Flut im Juli schon einmal unter Wasser gestanden haben.

Nur einer fehlt in der Freude: Christopher Rink, der dritte Mann auf dem Fahrzeug. Er ist nun die ganz tragische Figur. Zwar saß er bei allen Rennen mit Brink und Leisen auf dem BMW 325i, ist aber nicht Meister. Denn er hatte - aller Logik folgend - den VT2-Wagen als sein "Punkteauto" auserkoren. Doppelstarter müssen ihr Auto, mit dem sie Punkte sammeln, schon im Vorfeld der Veranstaltung benennen.

"Christopher musste eine harte Entscheidung treffen", sagt Brink. "Ich weiß, wie schwer es ihm gefallen ist, weil er das Auto liebt und weil wir ein eingespieltes Team sind. Er hat verständlicherweise versucht, auf die neue Klasse mit den meisten Startern zu setzen."

Wie geht es nun weiter für die Meister? Es dürfte so ziemlich jedem klar sein, dass dies der letzte NLS-Titel in der Klasse V4 gewesen sein dürfte. Die BMW 325i sind Baujahr 2005 bis 2008 und somit schon fast Youngtimer. Die spätere Version des 325i E90 kann nicht in der V4 eingesetzt werden, weil dieser beim Facelift 2009 statt des 2,5-Liter-Sechszylinders einen gedrosselten 3-Liter-Motor aus dem 330i bekam.

Es heißt, Brink habe für 2022 Interesse an einem schnelleren Auto. Man darf gespannt sein, auf welches Fahrzeug die Startnummer 1 in der NLS-Saison 2022 transferiert wird.

Mit Bildmaterial von VLN.

geteilte inhalte
kommentare
VLN/NLS 2021 Lauf 9: Phoenix siegt, Dramen ohne Ende im Titelkampf!

Vorheriger Artikel

VLN/NLS 2021 Lauf 9: Phoenix siegt, Dramen ohne Ende im Titelkampf!

Nächster Artikel

Opel Manta: War das der letzte Auftritt in der VLN/NLS?

Opel Manta: War das der letzte Auftritt in der VLN/NLS?
Kommentare laden