VLN/NLS 2022: Hybridreglement fixiert, Elektro dauert noch

Während die neue Hybridklasse in der Nürburgring-Langstrecken-Serie schon beim ersten Rennen 2022 debütiert, wird der Elektroantrieb noch auf sich warten lassen

VLN/NLS 2022: Hybridreglement fixiert, Elektro dauert noch

Grünes Licht für den Hybridantrieb auf der Nürburgring-Nordschleife: Informationen von 'Motorsport.com Deutschland' zufolge hat der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) das Reglement für die neue Hybridklasse in der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS, Ex-VLN) abgesegnet. Die angekündigte Elektroklasse hingegen wird noch nicht beim Saisonstart dabei sein.

Damit endet eine lange Vorbereitungsphase für die Implementierung einer Hybridklasse. Eine feste Klassenstruktur wird es noch nicht geben, stattdessen wird es ein "einfaches" Reglement geben, wie es Volker Strycek, Leiter Technik bei der NLS-Dachorganisation VLN, gegenüber 'Motorsport.com Deutschland' ausdrückt. Allerdings behalte man sich vor, das Reglement im Zweifelsfall noch etwas "nachzuschärfen".

Die Demonstrationsfahrt eines BMW i8 von 828 Racing/Sorg Rennsport bei den Einstellfahrten vor dem NLS-Finale 2021 sorgte für hochgezogene Augenbrauen - nicht nur bei den Fans, sondern auch bei NLS-Teams.

"Nach der Vorstellung des Autos gab es plötzlich einige Anfragen, ob man uns schon mehr zum Reglement sagen könne", sagt Strycek, der den i8 persönlich pilotierte. "Es wäre schön, schon 2021 ein bis zwei Autos zu sehen." Mittelfristig gebe es ein großes Interesse an der Klasse, betont er. Das verwundert nicht, schließlich laufen immer mehr Serienfahrzeuge mit Hybridantrieb vom Band.

Benjamin Sorg und Volker Strycek zeigen den BMW i8 für die Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS, Ex-VLN) 2022

Volker Strycek (rechts; links Benjamin Sorg) brennt für das Thema alternative Antriebe

Foto: VLN

Elektro-Reglement hängt noch in der Schwebe

Die angekündigte Elektroklasse braucht hingegen noch etwas mehr Zeit. "Das Reglement ist noch in der Findungsphase", so der 64-Jährige. "Ich würde sie gerne schon für 2022 ausschreiben, auch wenn sie erst zeitverzögert kommen kann."

Die Vorarbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem DMSB schon geleistet. Sportwarte (im Volksmund: Streckenposten) und Technik sind bereits vorsorglich im Umgang mit der Elektrotechnik geschult worden. Zumindest von der Seite sollte es keine weiteren Verzögerungen geben.

Die große Frage ist momentan, wie das Thema Elektroantrieb im Langstreckensport abgebildet werden kann. Schließlich klingt das zunächst einmal wie die Quadratur des Kreises.

Niemandem ist geholfen, wenn Elektrofahrzeuge weit unter dem Limit bewegt werden, um die entsprechende Reichweite zu kreieren, wie es beispielsweise beim EcoGP der Fall ist. Vom Sicherheitsaspekt (Tempounterschiede) einmal ganz zu schweigen.

Eine Möglichkeit wäre, mit zwei Fahrzeugen zu fahren und das eine zu bewegen, wenn das andere lädt. Möglich wäre außerdem, nur die reine Fahrzeit zu werten und die Ladezeit nicht. Unter anderem solche Punkte sind momentan im Elektro-Reglement noch offen.

Wichtig ist es Strycek, dass mit dem Thema zumindest einmal ernsthaft angegangen wird. Denn viele andere Rundstrecken-Elektroserien, auch mit Segen des Automobil-Weltverbands FIA, hängen seit Jahren in der Warteschleife oder sind nie gekommen.

Kamui Kobayashi

Toyotas Wasserstoff-Corolla würde gut auf den Nürburgring passen

Foto: Masahide Kamio

E-Fuels und Wasserstoff stehen schon vor der Tür

Und die Arbeit ist bei weitem noch nicht vorbei, im Gegenteil. Strycek bestätigt, dass E-Fuels ein Thema sind und dass die bisher eher vor sich hin dümpelnde Klasse AT (-G) für alternative Kraftstoffe in nächster Zeit einen Aufwind erfahren dürfte.

E-Fuels sind auch in der VLN ein Thema. Allerdings wird man sich hier im Windschatten von beispielsweise der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) entwickeln, die ebenfalls TotalEnergies als Kraftstoffpartner hat. Als Breitensportserie kann man es sich leisten, die Entwicklung etwas länger abzuwarten. "Wir werden Lösungen finden", verspricht Strycek.

Und letztlich wartet auch noch Toyota mit einem Wasserstoffprojekt auf, das gut zum Nürburgring passen würde. "Wir müssen an alles denken", sagt Strycek und spielt dabei vor allem auf voraussichtliche Investitionen in die Infrastruktur an.

Es ist also zu erwarten, dass sie sich die Antriebslandschaft auf der Nordschleife in den 2020er-Jahren diversifizieren wird. Die positive Nachricht: Sound wird der überwiegende Teil der Fahrzeuge auch weiterhin machen. Aber die Zeiten, als am Nürburgring nahezu ausschließlich fossile Kraftstoffe getankt wurden, sind vorbei.

Mit Bildmaterial von VLN.

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