VLN/NLS: Kann das Nordschleifen-Permit überhaupt entzogen werden?

In der Diskussion um den Renault Clio und andere langsame Fahrzeuge bei NLS4 fordert Gabriele Piana einen Permit-Entzug - Das ist aber gar nicht so einfach möglich

VLN/NLS: Kann das Nordschleifen-Permit überhaupt entzogen werden?

Die Diskussionen um mehrere langsame Fahrzeuge beim vierten Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS, vormals VLN) wirft die Frage auf, ob das Nordschleifen-Permit (DPN) des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) entzogen werden kann, wie von Gabriele Piana in einem Instagram-Posting zwischenzeitlich gefordert.

Die Statuten des DMSB sehen das durchaus vor, jedoch ist es nicht so einfach. Zumindest, solange sich der beschuldigte Fahrer nichts zu Schulden kommen lässt.

Ein Entzug des DPN mit sofortiger Wirkung geht nur, wenn ein grober Verstoß (Kategorie 4) vorliegt. Dazu zählt nach Artikel 6.2 des 'DMSB-Rundstrecken-Reglements 2021 - Anhang 2: Besonderheiten der Nürburgring Nordschleife' ein Geschwindigkeitsverstoß bei doppelt gelb geschwenkten Flaggen ("Code 120") oder in einer Code-60-Zone mit mehr als 60 km/h zu viel.

Möglich ist das auch, wenn ein Fahrer mehrere kleinere Verstöße begeht. Ähnlich wie in der Formel 1 gibt es ein Strafpunkte-Konto für jeden einzelnen Fahrer. Das ist in Artikel 6.3 geregelt. Drei Strafpunkte führen zu einem DPN-Entzug. Das wird beispielsweise durch drei Code-60/120-Verstöße mit bis zu 40 km/h erzielt. Ein Verstoß mit 40 bis 60 km/h zu viel zieht zwei Strafpunkte nach sich.

Eine weitere Möglichkeit lautet: "Darüber hinaus kann die DPN bei grob unsportlichem oder Teilnehmer-gefährdendem Verhalten von den Sportkommissaren einbehalten und zur weiteren Überprüfung an den DMSB gesandt werden."

DMSB-Permit, Voraussetzungen

Das DMSB-Permit zu erwerben, ist einfacher als es zu verlieren, wenn man sich an die Regeln hält

Foto: DMSB

Was ist "zu langsam"?

All dies trifft jedoch nicht zu, wenn ein Teilnehmer auf der Strecke schlicht sehr langsam fährt. Das zu bestimmen ist wesentlich schwieriger. Es gibt eine Möglichkeit, die aber gar nicht so einfach ist.

Es müsste ein korrekter Amtsweg an den DMSB beschritten werden. Ein Instagram-Posting (oder auch ein Artikel auf unserer Website) ist kein Anlass für den DMSB, von sich aus einzuschreiten. Es muss ein sauber begründeter Antrag vorgelegt werden, dass der DMSB sich einen Teilnehmer noch einmal genau anschaut.

Der Antrag würde ein Verfahren nach sich ziehen, mit allen damit verbundenen Kosten. Informationen von 'Motorsport.com Deutschland' zufolge ist das so gewollt, damit sich das DMSB-Gericht in Frankfurt nicht nach jedem Rennen mit einer riesigen Zahl von Beschwerden auseinandersetzen muss.

Und selbst dann muss geprüft werden: Was ist "zu langsam"? Während "zu schnell" relativ einfach definiert werden kann, ist "zu langsam" oder "zu unsicher" eine subjektive Einschätzung. Auch ist kaum vorstellbar, dass ein professioneller Fahrer sich den Stress und die finanzielle Belastung antun wird, die ein solches Verfahren mit sich bringen würde - von dem er selbst dann nur relativ wenig hat.

Einfach wäre es - ausgerechnet - wenn wirklich etwas passiert. Dann würde der DMSB auch von sich aus aktiv werden. Allerdings sagen einige Beobachter, dass im Falle eines Unfalls in der von Piana gezeigten Szene die Karten eher ihn selbst schlecht gestanden hätten, da der Renault Clio schon weit vor der kritischen Szene zu sehen war.

Mit Bildmaterial von VLN.

geteilte inhalte
kommentare
Vorschau NLS5 & 6: Nordschleifen-Action im Doppelpack

Vorheriger Artikel

Vorschau NLS5 & 6: Nordschleifen-Action im Doppelpack

Nächster Artikel

VLN/NLS 2021 Lauf 5: Konrad-Lamborghini auf Poleposition

VLN/NLS 2021 Lauf 5: Konrad-Lamborghini auf Poleposition
Kommentare laden