Warum HRT trotz Podestplatz noch viel Arbeit mit dem Ford Mustang GT3 hat
Der Ford Mustang GT3 erkämpft sich erstmals einen Podestplatz in der NLS - trotz offener Baustellen und einigen Herausforderungen, wie Frank Stippler verrät
Der Ford Mustang GT3 kommt auf der Nordschleife langsam in Fahrt
Foto: Patrick Patrick
Der Ford Mustang GT3 galoppiert von einem Sieg zum nächsten Erfolg: Nach dem Pro-Am-Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen gelingt HRT Ford Performance beim sechsten Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie mit dem dritten Platz erstmals der Sprung auf das NLS-Gesamtpodium.
Vincent Kolb und Patrick Assenheimer teilten sich das Cockpit mit Frank Stippler und absolvierten ein weitgehend problemloses Rennen. Mit Rundenzeiten unter acht Minuten stellte das HRT-Trio unter Beweis, dass man auf einem vielversprechenden Weg ist. "Das war jetzt heute der beste Stand, den ich bis jetzt gefahren bin", bestätigt Stippler.
Dabei hatte der Renntag zunächst nicht optimal begonnen, als der 50-Jährige im Qualifying durch eine Gelbphase eingebremst wurde und sich mit Startplatz 15 zufriedengeben musste. Umso eindrucksvoller verlief dann allerdings die Anfangsphase: Schon nach der ersten Runde hatte sich Stippler bis auf die vierte Position nach vorne gefahren, und übernahm kurz vor dem ersten Boxenstopp sogar die Führung.
Warum der Audi noch die Benchmark ist
"Ja, das Auto war ganz gut in Form", grinste der frühere Audi-Werksfahrer nach seinem Stint im offiziellen Livestream. "Wir haben es in kleinen Schritten verbessern können, hauptsächlich ist das Thema die Fahrbarkeit. Es ist sicher noch viel anstrengender, das Auto schnell zu fahren, als bei den renommierten Autos."

Vincent Kolb, Frank Stippler und Patrick Assenheimer erreichten das Podium
Foto: Jan Brucke/VLN
Als erfahrener Nordschleifen-Spezialist weiß Stippler genau, wie sich andere GT3-Boliden auf der anspruchsvollen Strecke bewegen lassen. "Ich würde mal sagen, die Benchmark immer noch der Audi, da fährt man entspannter. Und das müssen wir jetzt über die nächsten Jahre versuchen auszusortieren, dass das Auto schnell ist, aber auch gut fahrbar schnell."
Wo dabei aktuell die größten Herausforderungen für HRT liegen? "Wir haben natürlich auch ein Entwicklungsprogramm mit Yokohama. Gleichzeitig müssen wir das Auto entwickeln und da gibt es Überlagerungen", erinnert Stippler an die unterschiedlichen Entwicklungsziele. "Am einfachsten ist natürlich, wenn du eine Variable und eine Konstante hast."
Beim Audi "haben wir zehn Jahre gebraucht"
Das sei beim Mustang GT3 allerdings nicht der Fall. "Wir arbeiten jetzt gerade am Auto und am Reifen, und müssen auch aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln", mahnt der routinierte Rennfahrer, der sogar zugibt, dass das Team in den letzten Rennen "manchmal die falsche Richtung" eingeschlagen hatte.
Denn neben der Fahrzeugbalance gilt es außerdem, die vorhandenen Systeme wie ABS, Traktionskontrolle und die Servo-Unterstützung am Lenkrad zu verfeinern. "Da sind viele Bauteile, die wie beim Audi die ersten drei Jahre auch nicht funktioniert haben", erinnert der dreifache 24h-Gesamtsieger an seine ersten Rennen mit dem Audi R8, der 2009 auf der Nordschleife debütierte.
Die größte Herausforderung bestehe aktuell darin, "die Vorderachse mit der Hinterachse gleichzeitig aufzuladen und dementsprechend auch die Federraten von Reifen und Feder selbst so anzupassen, dass alles ganz harmonisch ineinanderläuft", verrät Stippler. "Das war beim Audi seit den letzten fünf Jahren der Fall. Da haben wir zehn Jahre für gebraucht. Das Auto fährt mittlerweile perfekt."
"Auch mit kleinen Rückschritten besser werden"
Genau diese Harmonie fehlt dem Ford Mustang GT3, der erst seit dieser Saison auf der Nordschleife eingesetzt wird, bislang noch. "Wir haben noch immer den Fall, dass das Auto so ein bisschen mehrphasig durch die Kurve fährt", erläutert der 50-Jährige. "Der Amateur würde sagen, es schlingert um die Hochachse. Und das macht es natürlich anstrengender zu fahren."
"Aber wir machen es besser und versuchen auch mit kleinen Rückschritten immer besser zu werden", resümiert Stippler, der mit dem Auftritt beim sechsten Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie sehr zufrieden ist. "Das macht mich jetzt so ein bisschen zuversichtlich in die Zukunft."
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