Zwei Porsche-Legenden im letztgebauten 718 Cayman GT4 RS CS
Timo Bernhard und Jörg Bergmeister treten noch einmal gemeinsam an: Warum das legendäre Duo einen ganz speziellen Porsche bei NLS7 steuert
Dieser Porsche Cayman #718 wird von Jörg Bergmeister und Timo Bernhard gesteuert
Foto: smg/Stritzke smg/Stritzke
Diese Meldung könnte 25 Jahre alt sein: Timo Bernhard und Jörg Bergmeister treten gemeinsam für Porsche an. Doch wir schreiben August 2026, und Porsche hat es tatsächlich geschafft, zwei seiner legendärsten Fahrer noch einmal zusammen auf ein Auto zu setzen. Und nicht irgendeines: Gemeinsam pilotieren sie den letzten jemals gebauten Porsche 718 Cayman GT4 RS CS der Baureihe 982 in der Klasse SP10 (GT4).
Natürlich mussten beide nicht zweimal gefragt werden. "Da beide Markenbotschafter sind und eine gemeinsame Historie haben, wussten wir einfach, dass das passt und beide Lust auf so ein Projekt haben", sagt Bernhard gegenüber Motorsport-Total.com.
Der Einsatz wird in einer Kooperation zwischen dem Team Porsche Heritage und Museum sowie Bernhards Team 75 Motorsport durchgeführt. Eine solche Zusammenarbeit zwischen einem historischen und einem aktuellen Einsatzteam hat es laut Porsche bei bislang keinem anderen Hersteller gegeben.
Armin Burger, Koordinator Historischer Motorsport bei Porsche, zufolge schwebte das Projekt schon seit drei Jahren in den Köpfen der Beteiligten: "Die Idee entstand bei den 24 Stunden von Le Mans 2023. Ich saß mit Jörg zusammen und wir haben uns über das Auslaufen des 982 unterhalten", sagt er gegenüber Motorsport-Total.com.
"Er erwähnte in einem Nebensatz, dass diese Autos mittlerweile so ausgereift sind, dass er von den Rundenzeiten her mit dem Clubsport schon fast an die Zeiten eines Supersportwagens herankommt." Bergmeister ist bis heute als Testfahrer in die Entwicklung neuer Straßenmodelle von Porsche eingebunden.
Somit stand die Idee, und mit Bergmeister sowie Bernhard als Fahrer und Teamchef war die Besatzung schnell gefunden. "Wenn ich gefragt werde, warum es diese beiden wurden, sage ich immer: Sie waren halt am günstigsten, weil sie ohnehin Markenbotschafter sind", lacht Burger.
Allerdings müssen sie mehr arbeiten als erwartet, wie Bernhard ebenfalls mit einem Schmunzeln zugibt: "Ich bin eigentlich immer von einem normalen Vier-Stunden-Rennen ausgegangen. Aber dann hat Armin mir irgendwann gesagt, dass es das 6-Stunden-Rennen ist!"
Starke Konkurrenz in der SP10
Im Vordergrund steht vor allem, einen Film über die Produktion des letzten Porsche 718 Cayman GT4 RS CS zu vervollständigen. Dieser hat den Weg des Chassis bereits aus Stuttgart-Zuffenhausen über den Einbau des Überrollkäfigs und der Anbauteile aus nachhaltigen Flachsfasern in Osnabrück, die Abnahmefahrt von Manthey am Nürburgring sowie den anschließenden Rollout in Weissach begleitet. Der Renneinsatz stellt nun den Höhepunkt dar. Der Film wird kurz nach dem Rennen debütieren.
Doch bekanntermaßen legt sich bei Profi-Rennfahrern ein Schalter um, sobald das Rennen losgeht. Entsprechend wird das Unterfangen nicht ohne Ambitionen ablaufen. "Wir hatten keine allzu lange Vorbereitungszeit. Entsprechend schrauben wir nach den Einstellfahrten noch etwas am Set-up und dann geht es hoffentlich in die richtige Richtung", sagt Bergmeister gegenüber Motorsport-Total.com.
Wie ernst sie es meinen, zeigt die Tatsache, dass mit Stephen Mitas der ehemalige LMP1-Chefingenieur am Projekt beteiligt ist. Er war auch verantwortlich für Bernhards Rekordrunde im 919 Evo.

Timo Bernhard ist Teamchef und Fahrer in Personalunion
Foto: smg/Stritzke
Gegenüber dem Hightech-Wunderwerk ist der Cayman natürlich weit weniger komplex, was die Aufgabe aber nicht leichter macht: "Man bekommt ja keine Daten bei diesem Auto. Jetzt muss ich auf die Fahrer hören, das macht alles komplizierter!", scherzt Mitas, was Bernhard und Bergmeister mit einem lauten Lachen quittieren.
Bernhard schießt zurück: "Dafür fragt er mich nach sechs Minuten nach meinem Feedback. Ich musste ihm erstmal erklären, dass ich nicht im Evo sitze und die Runde mit diesem Auto etwas länger dauert!"
Dennoch sind sich beide bewusst, dass die Aufgabe nicht leicht wird. Das Maß der Dinge in der SP10 war in dieser Saison bisher ein Mercedes-AMG GT4 von PROsport Racing mit den Fahrern Anton Abee, Yannick Himmels und Jörg Viebahn. Ebenfalls zu beachten ist der BMW M4 GT4 von Black Falcon mit den Fahrern Malcolm Harrison, David Ogburn, Ross Turner und Alexandru Vasilescu, der ebenfalls schon einen Sieg auf dem Konto hat.
"Natürlich können wir nicht hierher kommen und erwarten, dass wir Gegner schlagen, die das ganze Jahr auf der Nordschleife unterwegs sind", bekräftigt Bernhard. "Das Level hier ist sehr hoch, deshalb halten wir den Ball flach. Aber ich denke schon, dass wir einen Rhythmus finden werden."
Dreamteam mit besonderer Vorgeschichte
Bergmeister und Bernhard gewannen zusammen die 24 Stunden von Daytona zweimal hintereinander. 2002 war es noch der Klassensieg bei den GTs, ein Jahr später gelang der Coup, mit dem Porsche 996 GT3 RS die Prototypen zu besiegen.
Dabei war der erste Klassensieg eigentlich eine Strafexpedition: Weil sich Bergmeister, Bernhard und auch Marc Lieb beim Carrera-Cup-Finale 2001 regelrecht bekriegten, setzte der damalige Porsche-Motorsportchef Herbert Ampferer Bernhard und Bergmeister auf ein Auto beim folgenden Rennen in Daytona. Obendrein bekamen beide auch noch denselben Flug gebucht. Die Taktik funktionierte: Beide bildeten in der Folge ein Dreamteam, das es jetzt noch einmal wissen will.
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