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Zweikampf seines Lebens: Was Haase an Verstappen am meisten erstaunte

Christopher Haase duellierte sich rundenlang spektakulär mit Max Verstappen - Dabei fiel ihm eine Fähigkeit des viermaligen Formel-1-Weltmeisters auf

Zweikampf seines Lebens: Was Haase an Verstappen am meisten erstaunte

Christopher Haase und Max Verstappen hielten die Fans mit ihrem Zweikampf in Atem

Foto: Leon Leon

"Ehrlicherweise fühlt es sich mit zwei Tagen Abstand noch besser an" - Christopher Haase betrieb beim 58. ADAC Barbarossapreis große Werbung in eigener Sache, indem er als bisher einziger Fahrer Max Verstappen auf der Nürburgring-Nordschleife überholen konnte. Verstappen schlug später zurück. Und hier nennt Haase ein interessantes Detail.

"Seine Präzision in der 'Dirty Air' muss ich wirklich erwähnen. Das sieht man wirklich nicht oft. Die Mutkurve [zwischen Kesselchen und Klostertal] zum Beispiel, Pflanzgarten oder Flugplatz. Da sticht er wirklich heraus", sagt Haase gegenüber Motorsport-Total.com.

Zwar gilt der Audi R8 LMS GT3 Evo II in Fachkreisen als Fahrzeug, dem ein nachfolgendes Auto vergleichsweise einfach folgen kann, doch Haase fährt den Audi mittlerweile seit mehr als 15 Jahren. Und der gibt zu: "Ich habe es selten erlebt, wie einer in der Dirty Air so mitziehen kann wie er."

"Es ist auch Wahnsinn, wie Max mit seiner wenigen Erfahrung den Verkehr beim Überrunden so lesen kann. Er hatte da wirklich ein Gespür für die Situationen und immer Angriffe gestartet, wenn er gemerkt hat, dass er hier gerade einen kleinen Vorteil hat."

Premiere auf der Nordschleife: Verstappen überholt

Zuvor hatte Haase bereits Geschichte geschrieben. Als erstem Fahrer überhaupt gelang ihm ein Überholmanöver gegen den viermaligen Formel-1-Weltmeister auf der Nürburgring-Nordschleife. Haase sprudelte unmittelbar, nachdem er aus dem Fahrzeug ausgestiegen war: "Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so viel Spaß bei einem Rennen gehabt."

Mit etwas Abstand gesteht er: "Ehrlicherweise fühlt es sich jetzt noch besser an. Als ich aus dem Auto ausgestiegen bin, hatte ich ja noch nicht das Feedback vom Team und den Fans. Deshalb hatte ich da erstmal den Spaß am Zweikampf hervorgehoben."

"Aber wenn du dann im Nachhinein von deinem ganzen Umfeld erfährst, was für eine Tragweite das hat, dann ist das eine außergewöhnliche und für mich ungewohnte Situation. Und es zeigt auch die Wertschätzung, die unserem Sport entgegengebracht wird, mehr als ich vorher geglaubt hätte. Und da muss ich Max auch ein wenig dankbar sein, dass er das bei seinem Terminkalender hier tut."

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Haase bedankte sich in den sozialen Medien für ein wahres Feuerwerk an Zuschriften mit Gratulationen. "Ich bin Racer durch und durch und habe diesen Stint mit Max wirklich genossen. Das ist die Art von Kampf, für die wir leben", schreibt er darin.

Haase ging vom zweiten Startplatz ins Rennen, was für ihn ein Nachteil beim Start war: "Als Zweiter hast du beim fliegenden Start einen Nachteil, weil du immer schauen musst, was der Polesetter macht, weil er ja das Tempo bestimmen darf, und die Ampel im Auge haben musst. Ich sage immer: Am liebsten stehe ich auf der Pole, aber mein zweitliebstes Szenario wäre Startplatz drei."

Dennoch gelang es dem 38-Jährigen, seinen zweiten Platz zu verteidigen. Danach schaltete er sofort in den Angriffsmodus um und machte Druck auf Spitzenreiter Verstappen. "Ich habe in der Einführungsrunde besonders darauf geachtet, dass die Reifen wirklich schon beim Rennstart im optimalen Fenster sind", sagt Haase. Verstappen hat diesbezüglich im GT3 deutlich weniger Erfahrung.

Ob es nun daran lag oder nicht, Verstappen musste in der Galgenkopf-Kurve kurz lupfen. Haase gelang es daher ungewöhnlich früh für die Döttinger Höhe, sich neben den Niederländer zu setzen. Da der Audi geradeaus minimal besser ging als der Mercedes-AMG, ging sich das Manöver aus. Sonst hätte Verstappen womöglich aus dem Windschatten heraus nochmal kontern können.

Konter von Verstappen: "Da hatte ich verloren"

Nach einer rundenlangen Hetzjagd, bei der Verstappen in einer Situation Haase beinahe ins Heck gekracht wäre, als sie auf eine Unfallstelle zufuhren, kam es kurz vor dem Boxenstopp zur Rückrunde. Diesmal setzte sich Verstappen in einem Duell Seite an Seite durch.

"Das ist eine recht typische Situation, wo man mit dem 'Side Draft' arbeitet", sagt Haase. Dabei geht es darum, einem parallel fahrenden Fahrzeug mit einer Bewegung zu ihm hin den Luftstrom zu stören und zum Teil auf den Heckflügel zu schaufeln. Der daraus resultierende Bremsfallschirm-Effekt verlangsamt das andere Fahrzeug. (Der "Side Draft" erklärt)

"Ich hatte ehrlicherweise gedacht, dass ich es so getimt hatte, dass ich den letzten Zug bekommen und [in der Tiergarten-Senke] die Nase ganz knapp vorn haben würde. Aber das ging sich ganz knapp nicht aus. Er hatte eine Handfläche Vorsprung und war auf der linken Seite. In dem Moment hatte ich verloren. Da bringt es auch nichts, reinzuhalten." Was andernfalls passiert, musste Laurens Vanthoor beim 24-Stunden-Rennen 2022 im Bruderduell mit Dries schmerzhaft erfahren.

Eigentlich ging es für Scherer Sport PHX in erster Linie darum, Nordschleifen-Frischling Nico Hantke vorzubereiten. Das Programm wurde erst sehr kurzfristig verkündet. Eine Bekanntgabe des weiteren Nordschleifen-Programms wird in Kürze erwartet.

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