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Analyse

24h Le Mans Testtag 2026: Was die Aston-Martin-Bestzeit wert ist

Das Hypercar-Feld bei den 24 Stunden von Le Mans zeigt sich 2026 ausgeglichener denn je - Aston Martin fährt Bestzeit, Ferrari bislang nur Mittelfeld

24h Le Mans Testtag 2026: Was die Aston-Martin-Bestzeit wert ist

Aston Martin erzielte die Bestzeit beim Le-Mans-Testtag

Foto: Rainier Ehrhardt

Der Vortest zur 94. Auflage der 24 Stunden von Le Mans wurde auch 2026 von den Teams intensiv genutzt, um sich auf das große Rennen am kommenden Wochenende vorzubereiten. An einem komplett trockenen Tag bei rund 20 Grad Lufttemperatur waren die Bedingungen auf dem Circuit de la Sarthe ideal.

Die zwei Sitzungen über jeweils drei Stunden liefen größtenteils geordnet ab. Es gab nur einen größeren Zwischenfall, als Ryo Hirakawa im Toyota #8 mit dem APR-Oreca #25 kollidierte. Jake Hughes hatte sich auf kalten Reifen bei der Ausfahrt aus der Box in der ersten Schikane gedreht, sodass der Japaner im Toyota nicht mehr ausweichen konnte.

Die Nachmittagssession sah nur zwei kleinere Ausritte: Einmal vom Proton-Oreca #44, der direkt weiterfahren konnte, und einmal vom Ferrari #51. Alessandro Pier Guidi schlug sanft in den Reifenstapel der Indianapolis-Kurve ein, konnte aber nach der Bergung aus eigener Kraft die Box ansteuern.

Ganz am Ende der Nachmittagssitzung gab es dann noch Probleme für den WTR-Cadillac #101, der die Bestzeit in der Vormittagssession gefahren hatte. Der Cadillac V-Series.R blieb im Bereich des Bugatti-Circuits stehen. Da das Auto umgehend abgedeckt wurde, scheint es sich um einen Unfall gehandelt zu haben.

Analyse: Feld in der Breite viel schneller als 2025

Die absolute Bestzeit des Tages ging an den Aston Martin #007 in 3:26.293 Minuten. Obwohl dies geringfügig langsamer ist als die letztjährige Bestzeit des Testtags (3:26.246 Minuten durch den Toyota #8), hat sich das Gesamttempo des Feldes im Vergleich zu 2025 signifikant gesteigert.

Alle Hypercars waren in der Lage, konstante Rundenzeiten von unter 3:30 Minuten in den Asphalt zu brennen. Die Anzahl der Rundenzeiten unter der 3:30-Minuten-Marke hat sich von 178 im Jahr 2025 auf 362 im Jahr 2026 mehr als verdoppelt - und das, obwohl sich in diesem Jahr drei Hypercars weniger im Feld befinden.

Ein Blick auf die statistische Verteilung verdeutlicht den enormen Leistungssprung:

Rundenzeiten unter 3:27 Minuten (3:26.000 bis 3:26.999):

2025: 3

2026: 7

Rundenzeiten unter 3:28 Minuten:

2025: weitere 19

2026: weitere 71

Rundenzeiten unter 3:29 Minuten:

2025: weitere 27

2026: weitere 121

Rundenzeiten unter 3:30 Minuten:

2025: weitere 129

2026: weitere 163

Insgesamt zeigt sich, dass weitaus mehr Hypercars nicht nur die Marke von 3:30 Minuten knacken können, sondern auch dauerhaft tief in den 3:28er- oder sogar 3:27er-Bereich vordringen. Nur der 3:26er-Bereich bleibt ein extrem elitärer Kreis, aber auch diese Anzahl hat sich mehr als verdoppelt.

Vier Hersteller an der Spitze

Für das Rennen darf somit ein deutlich größerer Kampf erwartet werden, nachdem in den vergangenen Jahren meist zwei Hersteller um den Sieg kämpften. Betrachtet man den Durchschnitt aller Rundenzeiten der einzelnen Fahrzeuge, zeigt sich ein dicht gestaffeltes Klassement:

1. Toyota #7 - 3:29.189 Minuten

2. Cadillac #12 - 3:29.312

3. Toyota #8 - 3:29.447

4. Alpine #35 - 3:29.659

5. Cadillac #38 - 3:29.777

6. Aston Martin #009 - 3:29.937

7. Alpine #36 - 3:30.008

8. BMW #20 - 3:30.088

9. WTR-Cadillac #101 - 3:30.094

10. Ferrari #50 - 3:30.128

11. Aston Martin #007 - 3:30.172

12. Ferrari #51 - 3:30.197

13. AF Corse Ferrari #83 - 3:30.299

14. Genesis #19 - 3:30.396

15. Peugeot #93 - 3:30.572

16. Genesis #17 - 3:30.597

17. BMW #15 - 3:30.693

18. Peugeot #94 - 3:30.757

Für diese Berechnung wurden alle Rundenzeiten berücksichtigt, die schneller als 3:34 Minuten waren. Gestrichene Rundenzeiten wurden bewusst mitgezählt, da der Zeitvorteil durch das Verlassen der Strecke in der Corvette-Kurve meist sehr gering ist. Durch die Einbeziehung dieser Runden ergibt sich ein präziseres Bild des tatsächlichen Fahrzeuspotenzials.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Toyota #7, dessen zwei schnellste Rundenzeiten in der Vormittagssitzung gestrichen wurden. Ohne diese beiden Runden wäre der Gesamtdurchschnitt auf 3:29.327 Minuten abgefallen. Mit den Runden im Datensatz bildet das Ergebnis das wahre Potenzial des Toyota TR010 Hybrid jedoch wesentlich besser ab.

In der Gesamtheit lässt sich eine Führungsgruppe aus vier Herstellern ausmachen: Toyota, Cadillac, Alpine und Aston Martin. Ferrari und BMW bilden das Mittelfeld, während Debütant Genesis und Peugeot noch etwas hinterherhinken.

Es sei jedoch angemerkt, dass die Abstände dramatisch kleiner sind als noch 2025. Eine minimale Verbesserung bis zum Beginn der freien Trainings am Mittwoch kann massive Auswirkungen auf das Klassement haben, da im Durchschnitt elf Fahrzeuge von sieben verschiedenen Herstellern innerhalb einer Sekunde liegen.

Wer sich gegenüber 2025 am meisten gesteigert hat

Ein Vergleich der Durchschnittszeiten (wieder auf Basis aller Runden unter 3:34 Minuten) mit dem Testtag des Vorjahres zeigt, um wie viel die verschiedenen Hersteller schneller geworden sind. Die Steigerungswerte im Überblick:

1. Toyota #7: 1,966 Sekunden schneller

2. Aston Martin #009: 1,963 Sekunden schneller

3. Aston Martin #007: 1,613 Sekunden schneller

4. Cadillac #12: 1,535 Sekunden schneller

5. Alpine #35: 1,505 Sekunden schneller

6. WTR-Cadillac #101: 1,505 Sekunden schneller

7. Alpine #36: 1,405 Sekunden schneller

8. Peugeot #93: 1,035 Sekunden schneller

9. Peugeot #94: 0,944 Sekunden schneller

10. Toyota #8: 0,931 Sekunden schneller

11. Cadillac #38: 0,814 Sekunden schneller

12. BMW #20: 0,733 Sekunden schneller

13. Ferrari #50: 0,678 Sekunden schneller

14. BMW #15: 0,421 Sekunden schneller

15. Ferrari #51: 0,017 Sekunden schneller

16. AF Corse Ferrari #83: 0,459 Sekunden langsamer

Wenig überraschend hat Aston Martin den größten Sprung aller Hersteller gemacht. Da Le Mans 2025 erst das vierte Rennen des gesamten Programms für das Team Heart of Racing war, durfte man massive Fortschritte erwarten - und die britische Marke hat geliefert.

Ebenfalls starke Verbesserungen verbuchen die Toyotas sowie die LMDh-Boliden von Cadillac und Alpine. BMW erzielte mit dem stark überarbeiteten M Hybrid V8 solide, aber kleinere Fortschritte zu 2025.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei Ferrari: Die Italiener bewegen sich ziemlich exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Angesichts der extremen Performance-Sprünge fast aller anderen Hypercars rutschte das springende Pferd am Testtag dadurch ins Mittelfeld ab.

Nach drei Siegen in Folge an der Sarthe war es im Fahrerlager durchaus erwartet worden, dass die Konkurrenz aufholt. Da die Balance of Performance (BoP) in diesem Jahr jedoch unter Verschluss gehalten wird, lässt sich nur spekulieren, wie viel auf eine relative Einbremsung des Ferrari 499P und wie viel auf die Steigerung der Gegner zurückzuführen ist.

Die Le-Mans-Rennwoche beginnt am Mittwoch um 14 Uhr mit dem ersten Freien Training.

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