25 PS weniger! Ferrari tobt über BoP-Änderung in WEC-Titelkampf

Erstmals rückt die automatische Balance of Performance in der GTE Pro in den Fokus: Die Einbremsung des Ferrari 488 GTE Evo liegt außerhalb aller Parameter

25 PS weniger! Ferrari tobt über BoP-Änderung in WEC-Titelkampf

Große Diskussion im Fahrerlager von Bahrain: Der Ferrari 488 GTE Evo ist vor dem Doppelfinale der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) dermaßen eingebremst worden, dass sich bei AF Corse großer Unmut regt.

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Der Ferrari 488 GTE Evo fährt seit Saisonbeginn mit einem Ladedruck von maximal 1,81 bar für den 3,9-Liter-V8-Turbomotor. Die Ausnahme waren die 24 Stunden von Le Mans (1,75 bar maximal), wo die automatisierte Balance of Performance (BoP) nicht gilt, sondern eine eigene zum Einsatz kommt.

Nun wurde der Boost auf 1,73 bar in der Spitze reduziert - um 0,08 bar, über das gesamte Leistungsband hinweg. Einem Statement von Ferrari zufolge kostet die Änderung 25 PS. Das wäre deutlich mehr, als die automatisierte BoP erlaubt. Hier sind Änderungen von maximal 10 Kilowatt (13,6 PS) vorgesehen.

Die einzige Erklärung: Das Langstreckenkomitee der FIA hat die sogenannte "Black Ball"-Klausel genutzt. Diese sieht vor, dass einmal pro Saison außerplanmäßig in die automatisierte BoP eingegriffen werden darf. Angewendet wurde diese bislang nur einmal im August 2018.

Analyse Topspeed 24h Le Mans 2021 Testtag und Rennen

Analyse Topspeeds von Ferrari und Porsche bei den 24h Le Mans 2021

Foto: smg/Stritzke

Hat Ferrari bei den 24h Le Mans betrogen?

FIA und ACO haben bislang keinen Kommentar dazu abgegeben, warum so gehandelt wurde - oder ob Ferrari in seinen Ausführungen übertreibt. Informationen von 'Motorsport.com Deutschland' zufolge hängt die Maßnahme mit einem möglichen Sandbagging seitens Ferraris bei den 24 Stunden von Le Mans zusammen.

Dort war Ferrari beim Testtag noch mit 1,79 bar gefahren und erst im Rennen mit 1,75 bar. Trotzdem lag der Topspeed im Rennen um elf km/h höher als beim Test. Zwar lässt sich einiges davon über den Windschatten erklären, von dem man im Rennen in der Regel mehr hat als beim Testen. Aber elf km/h mit weniger Ladedruck waren FIA und ACO wohl zu viel des Guten.

Zum Vergleich: Porsche verbesserte sich ohne BoP-Änderungen von Testtag zu Rennen lediglich um fünf km/h. Beide Ferraris und beide Porsches erreichten sowohl am Testtag als auch im Rennen auf die erste Nachkommastelle genau exakt dieselben Topspeedwerte, sodass ein Einzeleffekt auszuschließen ist. Porsche fuhr in Le Mans mit zweimal 30,7 Millimeter Luftmengenbegrenzer, in Bahrain mit 30,8.

Natürlich haben die Regelmacher noch wesentlich detailliertere Einblicke in das Beschleunigungsvermögen der einzelnen Boliden. Wenn tatsächlich ein Sandbagging seitens Ferrari vorgelegen haben sollte, stellt sich die Frage, wie so ein systematischer Fehler die ganze Saison über unbemerkt bleiben konnte.

Ferrari gewann das 24-Stunden-Rennen vor Corvette. Porsche war im Rennen chancenlos, sammelte aber immerhin die Plätze drei und vier ein. Die Le-Mans-Sieger Calado und Pier Guidi reisen mit einem Vorsprung von zwölf Punkten in der Gesamtwertung auf Kevin Estre und Neel Jani an.

Pier Guidi: Das ist nicht fair

Zurück nach Bahrain. Dass die Änderung bei Ferrari nicht gut ankommt, versteht sich von selbst. "Ferrari sieht sich nun gezwungen, eine defensive Strategie anzuwenden, nachdem Balance-of-Performance-Parameter verkündet wurden, die die automatisierte BoP überschreiben", heißt es in dem Statement der Roten.

"Alessandro Pier Guidi und James Calado werden eine Strategie anwenden müssen, die auf die Minimierung des Leistungsdefizits ausgerichtet ist. Und das auf einer Strecke mit 64,5 Prozent Volllastanteil."

Pier Guidi fügt hinzu: "Ich mag es, Rennen auf der Strecke zu gewinnen oder zu verlieren. Aber diese Entscheidung erscheint mir sehr fragwürdig. Wir sind in keiner Position, unsere Führung zu verteidigen. Ich glaube nicht, dass das fair ist. Aber wir geben nicht auf und werden unser Bestes geben, um die Titel zu holen."

In der automatisierten BoP, die nur für die Rennen außerhalb von Le Mans gilt, hatte es im Vorfeld der 6 Stunden von Monza eine Änderung zu Ungunsten von Porsche gegeben. Überraschenderweise gelang Porsche aber der Auswärtssieg im Autodromo Nazionale. Bislang haben der AF-Corse-Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado) und der Porsche #92 (Estre/Jani) abwechselnd die Rennen gewonnen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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