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Interview

Alpine zum Ausstieg: "Schreiben Zukunft gemeinsam, mehr noch als zuvor"

Alpine-Teamchef Philippe Sinault spricht über den verkündeten Ausstieg der Marke aus der WEC zum Saisonende 2026 und darüber, wie es nun weitergeht

Alpine zum Ausstieg: "Schreiben Zukunft gemeinsam, mehr noch als zuvor"

Das dritte Jahr von Alpine in der Hypercar-Klasse der WEC wird das letzte bleiben

Foto: Laurent Laurent

Die Schockwelle nach dem sprichwörtlichen Erdbeben, das die Bestätigung des bevorstehenden Endes des Hypercar-Programms von Alpine ausgelöst hat, ist gerade erst abgeklungen. Die Nachricht war aufgrund von Warnsignalen seitens des Herstellers und aus Viry-Chatillon zwar zu erwarten, ist aber dennoch von großer Bedeutung - sowohl für die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) als auch für ein französisches Team mit einer langen Tradition.

Philippe Sinault ist einer seiner Architekten und verkörpert die Wurzeln des Langstreckenrennsports in einer Zeit, in der die WEC durch die Hypercar-Ära neu gestaltet wird. Hinter dem Alpine-Team steht das solide Fundament von Signatech, das die Ambitionen eines Programms unterstützt hat und das sich hohe Ziele gesetzt hat. Doch nach drei Jahren mit dem Alpine A424 wird das Programm am Saisonende 2026 eingestellt.

Nach dem Schock kommt die Reaktion, die die Saison tragen muss und die Alpine durchstehen muss. Bei der Präsentation des A424 für 2026 vor wenigen Wochen in Paris lag der Fokus direkt auf dem Siegeshunger des Teams, wobei mit Lächeln versucht wurde, den Schlag in die Magengrube zu überspielen.

Im Interview für Motorsport.com Frankreich, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, erklärt Alpine-Teamchef Philippe Sinault, wie ihn der Wunsch antreibt, mit einem geeinten Team voranzukommen - einem Team, das zeigen will, dass es noch mehr zu beweisen hat.

Frage: "Philippe, wie haben Sie auf die Nachricht reagiert, dass der Alpine-Mutterkonzern Renault das Hypercar-Programm beendet? Und wie sind Sie intern mit Ihrem Team damit umgegangen?"

Philippe Sinault: "Das ist natürlich eine schwierige und komplizierte Nachricht. Aber wenn man im Spitzensport tätig ist, ist man in gewisser Weise darauf konditioniert. Wir haben uns daher sehr schnell zu 100 Prozent auf die kommende Saison konzentriert. Das hatten wir tatsächlich schon vor der Ankündigung getan."

Alpine A424 für die WEC-Saison 2026

Alpine setzt auch in der WEC 2026 nochmals zwei Hypercars ein

Foto: Alpine

"Alles, was wir über unsere Entschlossenheit gesagt haben, in diesem Jahr Leistung zu bringen und die Performance und Verbesserungen fortzusetzen, die wir Ende 2025 gezeigt haben, ergibt jetzt noch mehr Sinn und wird zu einer absoluten Priorität."

"Was haben wir also getan? Wir haben uns alle in der Fabrik um die Kaffeemaschine herum versammelt und diesen Moment gemeinsam erlebt. Ich habe diese schwierige Nachricht verkündet, aber die Reaktion des Teams war fantastisch."

"Ohne zu viel zu verraten: Das Team hat applaudiert - einfach um seine Entschlossenheit und seinen Willen zu zeigen, gemeinsam Leistung zu bringen. Wir schreiben unsere Zukunft gemeinsam, mehr noch als zuvor, ob individuell, persönlich oder kollektiv."

"Es gibt also eine Grundvoraussetzung: Das Programm geht mit Ablauf der Saison 2026 zu Ende. Es ergibt keinen Sinn, die Gründe dafür verstehen zu wollen, denn das würde nur Zeit und Energie verschwenden. Wir müssen uns auf unser Ziel konzentrieren, das ohnehin bereits klar war, das jetzt aber noch deutlicher geworden ist und das wir gemeinsam schreiben müssen."

Frage: "Bringt eine solche Nachricht die Teammitglieder aus menschlicher Sicht näher zusammen?"

Sinault: "Aus menschlicher Sicht glaube ich schon, dass so etwas uns noch näher zusammenbringen und eine Dynamik schaffen wird. Ich sage nicht, dass es eine gute Nachricht ist. Das ist es natürlich nicht, aber sie erzeugt in uns einen unglaublichen Wunsch, der noch stärker ist als zuvor."

Alpine A424 für die WEC-Saison 2026

Wird der bis 2029 homologierte Alpine A424 künftig von Kundenteams eingesetzt?

Foto: Alpine

Frage: "Könnte das Auto nach der Saison 2026, eingesetzt von einem Privatteam oder einem Kundenteam, weiterfahren?"

Sinault: "Ehrlich gesagt ist es nicht an mir, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Das Auto ist noch bis mindestens 2029 zugelassen und homologiert. Also ja, physisch könnte das Auto fahren und möglicherweise weiterhin an der Langstrecken-Weltmeisterschaft und den 24 Stunden von Le Mans teilnehmen."

"Aber ich bin nicht der Einzige, der diese Entscheidung trifft. Es gibt viele Parameter und Menschen, die zusammenkommen müssten, um den Rahmen abzustecken, wie es weitergeht."

"Auch wenn ich als Unternehmensleiter und Teamchef über die Zukunft nachdenken muss, sind für mich die nächsten Rennen und Le Mans die unmittelbare Zukunft. In drei Monaten werden wir in Le Mans sein. Es ist daher unerlässlich, dass wir bereit und voll mobilisiert sind."

Frage: "Wie geht das Team in diesem Zusammenhang an den Saisonstart heran? Haben Sie das Gefühl, dass die Fahrer trotz allem motiviert und konzentriert sind? Haben Sie es geschafft, ihnen das zu vermitteln?"

Sinault: "Ja, und das habe nicht unbedingt ich ihnen vermittelt. Sie vermitteln es auch mir. Für mich persönlich ist meine Beziehung [zu den Teammitgliedern] extrem wichtig, weil sie auch mich herausfordern. Die Nachricht ist Vergangenheit. Ich würde nicht sagen, dass sie verdaut ist, aber sie ist verkündet. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf das, was wir zu tun haben."

Antonio Felix da Costa, Ferdinand Habsburg, Charles Milesi, mit Philippe Sinault

Antonio Felix da Costa, Ferdinand Habsburg, Charles Milesi, mit Philippe Sinault

Foto: Alpine

"Der Fehler, den wir vermeiden müssen, ist, die Dinge zu übertreiben und zu überreagieren. Wenn ich eine Botschaft an alle habe, dann ist es, dass ich von ihren Qualitäten und dem Talent jedes Einzelnen überzeugt bin. Deshalb sage ich ihnen: Übertreibt es nicht."

"Lasst uns auf dem gleichen Kurs bleiben, den wir zu Beginn des Jahres, also vor der Ankündigung, eingeschlagen haben. Wir haben alles, was wir brauchen, um gut abzuschneiden. Lasst uns das Beste aus den vorhandenen Zutaten und der Arbeit machen, die wir geleistet haben, um in diesem Jahr und in Le Mans gut abzuschneiden."

Frage: "Bei der Teampräsentation hatte man jedoch das Gefühl, dass zwischen den Zeilen der Wunsch mitschwang, trotz allem zu beweisen, dass Sie hier sind, um zu gewinnen. Es fühlte sich fast so an, als wollten Sie sagen: 'Wir werden ihnen zeigen, was wir können', oder?"

Sinault: "Ja, Sie haben Recht. Sie haben das gespürt, weil wir es wahrscheinlich gezeigt haben. Tief im Inneren ist es menschlich, noch mehr zeigen zu wollen. Aber wir dürfen nicht in Extreme oder Übertreibungen verfallen, denn das könnte kontraproduktiv sein. Deshalb versuche ich, diese gesteigerten Emotionen zu dämpfen, indem ich sage: Bleiben wir auf dem Kurs, den wir zu Beginn des Jahres eingeschlagen haben."

Victor Martins, Jules Gounon, Frederic Makowiecki, mit Philippe Sinault

Victor Martins, Jules Gounon, Frederic Makowiecki, mit Philippe Sinault

Foto: Alpine

Frage: "Wie sehen Sie die WEC heute? Ist das Ende des Alpine-Programms nach dem Ausstieg von Porsche ein Warnsignal für die Zukunft der Hypercar-Kategorie?"

Sinault: "Das sind sicherlich bedeutende Signale, keine Frage. Der Ausstieg von Porsche und die Ankündigung, dass Alpine zum Jahresende aufhört, sind starke Signale. Die Rennserie als Ganzes ist aber gut strukturiert und die Regeln sind sehr gut formuliert."

"Die Rennserie wird gut geführt. Sonst gäbe es nicht so viele Hersteller und Interessenten, die über einen Einstieg nachdenken. Es sind vielmehr die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Welt, in der wir heute leben, die manchmal zu überraschenden und plötzlichen Entscheidungen führen."

"Die WEC selbst sollte diese Signale sicherlich berücksichtigen, aber ich glaube nicht, dass diese Signale das Ergebnis einer schlechten Führung durch den Regelhüter oder Veranstalter sind."

"Ich glaube, dass dies auf einen größeren Zusammenhang zurückzuführen ist. Aber so wie sie heute organisiert, verwaltet und reguliert ist, ist sie eine sehr, sehr starke Plattform für sportliche, menschliche und technische Ausdrucksmöglichkeiten für Hersteller."

Philippe Sinault

Trotz Ausstiegen von Porsche und Alpine: Sinault sieht die WEC gut dastehen

Foto: Ben Stansall / AFP via Getty Images

"Ich glaube also nicht, dass die Grundlagen der Rennserie aufgrund des Ausstiegs von Porsche und der Ankündigung von Alpine in Frage gestellt werden sollten. Nein, ich denke, dass Verbesserungen möglich sind, aber die WEC bleibt eine wunderbare Plattform, auf der man sich messen kann."

Frage: "Darf ich Sie fragen, wie Sie persönlich Ihre Zukunft nach 2026 sehen? Ich verstehe, dass Sie sich auf die bevorstehende Saison konzentrieren, aber was in ein paar Monaten passieren wird, ist dennoch bedeutend für Ihr Leben, nicht wahr?"

Sinault: "Ja, es ist bedeutend. Sie haben Recht und ich danke Ihnen für Ihr Interesse sowohl an der gemeinsamen Zukunft als auch an meiner persönlichen Zukunft. Eines kann ich sagen: Angeln ist nichts für mich! Deshalb habe ich auch nicht vor, angeln zu gehen."

"Ich habe ein großartiges Team, ein wirklich großartiges Team. Wir haben Talente darin, und wir alle wollen weiterhin Rennen fahren und Rennen gewinnen. Solange dieser Wunsch besteht, werden wir dafür sorgen, dass wir unsere Zukunft erneut gemeinsam gestalten und sehen, was sie uns bringt."

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