Cadillac: P4 in Le Mans nach meisten Führungsrunden "eine Enttäuschung"
Für Cadillac war der diesjährige Auftritt bei den 24h Le Mans der bisher stärkste beim WEC-Saisonhöhepunkt, aber es gab kleine Stolpersteine im Rennen
Cadillac bei den 24h Le Mans 2026: Meiste Führungsrunden, aber kein Podium
Foto: Rainier Ehrhardt
Für Cadillac war der Auftritt bei den 24 Stunden von Le Mans am vergangenen Wochenende der stärkste, den die US-amerikanische Marke beim Saisonhöhepunkt der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) bislang hingelegt hat. Zwar fuhr man im Jahr 2023, dem Debütjahr des V-Series.R, beim 24-Stunden-Rennen direkt auf P3 und P4. Damals aber war das Hypercar-Feld bei weitem noch nicht so stark besetzt wie es heutzutage der Fall ist.
Am vergangenen Wochenende kam der bestplatzierte Cadillac auf P4 ins Ziel. Es war jener mit der Startnummer 12 des Werksteams Jota, gefahren von Will Stevens, Norman Nato, Louis Deletraz. Der Rückstand auf den siegreichen Toyota #7 (Conway/Kobayashi/de Vries) betrug nach 381 zurückgelegten Runden gerade mal 32 Sekunden. Auf das Podium fehlten dem Cadillac #12 gar nur 12 Sekunden.
Ihre Teamkollegen Earl Bamber, Sebastien Bourdais, Jack Aitken im Schwesterauto (Startnummer 38) präsentierten sich ebenfalls stark, fielen aber in der Nacht mit einem Defekt an der Servolenkung aus, was allen voran den aus Le Mans stammenden Bourdais sehr nachdenklich stimmte.
Zum Zeitpunkt, als der Defekt aufgetreten ist, lagen die beiden Jota-Cadillac auf den Positionen eins und zwei im Rennen. Der von Wayne Taylor Racing (WTR) eingesetzte Cadillac mit der Startnummer 101, gefahren von Jordan Taylor, Ricky Taylor, Filipe Albuquerque, kam auf P9 ins Ziel.
Noch eindrucksvoller als die zwei Top-10-Ergebnisse ist aber die Tatsache, dass Cadillac 178 der 381 Rennrunden angeführt hat. 128 dieser 178 Führungsrunden gingen auf das Konto des Cadillac #12. So lange lag kein anderes Hypercar ganz vorn (Analyse 24h Le Mans 2026: Nicht das schnellste Auto hat gewonnen).
Dieter Gass: P4 "fühlt sich wie eine Enttäuschung an"
"Insgesamt betrachtet war das eine sehr gute Woche für uns, auch wenn wir am Ende nicht das Ergebnis eingefahren haben, das wir gerne eingefahren hätten", sagt Dieter Gass, Teamchef des Cadillac-Werksteams Jota, und stellt heraus: "Wir hatten in jeder Session eine gute Pace und waren im Rennen bis zur Zielflagge nah an den Siegern dran. Uns hat nur die letzte Kleinigkeit noch gefehlt."

Jota-Teamchef Dieter Gass (Archivbild von 2023, als man noch Porsche-Team war)
Foto: Porsche AG
Den technisch bedingten Ausfall des Cadillac #38 von Bamber/Bourdais/Aitken bezeichnet Gass als "unglücklich". Wie Bourdais noch am Sonntag verriet, war es ein "Zwei-Dollar-Teil", das den Geist aufgegeben hat und dazu führte, dass die Servolenkung nicht mehr funktionierte. Dass es für das Jota-Team nach vorübergehend P1 und P2 im Rennen letztlich "nur" ein vierter Platz geworden ist, das "fühlt sich wie eine Enttäuschung an", so Gass.
Will Stevens, einer der drei Fahrer des auf P4 ins Ziel gekommenen Cadillac #12, sagte nach der Zieldurchfahrt: "Es ist ziemlich enttäuschend, nur den vierten Platz zu belegen. Ehrlich gesagt finde ich, dass wir mehr verdient hätten. Bei dem Tempo, das wir gezeigt haben, hätten wir mindestens auf dem Podium stehen müssen."
"Wir sind im Rennen besser als im vergangenen Jahr, was positiv ist. Aber als wir hierherkamen, hatten wir höhere Erwartungen als das Ergebnis, das wir letztendlich erzielt haben. Daher können wir nicht anders, als enttäuscht zu sein. Aber nächstes Jahr kommen wir stärker zurück", kündigte Stevens im Namen von Cadillac noch am Sonntag an.
Louis Deletraz, der an der Seite von Stevens und Nato anstelle des verletzten Alex Lynn fuhr, klingt ganz ähnlich. Der 29-jährige Schweizer sagt: "Wir waren im gesamten Rennen richtig stark und haben die meisten Runden angeführt. Daher kann ich nicht leugnen, dass ich zwischenzeitlich schon [vom Sieg] zu träumen begann. Ich habe versucht, es zu ignorieren. Aber ja, der vierte Platz ist nach dieser Vorstellung mit Sicherheit eine Enttäuschung."
"Die Toyotas waren im gesamten Rennen stark, aber wir hatten uns in der Nacht ein Polster herausgefahren, das eigentlich groß genug war", so Deletraz. Dass man am Sonntag doch noch beide Toyota und auch den WRT-BMW #20 (Frijns/Rast/S. van der Linde) ziehen lassen musste, das lag zum einen daran, dass Cadillac in der kühleren Nacht stärker war als in der Hitze beider Renntage.

Es gab mehrere Durchfahrtsstrafen, unter anderem für den WTR-Cadillac #101
Foto: Marc Fleury
Aber es gab noch einen anderen Stolperstein, wie Deletraz berichtet: "Am Morgen hatten wir einen kleinen Aussetzer im System, der uns eine Durchfahrtsstrafe eingebrockt hat. So etwas kann passieren. Zeit verloren haben wir bei dieser Gelegenheit auf jeden Fall. Wir haben nicht aufgegeben, aber die Toyotas waren am Schluss einen Tick stärker als wir. Nach der letzten Safety-Car-Phase konnten wir sie nicht mehr ganz einholen."
Der auf P9 ins Ziel gekommene Cadillac von Wayne Taylor Racing kassierte im Rennen gleich mehrere Durchfahrtsstrafen, alle wegen Verstößen gegen die Regeln unter gelben Flaggen. Es betraf sowohl Full-Course-Yellow-Phasen als auch Slow-Zones. Im Ziel hatten J. Taylor/R. Taylor/Albuquerque zwei Runden Rückstand auf die Sieger.
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