Die Auswirkungen des veränderten WEC-Kalenders auf den Titelkampf
Die Absagen der Nahost-Rennen im WEC-Kalender 2026 und die Ersatzrennen in Europa haben weitreichende Auswirkungen auf die WM-Situation
Das Finale der WEC-Saison 2026 findet im November in Monza statt (Foto: 2023)
Foto: James James
Die zweite Saisonhälfte 2026 der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) verspricht einen intensiven Kampf, da innerhalb von etwas mehr als zwei Monaten vier Rennen auf dem Programm stehen. Der Rennkalender musste im Zuge des Iran-Kriegs zweimal umgebaut werden. Die Auswirkungen der jüngsten Änderungen sind vielfältig.
Die zunächst von Frühjahr in den Herbst verschobenen 1.812 Kilometer von Katar hat man inzwischen komplett abgesagt. Das Rennen wird ersetzt durch die WEC-Premiere in Barcelona. Und als neues Saisonfinale löst eine Rückkehr nach Monza die abgesagten 8 Stunden von Bahrain ab (WEC-Kalender 2026).
Die Änderungen am Kalender haben auch Auswirkungen auf die WM-Situation. Bei den 6-Stunden-Rennen in Barcelona und Monza werden den Siegerteams jeweils 25 Punkte gutgeschrieben, wie es bei regulären WEC-Rennen üblich ist. Im Gegensatz dazu wären die beiden abgesagten Rennen - 1.812 km Katar und 8h Bahrain - Langstreckenrennen gewesen, bei denen es jeweils 38 Punkte für den Sieg gegeben hätte.
Weniger Punkte zu vergeben
Da nun 26 Punkte weniger zu vergeben sind, entzieht der überarbeitete Kalender der WEC-Saison 2026 faktisch das Äquivalent eines gesamten 6-Stunden-Rennens. Zudem sind, obwohl die Saison erst zur Hälfte vorbei ist, bereits rund 55 Prozent der verfügbaren Punkte vergeben worden. Das liegt daran, dass die 24 Stunden von Le Mans, bei denen es 50 Punkte für den Sieg gibt, bereits absolviert wurden.
Die Absage der 8h Bahrain erhöht die Bedeutung der 24 Le Mans nochmals. In den vergangenen Jahren konnte ein enttäuschendes Ergebnis in Le Mans durch ein starkes Abschneiden beim achtstündigen Saisonfinale mit den dort 38 zu vergebenen Punkten fast ausgeglichen werden.
So gelang es beispielsweise Toyota in der Saison 2024, den Vorsprung von Porsche noch aufzuholen und sich beim Finalrennen den WM-Titel in der Herstellerwertung zu sichern. Eine solche Wende wird in der aktuellen Saison 2026 nun deutlich schwieriger zu erreichen sein.
Da allerdings noch vier Rennen ausstehen, ist noch viel zu gewinnen. Insgesamt stehen bei den noch anstehenden Rennen in Amerika, Asien und Europa noch 104 Punkte zur Vergabe, einschließlich des zusätzlichen Punkts, der jeweils an die Polesetter vergeben wird. Da in der Hypercar-Klasse bisher keine Fahrerbesetzung mehr als 75 Punkte geholt hat, ist der Kampf um beide WM-Titel - Fahrer und Hersteller - weiterhin völlig offen.
Andere Rennstrecken
Zwar betritt die WEC mit den neu in den diesjährigen Kalender aufgenommenen Rennen in Barcelona und Monza kein Neuland, dennoch stellen beide Strecken eine ganz andere Herausforderung dar als die Rennstrecken, die ursprünglich hätten angesteuert werden sollen.

In Barcelona, wo im Oktober gefahren wird, fand 2019/20 der WEC-Prolog statt
Foto: Eric Alonso / MB Media via Getty Images
Abgesehen vom Prolog 2019/20 war die WEC noch nie in Barcelona zu Gast. Zwar sind einige Teams und Fahrer, die beim damaligen Vorsaisontest dabei waren, noch immer am Start, doch hat sich die Rennserie seither grundlegend verändert. Die LMP1-Klasse wurde ersetzt durch die Hypercar-Klasse, die LMP2-Klasse wurde (mit Ausnahme der 24h Le Mans) gestrichen, während die zwei GTE-Klassen durch eine einzige Pro-Am-Klasse, nämlich LMGT3, abgelöst wurden.
Trotzdem müssen die Teams nicht ganz bei Null anfangen. Mehrere Hersteller haben ihre Hypercars in den vergangenen Jahren bereits in Barcelona getestet, während einige LMGT3-Teams im Rahmen der GT-World-Challenge (GTWC) sogar schon Rennen auf dieser Strecke gefahren sind. Sie gehen also nicht völlig unvorbereitet in die 6h Barcelona im Oktober.
Monza war von 2021 bis 2023 ein fester Bestandteil des WEC-Kalenders, bis das Italien-Rennen nach Imola umgezogen wurde. Die meisten Teams verfügen über umfangreiche Daten zur Strecke in Monza. Ferrari hat die Strecke erst kürzlich genutzt, um den aktuellen 499P mit seinem Prototypen für 2027, dem 499P Evo, zu vergleichen.

Anders als Barcelona tauchte Monza schon in drei Saisons im WEC-Kalender auf
Foto: Philippe Nanchino / Eurasia Sport Images via Getty Images.
Höchstgeschwindigkeit und geringer Luftwiderstand werden in Monza wie immer entscheidend sein, wodurch die Balance of Performance (BoP) auf den langen Geraden besonders viel Einfluss haben wird. Man muss außerdem berücksichtigen, dass Barcelona und Monza ganz andere Rennstrecken sind als Lusail (Katar) respektive Sachir (Bahrain).
Ferrari erzielte besetzte beim bislang letzten WEC-Rennen in Katar komplett das Podium, wohingegen Toyota jedes der acht zurückliegenden Rennen in Bahrain gewonnen hat. Es lässt sich zwar nicht sagen, wie die in diesem Jahr abgesagten Rennen verlaufen wären, aber Toyotas bekannt gutes Reifenmanagement hätte den TR010 Hybrid beim Saisonfinale wahrscheinlich unschlagbar gemacht. Somit versetzt der veränderte Rennkalender den Hoffnungen von Toyota auf den ersten Fahrertitel seit 2023 einen herben Rückschlag.
Die Titelkandidaten
Bei Saisonhalbzeit liegen in der Hypercar-Klasse zwei Teams punktgleich an der Tabellenspitze. Robin Frijns und Rene Rast sammelten in den ersten vier Rennen im BMW M Hybrid V8 mit der Startnummer 20 insgesamt 75 Punkte und liegen damit gleichauf mit den Le-Mans-Siegern Kamui Kobayashi, Nyck de Vries und Mike Conway im Toyota mit der Startnummer 7.

Toyota #7 und BMW #20 liegen im Kampf um die Fahrer-WM punktgleich auf P1
Foto: Marc Fleury
Sheldon van der Linde, der dritte Fahrer im BMW #20, belegt zwar offiziell den dritten Tabellenplatz, kann aber rechnerisch nicht mehr um den Titel kämpfen, da er den Saisonauftakt in Imola aufgrund einer Terminüberschneidung mit der IMSA SportsCar Championship verpasst hat.
Van der Linde einmal ausgeblendet, liegen James Calado, Antonio Giovinazzi und Alessandro Pier Guidi im Ferrari mit der Startnummer 51 mit ihren 57 Punkten effektiv auf dem dritten Tabellenplatz. Mit nur einem Punkt Rückstand folgen ihnen Brendon Hartley, Sebastien Buemi und Ryo Hirakawa im Toyota mit der Startnummer 8.
Das bedeutet, dass Fahrer von BMW und Toyota die Hauptanwärter auf den WM-Titel sind, wobei auch Ferrari trotz eines bislang ausgebliebenen Saisonsieges noch im Titelkampf dabei ist. Cadillac hat bislang eine relativ schwierige Saison hinter sich. Norman Nato und Will Stevens liegen in ihrem von Jota eingesetzten Cadillac V-Series.R mit der Startnummer 12 bereits 33 Punkte hinter den beiden führenden Teams.
In der Herstellerwertung der Hypercar-Klasse führt Toyota mit fünf Punkten Vorsprung vor BMW, während Ferrari mit 44 Punkten Rückstand den dritten Tabellenplatz belegt.
In der LMGT3-Klasse hat die TF-Sport-Corvette mit der Startnummer 33 nach dem Klassensieg in Le Mans einen komfortablen Punktevorsprung, allerdings ist Jonny Edgar der einzige Fahrer des Teams, der an allen vier bisherigen Saisonrennen teilgenommen hat. Richard Lietz, Riccardo Pera und Yasser Shahin liegen im Manthey-Porsche mit der Startnummer 92 auf dem zweiten Tabellenplatz. Ihr Rückstand auf Edgar beträgt 27 Punkte.
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