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Erfolgsballast in der WEC ab 2026: Pro und Contra der Hypercar-Hersteller

Die Hypercar-Hersteller in der WEC sind sich uneinig über Notwendigkeit von Zusatzgewicht nach Erfolgen, was ab der Saison 2026 zur Regel werden könnte

Erfolgsballast in der WEC ab 2026: Pro und Contra der Hypercar-Hersteller

Start des Hypercar-Feldes beim WEC-Saisonfinale 2025 in Bahrain

Foto: James James

Die Meinungen in Reihen der Hersteller scheinen geteilt zu sein, was die mögliche Einführung von Erfolgsballast in der Hypercar-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) zur Saison 2026 angeht. Im Sportlichen Reglement könnte - in Ergänzung zur Balance of Performance (BoP) - ab der kommenden Saison ein noch zu bestimmendes Zusatzgewicht nach Erfolgen als Mittel der Angleichung vorgeschrieben werden.

Ferrari gehört zu den Marken, die sich gegen die Einführung aussprechen. "Es ist klar, dass es keinen Sinn ergibt, wenn wir Handicap-Gewicht und zusätzlich die BoP haben. Es ist wichtig, dass alle Hersteller die Möglichkeit haben, ihre Autos zu verbessern. Mit beiden ist das unmöglich", sagt Antonello Coletta, Leiter des Langstreckenprogramms bei Ferrari.

Alpine ist ein weiterer Hersteller, der sich gegen ein System ausspricht, bei dem die Autos auf Grundlage der in jedem Rennen erzielten Ergebnisse verlangsamt werden. Bruno Famin, Vizepräsident für Motorsport und Leiter des Hypercar-Programms bei Alpine, besteht darauf, dass der Fokus darauf liegen sollte, die BoP zum Funktionieren zu bringen.

"Das System ist nicht perfekt, aber es lässt sich einfach korrigieren", sagt Famin. "Wir alle sind in diese Meisterschaft eingestiegen, obwohl wir wussten, dass es eine BoP gibt. Ich bin zuversichtlich, dass wir sie zum Funktionieren bringen können. Wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, nur weil es in dieser Saison ein paar Mal nicht so funktioniert hat wie gedacht."

Olivier Jansonnie, Technikchef von Peugeot, hat philosophische Einwände gegen Erfolgsballast. "Unserer Ansicht nach sollten die Autos auf der Grundlage ihrer auf der Rennstrecke gezeigten Performance, nicht auf der Grundlage der sportlichen Ergebnisse, ausgeglichen werden", erklärt er und weist darauf hin, dass es bei der Verbesserung des bestehenden BoP-Systems um "winzige Details" gehe.

BMW scheint der möglichen Einführung von Handicap-Gewicht skeptisch gegenüber zu stehen, wenngleich Motorsportchef Andreas Roos betont, dass er eine solche Maßnahme "weder als negativ noch positiv" bezeichnen möchte: "Ich bin eher für Stabilität in Bezug auf den Umgang mit dem BoP-Prozess. Ich bin dafür, den Wettbewerb so eng wie möglich zu halten."

"Die Einführung einer weiteren Ebene muss gründlich geprüft werden. Wir müssen darauf achten, dass wir nichts hinzufügen, was noch mehr Verwirrung stiftet und es den Fans noch schwerer macht, zu verstehen, was vor sich geht", so Roos.

Toyota und Porsche - wobei letztgenannter Hersteller in der WEC-Saison 2026 nicht durch sein Werksteam Penske vertreten sein wird - weisen darauf hin, dass ein Erfolgsballast-System durchaus Vorteile habe. "Wir haben eindeutig gesehen, dass das, was wir in diesem Jahr hatten, nicht funktioniert", sagt Toyota-Technikchef David Floury.

"Das Handicap-Gewicht ist definitiv ein Instrument, mit dem man versuchen kann, die Situation zu verbessern", so Floury und weiter: "Es muss in Betracht gezogen werden. Aber um eine endgültige Entscheidung zu treffen, müssen wir jede Menge Simulationen durchführen. Im Moment haben wir noch keine eingehenden Diskussionen begonnen."

Toyota - und dort insbesondere der ehemalige Technikchef Pascal Vasselon - war der Architekt des Erfolgsballast-Systems, wie es für die WEC-Saison 2019/20 in der damaligen LMP1-Klasse eingeführt wurde.

Urs Kuratle, Leiter des LMDh-Programms bei Porsche, schlägt vor, dass die Idee weiter diskutiert werden müsse, nachdem sie bei einem Meeting in Paris im September erstmals angesprochen wurde. Bei dieser Gelegenheit trafen sich die Hersteller mit den WEC-Regelmachern FIA und ACO, um die Richtung der zukünftigen Regeln zu diskutieren.

"Wir sollten keine Möglichkeit auslassen, Lösungen zu finden, um alles unter einen Hut zu bringen. [Erfolgsballast] könnte eine Möglichkeit sein. Ich sage nicht, dass dies die einzige Lösung ist und alle Probleme beheben würde, aber es ist eine Sache, die wir diskutieren müssen", so Kuratle im Nachgang zum September-Treffen in Paris. Am 7. Oktober hat Porsche offiziell bekanntgegeben, sich werksseitig aus der Hypercar-Klasse der WEC zurückzuziehen.

Derweil vertreten sowohl Cadillac als auch Aston Martin beim Thema Handicap-Gewicht eine politische Linie. Cadillacs Langstreckenchefin Keely Bosn sagt, es gebe "Vor- und Nachteile, Argumente für beide Seiten", und fügt hinzu: "Wenn das umgesetzt wird, werden wir uns an die für die Rennserie festgelegten Richtlinien halten."

Adam Carter, Leiter der Langstreckenprogramms bei Aston Martin, sagt: "Ich respektiere die Plattform, die die FIA, der ACO und die IMSA geschaffen haben. Ich werde sie dabei unterstützen, diejenige Lösung zu finden, die für den Sport die beste ist."

Unklar ist, ob das Thema Erfolgsballast vorgeschlagen wurde, um es 2026 definitiv einzuführen, oder aber als Backup für den Fall, dass keine Einigung für eine überarbeitete BoP erzielt werden kann. In einem FIA-Statement zum jüngsten Update-Entwurf für das Sportliche WEC-Reglement hieß es am 18. Oktober wie folgt:

"Der Erfolgsballast kann für Hypercars und LMGT3-Fahrzeuge verhängt werden, die in der Meisterschaft eingeschrieben sind. Er gilt für alle Wettbewerbe mit Ausnahme der 24 Stunden von Le Mans. Das Berechnungssystem wird vom WEC-Komitee vor der ersten gezeiteten Session des Prologs festgelegt."

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