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F1 kollidiert 2027 nicht mit Le Mans: Weg frei für Verstappen und Norris?

Die Formel 1 macht am Wochenende der 24 Stunden von Le Mans frei - Lando Norris und Max Verstappen sehen sich aber noch Hürden gegenüber

Rachit Thukral Heiko Stritzke

Veröffentlicht: 16.09.2026, 11:53

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F1 kollidiert 2027 nicht mit Le Mans: Weg frei für Verstappen und Norris?

Lando Norris und Max Verstappen könnten 2027 in Le Mans starten - theoretisch zumindest

Foto: LAT Images

Der jüngst veröffentlichte Formel-1-Kalender für 2027 lässt auf den ersten Blick die Tür für F1-Fahrer offen, im kommenden Jahr bei den 24 Stunden von Le Mans anzutreten. Der Rennkalender umfasst 24 Rennen und lässt eine komfortable Woche Pause für die 95. Auflage des französischen Klassikers, der am 12. und 13. Juni stattfindet.

Zudem liegen die beiden Formel-1-Rennen vor und nach Le Mans in Monaco und Portugal, was die Reiselogistik zwischen den Events vergleichsweise leicht macht.

Doch auch ohne direkte Terminüberschneidung ist der Weg für Max Verstappen oder Lando Norris noch nicht frei. Es gibt weiterhin einige Hindernisse zu überwinden, um als erster aktiver Grand-Prix-Pilot seit Nico Hülkenberg 2015 in Le Mans zu starten.

Das Problem mit dem Vortest

Le Mans selbst kollidiert zwar nicht mit der F1, das gilt allerdings nicht für das restliche Programm. Der offizielle Vortest am 6. Juni fällt genau auf das Wochenende des Grand Prix von Monaco. (WEC-Kalender 2027)

Laut Reglement ist die Teilnahme am Vortest für Le-Mans-Neulinge jedoch Pflicht. Sie müssen mindestens zehn Runden - darunter fünf gezeitete Runden - auf dem Circuit de la Sarthe absolvieren, um die Starterlaubnis für das Rennen zu erhalten.

Dass dieser Test nun am selben Wochenende wie das Formel-1-Highlight im Fürstentum stattfindet, sorgt für Probleme. Im Gegensatz zur Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS), die dieses Jahr den Termin des zweiten Laufes verschob, um Verstappen die Teilnahme zu ermöglichen, werden der Automobile Club de l'Ouest (ACO) und die FIA ihren WEC-Kalender kaum für einen einzelnen F1-Fahrer anpassen.

Eine solche Änderung hätte zudem Auswirkungen auf andere hauptberufliche Sportwagenfahrer, die in mehreren Serien starten. So findet am Wochenende zuvor das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring statt.

Rein theoretisch wäre die Kombination aus Vortest und Monaco-Grand-Prix logistisch machbar. Ein Fahrer müsste am Samstagabend nach dem F1-Qualifying nach Le Mans reisen, dort am Sonntagmorgen schnell die zehn Pflichtrunden drehen und direkt vom benachbarten Flughafen wieder nach Nizza fliegen, um pünktlich zum Formel-1-Start um 15:00 Uhr wieder im Cockpit zu sitzen.

Das klingt extrem ambitioniert, wäre jedoch nichts Neues. 2024 und 2025 pendelten mehrere DTM-Piloten zwischen Le Mans und Zandvoort. In den USA ist es Gang und gäbe, dass manche Fahrer das Indy 500 (IndyCar) und das Coca-Cola 600 (NASCAR) am selben Tag bestreiten, so etwa Kyle Larson im Jahr 2025 für McLaren.

Der Monaco-Grand-Prix kollidiert mit dem Le-Mans-Testtag

Der Monaco-Grand-Prix kollidiert mit dem Le-Mans-Testtag

Foto: circuitpics.de

Dieses Beispiel zeigt, dass McLaren-Chef Zak Brown solchen Einsätzen offen gegenübersteht. Bei seinen eigenen Piloten Norris oder Oscar Piastri könnte er jedoch zurückhaltender sein. Bei Larson hatte Brown nichts zu verlieren, da er kein regulärer IndyCar-Pilot war. Hendrick war zudem abgesichert: Larson war vertraglich verpflichtet, das Indy 500 bei größeren Verzögerungen abzubrechen, da seine NASCAR-Pflichten Vorrang hatten.

Bei Norris oder Piastri wird Brown das Monaco-Ergebnis von McLaren kaum aufs Spiel setzen wollen - erst recht nicht mit dem zusätzlichen Sprintrennen am Samstagmorgen, das das Wochenende ohnehin schon vollpackt.

Es gibt jedoch eine Ausweichmöglichkeit: Nach den Ergänzungsbestimmungen von Le Mans können Fahrer mit Platin-Status, die in einer anderen internationalen Meisterschaft starten, beim ACO-Sportkomitee eine Befreiung vom Vortest beantragen. Wird diese erteilt, müssen die Pflichtrunden während der Trainingssitzungen am Mittwoch absolviert werden.

Für solche Ausnahmegenehmigungen gibt es Präzedenzfälle. 2021 durfte Robin Frijns trotz seines Rookie-Status wegen Überschneidungen mit der Formel E den Vortest auslassen. Auch Nolan Siegel und Kyffin Simpson fehlten 2024 beim Test, da sie zeitgleich in der IndyCar-Serie auf der Road America fuhren.

Die Frage nach dem dritten Auto

Damit Verstappen, Norris oder auch Fernando Alonso in Le Mans fahren können, müssen die Teams Cockpits schaffen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.

Der erste Weg ist der Einsatz eines dritten Fahrzeugs speziell für Le Mans, damit die Teams ihre zwei Stamm-Autos nicht umbesetzen müssen. Diesen Ansatz wählte Porsche 2015 bei den Gesamtsiegern Hülkenberg, Earl Bamber und Nick Tandy.

Das war jedoch mitten in der LMP1-Ära, als die Hersteller dreistellige Millionenbeträge in ihre WEC-Programme pumpten. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert: Viele Hypercar-Teams sehen im Einsatz eines Zusatzautos inzwischen mehr Aufwand als Nutzen.

Früher erfolgte der Einsatz eines dritten Autos oft als Absicherung, sollten die beiden Primär-Autos in Schwierigkeiten geraten. Da die Hypercars aber anders als die LMP1-Boliden der Vergangenheit nicht mehr ans technische Limit gehen, ist die Zuverlässigkeit mittlerweile viel höher.

Besonders schwierig wäre ein drittes Auto für McLaren oder Ford, weil sie im nächsten Jahr erst komplett neu in die Hypercar-Kategorie einsteigen. Beide Hersteller haben Pläne für einen parallelen Einsatz in der IMSA-Serie vorerst auf Eis gelegt. Neben anderen Gründen verdeutlicht dies die begrenzten Kapazitäten beim Betrieb von Doppelprogrammen.

Während McLaren sein Hypercar-Team zusammen mit United Autosports einsetzt, baut Ford für den Betrieb seiner Autos eine komplett neue Struktur auf. Ein dritter Ford-LMDh für 2027 gilt daher als äußerst unwahrscheinlich.

Lando Norris

Lando Norris im McLaren MCL-HY in Portimao

Foto: McLaren

Auch bei McLaren gibt es bislang keine Anzeichen für ein drittes Auto in Le Mans. Zusätzliche Fahrzeuge benötigen außerdem die Genehmigung von FIA und ACO und unterliegen den Kapazitäten des Starterfeldes.

Die andere Möglichkeit wäre, einen WEC-Stammfahrer auf die Ersatzbank zu setzen. Ford hat seine sechs Stammfahrer bereits fixiert - Platz für Verstappen bleibt in den zwei Autos somit nicht. Es ist unwahrscheinlich, einen der verpflichteten Fahrer in einem so jungen Programm zurückzustellen.

Möglicherweise ergibt sich für Norris oder Piastri aber eine Lücke in einem der beiden regulären McLaren-Autos. Im Zuge des Testprogramms verdichten sich die Anzeichen, dass McLaren bei den normalen 6-Stunden-Rennen auf nur zwei Fahrer pro Auto setzen könnte.

Zusätzliche Fahrer würden dann nur für Le Mans sowie die längeren Rennen in Katar und Bahrain nominiert. Sowohl Aston Martin als auch Porsche nutzten diesen Ansatz in der Hypercar-Klasse bereits aus strategischen Gründen.

Hier liegt die wohl realistischste Chance für einen McLaren-F1-Fahrer. Bislang hat das Hypercar-Team nur zwei Piloten offiziell bestätigt: Mikkel Jensen und Laurens Vanthoor, die am Montag gemeinsam mit Norris beim Test in Portimao im Einsatz waren. Gerüchten zufolge gelten Alex Lynn und Malthe Jakobsen als Favoriten auf weitere Plätze im Kader.

McLaren könnte diese vier Piloten fest für die Saison verpflichten und Norris und gegebenenfalls Piastri für eines oder mehrere der Langstreckenrennen dazuholen.

Vorbereitung auf Le Mans

Selbst wenn die logistischen und vertraglichen Hürden überwindbar sein sollten, benötigen die Formel-1-Piloten Streckenzeit zur Vorbereitung.

Norris machte am Montag einen ersten Schritt und absolvierte beim Test des McLaren-Hypercars in Portimao 38 Runden. Reine Testfahrten ersetzen jedoch keine Rennerfahrung mit den speziellen WEC-Prozeduren wie Full-Course-Yellow, Slow Zones und vor allem Überrundungsverkehr mit LMGT3- und LMP2-Fahrzeugen. Ein Vorbereitungseinsatz vor Le Mans wäre für einen Debütanten extrem wertvoll.

Weder der Saisonauftakt (1812 km von Katar, sofern durchführbar) noch die 6 Stunden von Spa kollidieren mit der Formel 1. Beide Läufe böten sich an: Katar als zweitlängstes Rennen der Saison und Spa als traditionelle Generalprobe für Le Mans. Allerdings bleibt die Belastung ein Faktor: Zwei WEC-Rennen und ein möglicher Testtag würden den ohnehin vollen F1-Kalender weiter verdichten.

Alternativen: Spa und Nürburgring

Für einen Fahrer wie Verstappen, der seinen Horizont abseits der Formel 1 erweitern möchte, ohne sein Hauptengagement zu vernachlässigen, bietet der Kalender 2027 einfachere Alternativen zu Le Mans.

Weder die 24 Stunden vom Nürburgring noch die 24 Stunden von Spa überschneiden sich 2027 mit der Formel 1. Verstappen gab dieses Jahr sein Debüt auf der Nordschleife und wird nach dem unverschuldeten Ausfall in der Schlussphase auf eine Revanche brennen.

Auch aus seinem Wunsch nach einem Start bei den 24 Stunden von Spa macht Verstappen keinen Hehl. Dort ist er bereits seit Jahren mit seinem eigenen Team vertreten. Erst im Juni erklärte er am Rande des Grand Prix von Österreich: "Ich würde zu gerne auch in Spa fahren. Ich habe ihnen für nächstes Jahr schon gesagt, dass es ideal wäre, wenn das Rennen außerhalb eines Formel-1-Wochenendes liegt. Mal sehen."

Ein technisches Problem hat Max Verstappen den möglichen Sieg gekostet

Max Verstappen hat auf dem Nürburgring noch eine Rechnung offen

Foto: Gruppe C Photography

Ein Le-Mans-Start 2027 für Norris oder Verstappen ist somit keineswegs ausgeschlossen, erfordert von den Fahrern und Teams jedoch vollen Einsatz. Ein Debüt 2028 wäre womöglich unkomplizierter, da McLaren und Ford dann auf ein Jahr Erfahrung zurückgreifen können.

Da Terminüberschneidungen mit der F1 jedoch jederzeit wieder drohen, werden die Piloten die Gelegenheit des Kalenders 2027 kaum ungenutzt verstreichen lassen wollen.

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