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Ferrari denkt langfristig: So sieht Maranello die WEC-Zukunft

Während Porsche aussteigt, blickt Ferrari entschlossen nach vorn und will bis mindestens 2029 bleiben - Er stellt dafür aber eine Bedingung

Ferrari bekennt sich langfristig zur WEC - unter einer Bedingung

Ferrari würde bis mindestens 2029 in der WEC bleiben, wenn das Reglement stabil bleibt

Foto: Alexander Trienitz

Ferrari bekennt sich langfristig zur FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) - allerdings nur, wenn die derzeitigen technischen Regeln unverändert bleiben. Das hat Antonello Coletta, Leiter der Ferrari-Endurance-Abteilung, am Rande des Ferrari Weltfinals in Mugello betont.

"Wenn das Reglement unverändert bleibt, wird Ferrari bis 2029 in der WEC sein", sagt der Italiener im Gespräch mit Motorsport.com Italien, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.

Nach dem angekündigten Ausstieg von Porsche nach der Saison 2025 sendet Maranello damit ein klares Signal in Richtung Stabilität für die WEC, schließlich ist man neben Porsche der wertvollste Markenname im Portfolio des ACO.

Für Ferrari ist die WEC - und vor allem die Hypercar-Klasse - weiterhin ein zentrales Projekt. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Hersteller langfristige Planungssicherheit haben.

Insbesondere die deutschen Hersteller hatten sich in jüngerer Vergangenheit stark für eine Vereinheitlichung der Hypercar-Regeln stark gemacht, weil die Unterschiede zwischen LMH- und LMDh-Boliden schwerer überbrückbar sind als gedacht. Ferrari gehört zu den Herstellern, die an den jetzigen Regeln festhalten wollen.

"Ich glaube, dass die Regeln bis Ende 2029 unverändert bleiben - schon allein aus Respekt vor den Herstellern, die bis 2027 neu hinzukommen", so Coletta über Genesis, McLaren und Ford. "Sie müssen mindestens drei Saisons garantiert bekommen. Wenn das so kommt, sehe ich keinen Grund, warum wir nicht weitermachen sollten."

Fokus auf Bahrain: Herstellertitel hat Priorität

Aktuell richtet sich der Blick in Maranello auf das Saisonfinale in Bahrain. Ferrari hat nach vier Siegen in den ersten vier Rennen und dem dritten Triumph in Folge in Le Mans die Chance, die Herstellerwertung zu gewinnen. "Unser Ziel ist es, zunächst den Herstellertitel zu holen - danach denken wir an die Fahrerwertung", sagt Coletta.

Die beiden 499P mit den Crews Pier Guidi/Calado/Giovinazzi sowie Ye/Kubica/Hanson kämpfen beim 8-Stunden-Rennen von Sachir noch um den WM-Titel, allerdings hat der Porsche #6 noch Außenseiterchancen. Zum Herstellertitel fehlen Ferrari lediglich 18 Punkte mit den zwei Werksautos.

"Jeder wird sein eigenes Rennen fahren, aber das Teamziel steht an erster Stelle", betont Coletta. Der Ferrari #83 hat allerdings keinen Einfluss auf die Herstellerwertung, da er als Privatfahrzeug keine Punkte bekommt und den Werksteams auch keine Punkte wegnimmt.

LMH bleibt Ferraris Philosophie

Coletta verteidigt zugleich den Weg, den Ferrari mit dem eigenentwickelten LMH-Prototypen eingeschlagen hat - auch im Hinblick auf die Entscheidung vieler neuer Hersteller, auf die günstigere LMDh-Plattform zu setzen. Die drei Le-Mans-Siege geben Ferrari dabei Recht.

"Wir wollten, dass der Ferrari vollständig von uns konzipiert, gebaut und entwickelt wird. Das LMDh-Konzept ist gewissermaßen eine Abkürzung - Motor, Hybrid, Getriebe und Chassis kommen von externen Zulieferern", erklärt der Italiener.

"Für Ferrari wäre das keine Option. Es ist schwieriger, komplizierter und teurer, aber wenn man gewinnt, ist die Zufriedenheit größer, weil man weiß, dass das Auto wirklich von einem selbst entwickelt wurde."

Antonello Coletta

Antonello Coletta würde die BoP am liebsten abschaffen

Foto: Francesco Corghi

Der 499P sei auch deshalb ein wichtiger Technologieträger für Straßenfahrzeuge. "Wir haben einen Sechszylindermotor mit derselben Architektur wie beim Serienmodell und viele Technologien, die von der Rennstrecke auf die Straße übertragen werden", so Coletta. "Diese Verbindung ist Teil unserer DNA. So war es schon in den 1950er- und 1960er-Jahren."

Kritik an Testverbot und Balance of Performance

Vor dem Hintergrund des angekündigten Porsche-Rückzugs kommt Colettas Aussage zur richtigen Zeit. Während viele Hersteller ihre Programme überdenken, setzt Ferrari auf Kontinuität - allerdings nur unter verlässlichen Rahmenbedingungen.

"Wir haben in den letzten Tagen gesehen, dass Strategien sich ändern können", sagt Coletta mit Blick auf die Konkurrenz. "Umso wichtiger ist es, Stabilität und Glaubwürdigkeit zu wahren, wenn man ein solches Programm auf den Weg bringt."

Für Ferrari bedeutet das: Solange das Regelwerk Bestand hat, bleibt der 499P das Aushängeschild der Marke auf der Langstrecke. Doch sollte die FIA die technischen Grundlagen vorzeitig ändern, wäre auch in Maranello ein Umdenken nicht ausgeschlossen.

Skeptisch sieht er die aktuelle Entwicklung im Motorsport auch an anderer Front: "Der Sport wird immer mehr wie die Formel 1 - man darf kaum noch testen. Es ist surreal, dass Motorsport die einzige Sportart ist, in der man nicht trainieren darf", kritisiert er.

Auch bei der Balance of Performance (BoP) würde Ferrari gern andere Wege gehen. "Wir waren die Einzigen, die bereit waren, sie abzuschaffen. Aber alle anderen haben sich dagegen ausgesprochen", sagt Coletta. "Wir sind dennoch überzeugt, dass wir mit der LMH-Plattform die richtige Entscheidung getroffen haben."

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