Ferrari "sehr zufrieden": Endlich passt die Pace auch nach Le Mans
Durch die BoP-Einstufung wurde es verschleiert, aber Ferrari hat mit dem 499P auch auf den bisherigen Angststrecken besser performt, was AF Corse sehr zufriedenstellt
Die Resultate zeigen es zwar nicht, aber Ferrari hat sich auf seinen schwachen Strecken deutlich gesteigert
Foto: FIA FIA
Die WEC-Saison 2025 wird für die Ferrari-Dominanz in den ersten vier Rennen in Erinnerung bleiben. Danach schien es, als wären sowohl das AF-Corse-Werksteam als auch der private Ableger wieder in ihr altes Schema zurückgefallen: In den Rennen nach Le Mans gelang Ferrari kein einziger Sieg mehr. Ein Echo aus 2023 und 2024, damals nur unterbrochen vom Austin-Sieg des privaten 499P im Jahr 2024.
Der saisonale Einbruch nährte in der Vergangenheit Mythen. Hielt Ferrari bewusst Performance zurück, um im Folgejahr in Le Mans wieder eine bessere Einstufung zu erhalten? Die anschließenden Gesamtsiege bei den 24 Stunden 2024 und 2025 stärkten diese Narrative, die Konkurrenten immer wieder in den Raum warfen.
In diesem Jahr gibt es für die schwächeren Resultate in der zweiten Saisonhälfte jedoch eine greifbarere Begründung: Der Ferrari 499P erhielt in der Balance of Performance nach Le Mans im wichtigen Bereich bis 250 km/h die schlechteste Einstufung, die jemals ein Hypercar in der WEC bekommen hat - ex aequo mit Toyotas Einstufung in Spa-Francorchamps. Das änderte sich erst beim Finale in Bahrain.
Von Motorsport-Total.com auf die Performance nach Le Mans angesprochen, antwortet Ferrari-Sportwagenchef Antonello Coletta: "Es stimmt. Die Strecken nach Le Mans sind wahrscheinlich nicht unbedingt jene, die unserem Auto am meisten liegen."
"Aber wenn man unsere Leistung vergleicht und jegliche Offsets durch das Performance-Management [also der BoP] herausrechnet, dann haben wir eine Menge Performance gewonnen. Und darauf sind wir extrem stolz."
Insbesondere Sao Paulo und Fuji waren in der Vergangenheit Problemstrecken für den Ferrari 499P. In Brasilien debütierte 2024 das bislang letzte Update am Ferrari 499P. Der Fuji Speedway ist bislang immer die schwächste Strecke von Ferrari gewesen.
Vom Ergebnis her änderte sich das auch 2025 nicht, doch versteckte Zahlen unterstreichen eine deutlich bessere Konkurrenzfähigkeit: Auf dem Fuji Speedway gelang dem Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi) die viertbeste Zeit aller Hypercars im Rennen. Und das mit der äußerst ungünstigen Einstufung, die der 499P wie schon in Sao Paulo und Austin hatte.
Philosophie-Wechsel brachte die Wende
Coletta sieht einen enormen versteckten Fortschritt: "Der Performance-Gewinn in Fuji war riesig. Das gab uns die Möglichkeit, mit der Strategie zu spielen. Wir lagen bis zum letzten Safety-Car in den Top 5. Wir sind wirklich zufrieden damit, was wir auf diesen Strecken zeigen konnten."
Eigentlich sei es nicht der Plan gewesen, auf manchen Strecken schlecht auszusehen, wie er weiter ausführt: "Wir wollten von Beginn an ein Auto haben, das auf allen Strecken funktioniert. Aber dann hat sich gezeigt, dass wir unsere Ziele zuerst auf Hocheffizienz-Strecken wie Le Mans, Monza oder Spa-Francorchamps erreicht haben. Daher haben wir uns verstärkt darauf konzentriert, wie man das Auto für solche Strecken abstimmt."
Dann aber habe sich gezeigt, dass ein Wechsel der Philosophie nötig war: "2023 und 2024 haben wir viele Daten gesammelt und irgendwann auch verstanden, dass unser Auto ein wenig verändert werden musste. Beziehungsweise, dass wir uns von der speziellen Abstimmung, die wir in Le Mans verwendet haben, entfernen mussten, um auf anderen Strecken konkurrenzfähig zu sein."
"Deshalb haben wir im vergangenen Jahr viel Zeit darauf verwendet, alle Strecken in Segmente aufzuteilen und zu verstehen, wie wir das Auto in den Bereichen, in denen unsere Leistung nicht gut war, optimal einstellen können. Wir sind dabei sehr detailliert vorgegangen. Ich denke, die Stärke, die wir dieses Jahr hatten, ist wahrscheinlich auf das Verständnis für das Auto zurückzuführen."
Das erklärt auch Ferraris riesige Steigerung zu Beginn der Saison 2025. Der Durchmarsch zu Beginn der Saison hat die Gegner wie auch die Technik-Kommission kalt erwischt, denn die Anfangs-BoP in Katar wurde dem Performance-Zuwachs nicht gerecht. Schließlich brauchte es die komplette erste Saisonhälfte, um den 499P in der Einstufung wieder einzufangen.
Für die Saison 2026 ist Ferrari nun besser vorbereitet denn je und verzichtet sogar auf Evo-Joker. Nur wird es ein Problem geben: Sollte Ferrari ähnlich dominant auftreten wie in diesem Jahr, könnte es für die WEC eng werden und Porsche mit seinem Ausstieg schnell Nachahmer finden. Eigentlich darf Ferrari also nicht weiter gewinnen, aber das werden sich die Italiener kaum verbieten lassen.
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