Genesis GMR-001: Beim Debüt stärker als erwartet
Der Genesis GMR-001 lief bei den 6 Stunden von Imola vorzüglich - Andre Lotterer und Dani Juncadella blicken hoffnungsvoll in die Zukunft
Der Genesis GMR-001 kam beim Debüt gut aus den Puschen
Foto: Speedpictures Speedpictures
In der Welt der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) ist der Einstand eines neuen Hypercars meist von technischem Drama und schmerzhaften Lernkurven geprägt. Doch Genesis erlebte bei den 6 Stunden von Imola einen eindrucksvollen Kaltstart.
Mit guter Zuverlässigkeit und einem beachtlichen 14. Platz für die Startnummer 17 hat der koreanische Hersteller ein erstes Ausrufezeichen hinter sein ehrgeiziges 500-Tage-Projekt gesetzt. Das ist der Zeitraum von der Verkündung des Projekts bis zum ersten Rennen.
Dass Andre Lotterer, Pipo Derani und Mathys Jaubert die Zielflagge überhaupt in Sichtweite der Top 10 sehen würden, war im Vorfeld kaum zu erwarten. "Beim Briefing haben wir noch gedacht, wir werden zweimal überrundet", gibt ein sichtlich zufriedener Andre Lotterer gegenüber Motorsport-Total.com zu Protokoll.
Doch statt im Verkehr unterzugehen, biss sich die Startnummer 17 fest - zeitweise sogar im direkten Duell mit einem Ferrari. Natürlich half die Safety-Car-Phase dabei, insgesamt war die Performance jedoch besser als erwartet.
Taktik-Zock als Stolperstein
Dabei gilt es auch zu bedenken, dass das Team einen unerwarteten dritten Stint auf einem Reifensatz fuhr, in der Hoffnung, dass der Regen stärker werden würde. Dieser blieb zwar aus, trotzdem ist das Ergebnis gerade in Anbetracht dieses kleinen Strategiefehlers umso eindrucksvoller.
Dabei kämpfte das Team gegen unsichtbare Hürden. Als Neueinsteiger muss man traditionell mit einer konservativen "Sicherheits-BoP" leben, die sich am stärksten Auto im Feld orientiert. Da die WEC die detaillierten Einstufungs-Daten mittlerweile unter Verschluss hält, bleibt vieles Spekulation - doch die Performance des GMR-001 mit jener Einstufung lässt darauf schließen, dass das Paket schon jetzt eine solide Basis bietet.
"Rallye-DNA" in der Hypercar-Welt
Hinter dem Erfolg steht eine logistische Herkulesaufgabe. In nur 500 Tagen wurde eine komplette Motorsportabteilung aus dem Boden gestampft. "Wir hatten zu Beginn nicht mal eine Werkstatt", so Lotterer. Mit der Improvisationskunst des Hyundai-Rallye-Teams wurde gleichzeitig Personal rekrutiert, das Auto entwickelt und die Infrastruktur aufgebaut.
Während die Nummer 17 wie ein Uhrwerk lief, musste das Schwesterauto #19 (Jaminet/Chatin/Juncadella) Lehrgeld zahlen. Ein defekter Sensor sorgte früh für Fehlzündungen und einen außerplanmäßigen Stopp. Nach der Reparatur lieferte der Wagen jedoch eine fehlerfreie Aufholjagd ab.
Dani Juncadella zog dennoch ein positives Fazit: "Die Zuverlässigkeit war grundsätzlich da. In den schnellen Kurven sind wir extrem stark - ich hatte den Aston Martin hinter mir und er kam einfach nicht vorbei."
Nach dem verpassten Auftakt in Katar war Imola der Tag der Wahrheit. Große mechanische Sprünge sind aufgrund der strengen Joker-Regelungen vorerst nicht zu erwarten. Der Fokus liegt nun ganz klar auf den digitalen Stellschrauben. Die Software ist das große Schlachtwelt der WEC-Welt. "Das ist unser Lehrjahr", betont Lotterer. "Hardware-Updates gibt es erst mal keine, wir müssen die Basis verstehen."
Der Sprung nach vorne soll vor allem durch die Optimierung der Software gelingen. Mit Platz 14 als Fundament und einer bald wahrscheinlich günstigeren Einstufung mit den Koreanern in ein paar Rennen zu rechnen. Der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft in der Hypercar-Klasse ist gelegt.
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