Genesis GMR-001: So geht der neue LMDh ins Rennen
Der Hyundai-Ableger Genesis zeigt sein Hypercar für die WEC-Saison 2026 - Der LMDh-Bolide hat ein massives Testprogramm in nur einem halben Jahr hinter sich
So sieht die endgültige Version des Genesis GMR-001 aus
Foto: Genesis Genesis
In schlichtem Schwarz-Grau mit orangefarbenen Absetzungen wird der Genesis GMR-001 in seine erste Saison in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2026 und damit auch zu den 24 Stunden von Le Mans gehen.
Der GMR-001 hatte sich zuvor bereits mehrfach im komplett schwarzen Kleid gezeigt, auf der nun gezeigten Version kommen neben den Pflicht-Stickern der WEC Logos von Schmierstoffpartner Shell und weiteren Partnern sowie orangefarbene Eigenwerbung für Genesis Magma Racing hinzu.
Einem Farbgebungs-Konflikt mit McLaren, die 2027 in die WEC einsteigen werden, geht Genesis durch den etwas helleren Schwarzton aus dem Weg. Schließlich setzt McLaren ebenfalls auf die Grundfarben Orange und Schwarz. Beim koreanischen Konzern bleibt das Magma aber eher im Hintergrund, es ist hier überwiegend schon zur schwarzen Gesteinsmasse erstarrt.

Der Genesis GMR-001 #19 mit einem schwärzeren Design
Foto: Genesis Magma Racing
Update 2. April: Genesis hat mittlerweile eine leicht andere Lackierung für das zweite Auto präsentiert, das komplett schwarz ist. "Als wir uns verschiedene Möglichkeiten für unser endgültiges Design angeschaut haben, sind wir bei zwei möglichen Kandidaten gelandet", sagt Luc Donckerwolke, Chief Creative Officer und Präsident der Hyundai-Gruppe. Auch eine Online-Umfrage unter Fans ergab ein enges Resultat. So entschloss sich Genesis, beide Designs zu verwenden.
Sieben Testfahrten zur Vorbereitung
Hinter dem Rollout und der Präsentation liegt ein intensives Entwicklungsprogramm. Seit dem ersten Rollout auf dem Circuit Paul Ricard Ende August 2025 hat der Bolide eine steile Lernkurve hinter sich. Für Andre Lotterer, der bereits seit Ende 2024 in das Projekt involviert ist, war der Aufbau des Teams eine besondere Erfahrung.
"Wir sind fast von null gestartet", erklärt Lotterer gegenüber Motorsport-Total.com. "Es ist cool, dass ich da ein bisschen mehr involviert sein kann, als nur eine Nummer in einem etablierten Team zu sein, und meine Erfahrungen einbringen konnte." (Andre Lotterer über die Aufbauarbeit des Teams)
Das Team wuchs parallel zur technischen Entwicklung. "Im August sind wir die ersten Runden gefahren. Das Team war noch relativ klein, aber wir hatten die Unterstützung von Oreca, um keine Zeit zu verlieren."
Während der 3,2-Liter-V8-Turbomotor und die Software Eigenentwicklungen sind, vertraut Genesis beim Chassis auf Oreca. Damit ist der Genesis GMR-001 nach Acura ARX-06 und Alpine A424 der dritte LMDh-Bolide, der auf einem Oreca-Chassis aufbaut. Der Ford-LMDh kommt ab 2027 noch hinzu.
Dani Juncadella erklärt im Gespräch mit Motorsport-Total.com: "Oreca hat eine lange Geschichte darin, sehr gute Chassis zu bauen. Deshalb war für mich relativ schnell klar, dass wir eine sehr gute Basis haben. Aerodynamik, Chassis und mechanischer Grip waren von Anfang an sehr stark."
Der Härtetest: 30 Stunden in Portimao
Nach den ersten "Baby-Steps" in Le Castellet folgte im September der erste echte Härtetest in Portimao. Auf dem Algarve Circuit absolvierte das Team ein 30-stündiges Dauerprogramm. Wie schon bei den meisten bisherigen LMDh-Fahrzeugen zeigte der Bolide von Anfang an eine erstaunliche Zuverlässigkeit.
Juncadella, der in Portugal erstmals im Auto saß, zeigt sich beeindruckt: "Wir konnten beim ersten großen Test sehr lange am Stück fahren. Es gab ein paar kleine Probleme, aber nichts Größeres. Ein Sensor sitzt vielleicht etwas zu nah am Motor, wird zu heiß und fällt aus - solche Dinge eben. Aber es gab nie etwas, bei dem man gesagt hätte: Das müssen wir komplett neu konstruieren."
Lotterer ergänzt, dass der Fokus vor allem auf der Fahrbarkeit und der komplexen Software lag: "Software ist immer ein Thema in dieser Meisterschaft. Mit den Drehmomentsensoren an den Antriebswellen muss man gut umgehen können, um bestmöglich an die vorgeschriebene Leistung von 520 kW zu kommen."
Das Testprogramm führte das Team über Magny-Cours, wo Genesis wertvolle Erfahrungen im Regen sammelte, bis nach Aragon und schließlich im Januar nach Katar. Ein letzter Vorbereitungstest in Imola wurde dann im März absolviert. Mit jedem Test wuchs auch die Personalgröße des Teams weiter.
"In Magny-Cours war der Regen ein Geschenk des Himmels", so Lotterer. "Man muss sich manchmal dreckig und nass machen, um die Reifen und die Traktionskontrolle wirklich zu verstehen."
In Katar stand laut Juncadella vor allem das Aufwärmen der Reifen im Fokus, das mit dem neuen Michelin-Reifen nochmal deutlich anders sein wird: "Katar war die erste Strecke im Programm, bei der man sagen konnte: Hier werden wir nächstes Jahr ein Rennen fahren. Mit dem Hypercar ist es dort wegen der schnellen Kurven und des Abtriebs etwas ganz anderes als mit einem GT-Auto."
Genesis GMR-001 vs. Porsche 963: Ganz andere Philosophie
Lotterer zieht einen interessanten Vergleich zu seinem vorherigen Arbeitsgerät: "Das Auto macht Spaß zu fahren. Es ist im Vergleich zum Porsche ganz anders - präziser, linearer und gibt ein bisschen mehr Selbstvertrauen. Es ist ein bisschen purer zu fahren."
Mathieu Jaminet, ein weiterer Ex-Porsche-Fahrer, stimmt zu: "Der GMR-001 ist sehr anders als der Porsche, den ich zuvor gefahren bin. Es ist überraschend, dass sich zwei verschiedene Autos bei solch einem engen Reglement so unterschiedlich anfühlen können."
"Der GMR-001 hat auf jeden Fall jetzt schon gewisse Stärken, wo wir noch in einer frühen Phase des ganzen Projekts sind. Bei den schwächeren Punkten möchte ich den Ingenieuren meine Erfahrung zukommen lassen, die ich mit dem früheren Fahrzeug entwickelt habe. Dann sollten wir ein siegfähiges Auto auf die Beine stellen."
Bescheidenheit vor dem Debüt
Trotz der intensiven Vorbereitung bleibt das Team realistisch. Pipo Derani vergleicht die bisherige Arbeit mit der Besteigung des Mount Everest, betont aber, dass nun der Feinschliff bei den Boxenstopps und Abläufen folgen muss. Paul-Loup Chatin warnt vor zu hohen Erwartungen: "Es wäre nicht realistisch zu sagen, wir kommen hierher und sind sofort schnell und zuverlässig."
Sportdirektor Gabriele Tarquini betont den Faktor Mensch: "Endurance-Racing dreht sich um Vertrauen und Kommunikation. Wir haben Fahrer mit extrem viel Hypercar-Erfahrung und andere, die mit dem Enthusiasmus von Rookies helfen, die Schwierigkeiten der ersten Saison zu meistern. Sie bringen unterschiedliche Stärken ein."
Was wäre also ein realistisches Ziel? Lotterer: "Wir müssen bescheiden bleiben. Eine tolle Saison wäre, wenn wir beim ersten Rennen ohne große Probleme ins Ziel kommen. Schön wäre es, zweimal auf dem Podium zu sein. Wir wollen vorne mitmischen, aber wir wissen noch nicht genau, wo wir stehen, da wir die Strecke noch nicht mit anderen Teams geteilt haben."
Der Moment der Wahrheit steht dann beim verspäteten Saisonauftakt in Imola auf dem Programm. Bis dahin wird das Team im heimischen Simulator intensive Vorbereitungsarbeit leisten. Aber egal, wie gut die Vorbereitung war, ein gewisses Maß an Nervosität ist immer dabei. Am 18. April kommen die Karten im Autodromo Enzo e Dino Ferrari endgültig auf den Tisch.
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