Gerard Neveu: Wie man in der WEC Hersteller und Fans glücklich macht

Gerard Neveu, der Chef der FIA-Langstreckenmeisterschaft WEC weiß, wie man die richtige Balance findet zwischen dem, was die Hersteller wollen und dem, was die Fans sehen wollen.

Während der Formel 1 die Fans davonlaufen, wird die WEC immer populärer. Gerard Neveu, der Geschäftsführer der Langstreckenweltmeisterschaft hält aber nichts von Vergleichen der beiden Serien.

„Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe“, sagte er gegenüber Motorsport.com.

„In der WEC hatten wir immer engen Kontakt mit der Herstellern, denn es gibt da den ACO [Automobile Club de l'Ouest] und Le Mans. Das ist alles in der DNS der Serie.“

In der WEC sei das Ziel seit dem Start der Serie gewesen, eine Plattform für Hersteller zu sein, auf der sie „forschen und entwickeln und ein Auto für die Zukunft zeigen und vorbereiten und gleichzeitig demonstrieren können, dass es eine direkte Verbindung zu dem fraglichen Straßenwagen gibt.“

Am Anfang sei das zwar nicht ganz einfach gewesen, gestand Neveu, mittlerweile sei es aber kein Problem mehr. „Wir hatten die perfekten Beispiele mit Audi und der Diesel-Technologie. Es ist auch sehr interessant zu sehen, dass wir jetzt mit der Hybrid-Technologie mit berühmten Marken wie Porsche, Toyota und Audi genau das Gleiche machen.“

Die Meisterschaft sei eine Kombination aus einem Entwicklungslabor und einer Werbeplattform, da alle Hersteller unterschiedliche Ziele verfolgten, erklärte Neveu. Deshalb würden auch alle bei der Entwicklung neuer Regeln eng zusammenarbeiten.

„In erster Linie machen wir aber alle Motorsport. Das heißt, die Leistung muss eine Herausforderung bleiben, außerdem muss es am Ende auch eine menschliche Leistung sein, mit Fahrern, Mechanikern und allen Menschen.“

Der Franzose sprach auch einen Punkt an, an dem in der Formel 1 nach Meinung vieler Beobachter und Fans der Hase im Pfeffer liegt.

„Um die Meisterschaft stabil zu halten, müssen wir die Balance halten zwischen den Herstellern, die die Mittel haben, ein gewisses Budget auszugeben und privaten Teams, die die Möglichkeiten haben, sich den Traum mit einem eingeschränkten Budget zu verwirklichen. Wir müssen garantieren können, dass immer genügend Leute am Tisch sitzen, dass die Familie komplett ist.“

„Wenn man sein ganzes Geld auf ein Pferd setzt, wenn man alles nur mit den Herstellern gemeinsam macht, weiß man nie, was passieren kann. Wenn wir im Motorsport aber die Idee von Forschung und Entwicklung vergessen, wo bleiben dann die neuen Technologien? In meinen Augen verlieren wir dann die Zukunft auf der Stelle.“

Fans an erster Stelle

Diese Balance zwischen den Interessen der Hersteller und denen der Fans zu wahren, sei ein andauernder Prozess und erfordere ein vorsichtiges Management, erklärte Neveu.

„Um das in die Tat umzusetzen, gibt es Arbeitsgruppen – technische, sportliche, eine Marketing-Gruppe…“

Diese treffen sich vier oder fünf Mal im Jahr und „wenn sie dazu bereit sind, geben sie Vorschläge für neue Regeln oder Änderungen für die Zukunft ab, die die Endurance Commission dann diskutiert. Die Kommission besteht aus zwölf Mitgliedern der FIA und des ACO, aber auch aus Leuten außerhalb der Langstreckenwelt.“

Um die Meisterschaft auch weiter für die Hersteller interessant zu machen, sei ein Punkt lebenswichtig, betonte Neveu: die wachsende Fangemeinde.

„Ohne Teilnehmer gibt es keine Meisterschaft, eine Meisterschaft ohne Fans funktioniert aber auch nicht. Die Medien verlieren dann schnell das Interesse und dann ergibt es keinen Sinn, so weiterzumachen. Für uns ist es sinnvoll, mehr Fans durch die Verbindung zum jeweiligen Straßenwagen anzuziehen.“

Man dürfe im Motorsport aber nie etwas als gegeben betrachten, weiß Neveu. Der Sport müsse flexibel genug sein, auch etwas am Format des Rennwochenendes und an den Regeln zu ändern, um auf Dauer neue Fans anzuziehen.

„Das Hauptanliegen der WEC ist im Moment, wie wir die sportliche Seite verbessern können, denn sie ist das Herz des Programms. Gleichzeitig beginnt man aber auch, daran zu arbeiten, anderen Leuten Zugang zu verschaffen, an Attraktionen, Unterhaltung, Arten der Kommunikation. Wir wollen sicherstellen, dass alle, die uns besuchen – an der Strecke und auf der Website, der App, in den sozialen Medien – ihr Interesse an uns nicht verlieren.“

Das Gespräch führte Kate Walker

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