Kamui Kobayashi nach Toyotas Zitter-Sieg in Monza: "Wussten nicht, was los war"

Toyota gewinnt irgendwie trotz Defekt das WEC-Rennen in Monza - Der Rennverlauf wirft Fragen auf, obwohl man diese bei Tests in Portimao beantwortet geglaubt hatte

Kamui Kobayashi nach Toyotas Zitter-Sieg in Monza: "Wussten nicht, was los war"

Toyota und das Drama - eine Beziehung, die nun schon seit Jahren hält. Der Sieg beim WEC-Rennen in Monza ist da nur die jüngste Episode. Denn auch bei der 6-Stunden-Premiere im Königlichen Park war wieder Zittern angesagt.

Dabei sah es in den ersten beiden Renndritteln nach einem relativ ungefährdeten Sieg für die #7 (Conway/Kobayashi/Lopez) aus. Das sollte sich ziemlich genau zwei Stunden vor Schluss ändern: Kobayashi saß im Auto, als es plötzlich langsamer wurde.

Kamui Kobayashi: Das war am Toyota #7 los

"Während meines Stints ist das Auto aus irgendeinem Grund einfach abgestorben. Wir wussten nicht, was los war. Wir haben den kompletten Antriebsstrang verloren, ich hatte gar keine Anzeige mehr am Display und überhaupt keine Power mehr", berichtete der Japaner.

Das war jedoch nicht das einzige Problem zu diesem Zeitpunkt. Für einen kompletten Restart des Fahrzeugs musste Kobayashi erst einen relativ sicheren Ort auf der Old-School-Strecke in Monza finden. "Aber es gab keinen", hadert Kobayashi. "Das hat uns also nochmal ein wenig mehr Zeit gekostet."

 

Kobayashi hielt schließlich auf der Zufahrt zur Ascari-Schikane an und bekam durch die Instruktionen seiner Ingenieure den Toyota GR010 Hybrid wieder ans Laufen. Doch die Führung, die zu diesem Zeitpunkt rund 15 bis 20 Sekunden betrug, wandelte sich um in einen Rückstand von rund 40 Sekunden.

Monza-Defekt bei der #8 wird in Köln intensiv analysiert

Trotzdem reichte es zum Sieg, denn auch bei der Konkurrenz von Glickenhaus und Alpine lief es nicht optimal im Rennen. Mike Conway hält daher fest: "Das waren harte sechs Stunden, aber jetzt haben wir ein gutes Momentum für Le Mans auf unserer Seite. Wir haben in Sachen Zuverlässigkeit aber noch Arbeit vor uns. Wir müssen einfach hart weiter arbeiten bis Le Mans."

Zumal es das Schwesterauto #8 noch stärker erwischt hatte. Sie verloren durch technische Probleme alle Siegchancen. Eine erste Fehleranalyse während des Rennens ergab Probleme mit dem Benzindruck. Daher entschloss man sich bei Toyota, die Stintlängen der #8 freiwillig zu reduzieren. Genauere Untersuchungen folgen im Nachgang in der heimischen Fabrik in Köln.

 

Das alles, nachdem man im Toyota-Lager relativ zuversichtlich nach Monza gereist war. Diese Zuversicht hatte auch einen Grund: Im Anschluss an das 8h-Rennen in Portimao blieb man erst mal für ein paar Tage zum Testen an der Algarve. Dort haben Fahrer und Ingenieure das Hypercar noch einmal ein wenig besser kennen und nutzen gelernt.

Test in Portimao bringt neue Informationen

"Wir haben da an einigen Dingen gearbeitet. Wir haben ein paar Balance-Einstellungen ausprobiert, mit denen wir unser Rennwochenende verbessern können. Ich denke, im Großen und Ganzen sind wir schon nahe dran, das Beste aus dem Auto herauszuholen", meinte Brendon Hartley nach den Testfahrten in Portugal im Gespräch mit 'Sportscar365'.

Den Test sieht Hartley außerdem als gute Vorbereitung für Le Mans an. Ein Faktor ist hierfür, dass man in Portimao mit Wetterkapriolen zu kämpfen hatte. "Wenn man als Fahrer zu solch einem Zeitpunkt im Auto sitzt, erhält man so viele wertvolle Informationen darüber, wie lange man auf Slicks bleiben kann und was der Übergangspunkt [zu Regenreifen; Anm. d. Red.] ist."

"Und auch in die andere Richtung. Ich glaube, innerhalb von zwei Stunden habe ich beide Szenarien durchgespielt: auf Regenreifen zu wechseln und dann wieder auf Slicks. Das gibt wirklich wichtige Informationen für den Fahrer, diese Übergänge zu bekommen und das richtige Feedback im Rennen zu geben, wenn wir irgendwann diese Bedingungen haben werden", betont Hartley.

Bei den Defekten in Monza haben diese Erfahrungen der Toyota-Truppe jedoch nicht geholfen. Die gelernten Lektionen aus den vergangenen Wochen will man jedoch beim Saisonhöhepunkt, den 24h Le Mans, umsetzen. Der Langstrecken-Klassiker an der Sarthe geht in diesem Jahr am 21./22. August über die Bühne. Toyota geht als Top-Favorit ins Rennen. Daran ändern auch die Monza-Defekte nichts.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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