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Kein Evo-Joker: Ferrari 499P (2026) auf dem Stand von 2025? Von wegen!

Ferdinando Cannizzo, Ferraris Leiter für Endurance-Rennwagen, erklärte im Detail die Arbeit zur Anpassung des 499P an die Anforderungen von FIA und ACO

Kein Evo-Joker: Ferrari 499P (2026) auf dem Stand von 2025? Von wegen!

Der Ferrari 499P auf den Bildern ist noch das 2025er-Modell mit 2026er-Lackeriung

Foto: Ferrari Ferrari

Ferrari verzichtet bei der 2026er-Variante des 499P auf Evo-Joker. Dennoch hat das titelverteidigende Le-Mans-Hypercar eine Reihe kleinerer Modifikationen für die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2026 erhalten. Die Änderungen wurden noch nicht gezeigt, die Studioaufnahmen zeigen das 2025er-Modell in 2026er-Lackierung. Doch Ferrari gibt bereits Auskunft.

Für die Saison 2026 mussten alle nach LMH- und LMDh-Reglement gebauten Fahrzeuge einen neuen Homologationsprozess im innovativen Windshear-Windkanal in Concord, North Carolina, durchlaufen. Der Sauber-Windkanal, den die WEC bisher nutzte, ist aufgrund des Audi-Formel-1-Projekts nicht mehr verfügbar.

Während fast alle anderen Hersteller Modifikationen an der Aerodynamik vornahmen, und zum Teil das ganze Aero-Konzept umstellten, zog Ferrari keinen Evo-Joker. Stattdessen konzentrierte man sich in Maranello weiterhin darauf, das vorhandene Paket zu optimieren. Bedarf besteht ohnehin nicht, schließlich räumte der 499P im Jahr 2025 so ziemlich alles ab, was es abzuräumen gab.

Parallel dazu führte Ferrari jedoch eine akribische aerodynamische Verfeinerung durch. Nichts, was das ursprüngliche Konzept grundlegend verändern würde, sondern vielmehr Anpassungen, um sicherzustellen, dass das Auto der geforderten Homologation entspricht und gleichzeitig innerhalb des durch das Hypercar-Reglement definierten Leistungsfensters bleibt. All das ist ohne Joker-Einsatz möglich.

Ferdinando Cannizzo, Leiter Ferrari Endurance Race Cars, erklärt im Detail, wo der Bolide modifiziert wurde: "Bei der erneuten Homologation ging es im Kern um drei Punkte: Zuerst der Wechsel des Windkanals von Sauber zu Windshear - also der Umzug von der Schweiz in die USA."

"Damit einher ging [zweitens] ein völlig neues Verfahren zur Datenerfassung und -analyse, inklusive neuer Messpunkte im Kanal. Und schließlich mussten wir [drittens] das Leistungsfenster des Autos neu definieren." Weitreichende Änderungen also für eine Entwicklung ohne Joker-Einsatz.

Bis auf die Lackierung optisch fast gleich und doch anders: Der Ferrari 499P der Generation 2025

Der Ferrari 499P der Generation 2025

Foto: Ferrari

"Das bedeutete für uns, dass wir die gesamte Abstimmung auf diesen neuen Referenzpunkt ausrichten mussten. Wir haben uns dabei bewusst dagegen entschieden, Evo-Joker einzusetzen. Diese halten wir lieber für die Zukunft zurück und konzentrieren uns stattdessen auf die Optimierung von Details."

Die aerodynamischen Anpassungen im Detail

"An der Front haben wir die Aero-Elemente über dem Splitter überarbeitet und die Luftführung im oberen Bereich der Radkästen modifiziert. Im Grunde haben wir - auch auf Wunsch der Regelhüter - einige Aeroteile entfernt und sie durch glatte aerodynamische Flächen ersetzt. Ebenfalls vorne haben wir die Leitelemente am Unterboden und die Strömungsteiler angepasst, um die Balance des Autos feinjustieren."

"Am Heck gibt es eine kleine Änderung an den Auslässen der Kühler an den Seitenkasten. Viel entscheidender ist jedoch, dass wir die Motorabdeckung und das Profil der Abrisskante neugestaltet haben. Dazu kommen deutlich markantere Teile am Heckflügel und den Endplatten."

"Auch die Finnen hinter den Hinterrädern wurden überarbeitet, um den Luftstrom zu optimieren. Das sind minimale, aber höchst effektive Eingriffe, die uns das Reglement erlaubt, ohne die Grundform des Autos anzutasten. So konnten wir uns punktgenau im geforderten Leistungsfenster positionieren."

An der Stelle ist war es unvermeidlich, Cannizzo nach seiner Einschätzung zum Wettbewerb zu fragen, da viele Konkurrenten - BMW, Cadillac, Toyota und Alpine - mit stark aktualisierten Versionen ihrer jeweiligen Hypercars antreten werden.

"Die Konkurrenz hat durchweg einen Zahn zugelegt", antwortet Cannizzo. "Die Teams haben die Chance genutzt, ihre Pakete - die teils ohnehin schon stark waren - weiter zu optimieren. Ich habe zwar nichts gesehen, was mich völlig aus den Socken gehauen hätte, aber wir haben die Upgrades der anderen genau analysiert. Dabei haben wir interessante Ansätze gefunden, aber auch Bestätigungen für unseren eigenen Weg."

"Davon abgesehen erwarten wir für 2026 einen extrem harten Wettbewerb und ein sehr hohes Leistungsniveau. Das bedeutet, dass wir [2026] in jedem Bereich Leistung erbringen müssen, nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit allem drum herum, einschließlich aller Abläufe im Team. Das wird fundamental sein." Und letztlich bleibt die große Frage, ob man zum Wohle der Meisterschaft überhaupt gewinnen darf.

Die Zukunft der Evo-Joker

Wie bereits erwähnt, hat sich Ferrari gegen den Einsatz weiterer Evo-Joker entschieden. Die Frage ist natürlich: Wie lange noch? Bis 2027 könnte Ferrari theoretisch noch vier Evo-Joker einsetzen. "2024 haben wir unseren ersten Joker gesetzt, aber das Auto ansonsten weitgehend im Originalzustand belassen."

"Das lag schlicht daran, dass der 499P schon bei seinem Debüt in Sebring 2023 extrem konkurrenzfähig war. Die Poleposition damals war der beste Beweis für ein rundum gelungenes Grundkonzept."

"Vergangenes Jahr lief es besonders gut, weil wir die ersten vier Rennen - Katar, Imola, Spa und Le Mans - mit vier verschiedenen Set-up-Konfigurationen angegangen sind, um uns an die spezifischen Eigenschaften dieser Strecken anzupassen [und alle vier Rennen gewonnen haben]. Das demonstrierte ein tiefes Verständnis unseres Projekts."

Ferrari ist nach drei Le-Mans-Siegen bei Evo-Jokern nicht in der Bringschuld

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Foto: Rainier Ehrhardt

"Um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen: Wir glauben, dass wir auch in diesem Jahr noch kleine Reserven mobilisieren können. Aber natürlich gilt: In einer Meisterschaft mit homologierten Autos, an denen man nichts verändern darf, wird die Luft nach oben immer dünner. Der Moment, in dem wir wirklich tiefgreifende Änderungen vornehmen müssen, rückt also unweigerlich näher."

Weitere Konvergenz: Warum 2026 entscheidend für 2030 wird

Cannizzo spricht auch über das neue technische Reglement, das darauf abzielt, die LMH- und LMDh-Plattformen näher zusammenzubringen und schließlich eine gemeinsame Lösung zu finden, die alle Beteiligten zufriedenstellt. Nach drei Ferrari-Siegen bei den 24 Stunden von Le Mans ist die Stimmung angespannt. Porsche hat bereits Konsequenzen gezogen und der WEC den Rücken gekehrt.

"Was die nächste Generation des Reglements betrifft: Wir sind voll involviert. Bisher hatten wir nur vorläufige Diskussionen, in denen die Makroziele identifiziert wurden, aber ich würde sagen, dass dieses Jahr entscheidend ist, um einen ordentlichen Entwurf des Regelwerks zu definieren."

"Dies wird die Basis für die Zukunft der Hypercar-Klasse und der Prototypen ab 2030 bilden. Es ist daher eine sehr wichtige Arbeit, der sich Ferrari mit höchster Priorität und Aufmerksamkeit widmet."

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