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Nachteilige BoP? Ferrari lernt harte Hypercar-Seite von Le Mans kennen

Nach drei Le-Mans-Siegen in Folge kämpft Ferrari bei der diesjährigen Auflage des 24-Stunden-Rennens auf verlorenem Posten - Was das größte Problem der drei 499P war

Nachteilige BoP? Ferrari lernt harte Hypercar-Seite von Le Mans kennen

Für die drei Ferrari 499P war bei den 24h Le Mans 2026 nicht viel zu holen

Foto: Rainier Ehrhardt

Nach drei Gesamtsiegen in Folge bei den 24 Stunden von Le Mans in den Jahren 2023, 2024 und 2025 kämpfte Ferrari bei der diesjährigen Auflage des berühmtesten Langstreckenrennens der Welt mit dem Rücken zur Wand. Wieder waren in der Hypercar-Klasse drei Ferrari 499P am Start. Die aber hatten diesmal vom ersten Tag an nicht den Speed der schnellsten Autos.

Von außen betrachtet wirkte es so als würden die Ferrari aus den Kurven heraus eine schwere Last hinter sich herziehen. Der Topspeed auf den langen Geraden des Circuit de la Sarthe nicht war nicht das Problem, sehr wohl aber das Tempo in den langsamen Passagen der 13,626 Kilometer langen Strecke und hier insbesondere die Traktion aus den Kurven heraus.

Im Qualifying schafften es Alessandro Pier Guidi, James Calado, Antonio Giovinazzi im Ferrari #51 lediglich auf P8. Damit waren die Le-Mans-Sieger von 2023 die bestplatzierte Ferrari-Besetzung in der Startaufstellung zum diesjährigen Rennen. Antonio Fuoco, Miguel Molina, Nicklas Nielsen, im Ferrari #50 die Le-Mans-Sieger von 2024, starteten von P12. Und der im vergangenen Jahr in Le Mans siegreiche AF-Corse-Ferrari #83 mit Yifei Ye, Robert Kubica, Phil Hanson ging diesmal gar nur von P17 in die 24 Stunden.

Im Rennen selbst gab es für Ferrari diesmal ebenfalls wenig zu lachen. Am Ende standen P5, P7 und ein technisch bedingter Ausfall (Elektronik) im Rennergebnis der 24h Le Mans 2026. Was für die Scuderia aus Maranello außerdem bleibt, ist der Eindruck, dass man von der Balance of Performance (BoP), die in der WEC seit Saisonbeginn 2026 nicht mehr veröffentlicht wird, diesmal stark benachteiligt wurde.

"Ich glaube, es war schon seit dem Testtag, vielleicht sogar noch länger schon, offensichtlich, dass das Feld in diesem Jahr unausgeglichen war und dass wir nicht zu denjenigen zählten, die ganz vorne mitfahren konnten", sagt Mauro Barbieri, bei Ferrari der Chefdesigner in der Langstreckenabteilung, nach der 94. Auflage der 24 Stunden von Le Mans.

"Trotzdem haben wir alles versucht. So haben wir in der Rennwoche unterschiedliche Abstimmungsphilosophien ausprobiert, um den Rückstand möglichst zu verkürzen. Es war uns aber nicht möglich, einen Sprung zu machen, der groß genug gewesen wäre, um einen derartigen Rückstand aufzuholen", so Barbieri.

Viel versucht, aber nicht viel erreicht

Der bestplatzierte Ferrari im Ziel war der 499P mit der Startnummer 51 von Pier Guidi/Calado/Giovinazzi. Ihr Rückstand auf den siegreichen Toyota mit der Startnummer 7 betrug am Ende mehr als zwei Minuten. "Im Rennen haben wir es mit Doppelstints und Triplestints versucht. Außerdem haben wir, je nach Tageszeit, unterschiedliche Reifenmischungen probiert, noch dazu in unterschiedlichen Kombinationen", so Barbieri.

Damit spricht der Chefdesigner auf den Umstand an, dass die Ferrari 499P drei von nur wenigen Hypercars waren, die im Rennen nicht immer mit einer rundum einheitlichen Reifenmischung fuhren.

So probierte man es beispielsweise mit drei Soft- und einem Medium-Reifen, oder mit drei Medium- und einem Soft-Reifen. Das ist vom Reglement her erlaubt, brachte Ferrari aber auch nicht näher an die Konkurrenz, die diesmal von Toyota, BMW und Cadillac angeführt wurde. Auch die Fahrer ließen bei Ferrari nichts unversucht.

So fing sich Antonio Fuoco im Ferrari #50 in der dritten Stunde eine Verwarnung ein, nachdem er beim Überrunden eines LMP2-Boliden in Tertre Rouge mit diesem kollidiert war und sich dabei gedreht hatte.

Alessandro Pier Guidi im Ferrari #51 kassierte in der vierten Stunde eine Durchfahrtsstrafe, weil er beim Überrunden in den Esses seinerseits mit einem LMP2-Auto aneinandergeraten war. Und Robert Kubica im AF-Corse-Ferrari #83 fing sich in der 15. Stunde eine Durchfahrtsstrafe ein, als er in einer Slow-Zone zu schnell war.

"Die Fahrer haben 24 Stunden lang extrem hart gepusht und sind enorme Risiken eingegangen", sagt Barbieri und bezeichnet den fünften Platz, der am Ende für Pier Guidi/Calado/Giovinazzi herausgekommen ist, als das Maximum, was möglich war.

Platz fünf laut Ferrari-Chefdesigner "das absolut Bestmögliche"

"Seit dem Testtag waren sieben Autos schneller als wir. Wenn man die beiden Alpine noch dazurechnet, waren es wahrscheinlich sogar noch zwei mehr. Dass wir trotzdem auf P5 anstatt auf P10 abgeschlossen haben, das zeigt, dass wir das absolut Bestmögliche herausgeholt haben", so der Ferrari-Chefdesigner.

Die Datenanalyse der 24h Le Mans 2026 offenbart, dass sich die Ferrari 499P im Rennen, bezogen auf die besten 60 Prozent der Runden jedes Fahrzeugs, auf P6, P7 und P10 einreihten. Das Hauptproblem für Ferrari war aber nicht etwa fehlender Topspeed. Sowohl in der Topspeed-Wertung des Rennens als auch der gesamten Le-Mans-Woche markierte der Ferrari #51 mit 351,8 km/h gleichauf mit dem als Ausfall notierten Cadillac #38 (Bamber/Bourdais/Aitken) den Bestwert.

Antonio Fuoco, Nicklas Nielsen, Miguel Molina

Langsame Kurven wie die Schikane vor Start/Ziel waren die Achillesferse für Ferrari

Foto: Rainier Ehrhardt

Laut Mauro Barbieri war es das Tempo in den langsamen Kurven, was unterm Strich für den Rückstand auf Cadillac und Co. verantwortlich war: "Bezogen auf den Topspeed waren wir vorne dabei. Trotzdem waren die Rundenzeiten nicht gut genug. Es waren in erster Linie die langsamen Kurven, wo wie Zeit verloren haben. Das ist eine Tatsache."

Ernüchterndes Fazit der Ferrari-Fahrer

Die Fahrer klingen ganz ähnlich. Nicklas Nielsen spricht von "einem schwierigen Rennen und mit Sicherheit nicht dem Ergebnis, das wir uns gewünscht hätten". James Calado sagt, dass man schon vor dem Start wusste, dass "uns im Rennen die Pace fehlen würde. Trotzdem hatten wir Hoffnung und haben alles versucht. Am Ende aber wurde es eine Enttäuschung". Und Robert Kubica spricht von "einem schwierigen Rennen, in dem wir zwar einige Positionen aufgeholt haben, aber letztlich nicht genug. Ich kann nur sagen, wir haben alles gegeben".

Die 24h Le Mans waren im WEC-Kalender 2026 das dritte von acht Rennen und der Saisonhöhepunkt. Das nächste Rennen sind am 12. Juli die 6h Sao Paulo in Brasilien. Dort hat Ferrari in der Topklasse der WEC noch nie gewonnen. In der WEC-Fahrerwertung 2026 ist die bestplatzierte Ferrari-Besetzung aktuell Tabellenfünfter. Es sind die Titelverteidiger Pier Guidi/Calado/Giovinazzi im 499P mit der Startnummer 51.

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