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Porsche behält Austin-Sieg, Ferrari fordert Strafe

Kevin Estre entgeht einer Bestrafung für einen Rammstoß gegen Alessandro Pier Guidi unter Safety-Car - Dessen Teamkollege ist damit nicht einverstanden

Porsche behält Austin-Sieg, Ferrari fordert Strafe

Kevin Estre, Laurens Vanthoor und Matt Campbell behalten den WEC-Sieg in Austin

Foto: Porsche Porsche

Verwarnung. Das ist das Resultat der Untersuchung gegen den siegreichen Porsche #6 (Estre/L. Vanthoor/Campbell). Der Sieg beim Lone Star Le Mans auf dem Circuit of the Americas hing für den Porsche 963 für noch knapp drei Stunden nach der Zieldurchfahrt in der Luft.

Am späten Abend Ortszeit (5 Uhr morgens in Europa) wurde dann das Urteil gefällt: Kevin Estre erhält für die Berührung von Alessandro Pier Guidi eine Verwarnung. Es geht nicht um das reguläre Manöver in der ersten Kurve, bei dem sich der Ferrari-Pilot einen Reifenschaden anfing, sondern um einen Rammstoß wenige Meter zuvor in der Zieleingangskurve beim Restart.

Estre versuchte beim vorletzten Neustart mit 1:45 Stunden Restzeit bereits beim Rausbeschleunigen aus der letzten Kurve auf die Zielgerade, sich neben Pier Guidi zu setzen, um in Kurve 1 zu attackieren. Dabei fuhr der dem Ferrari 499P leicht aufs Heck.

Da dieser Kontakt noch unter Safety-Car-Bedingungen zustande gekommen ist, wurde eine Untersuchung eingeleitet und sogar Teammanager Francis Schammo von Porsche Penske Motorsport zu den Sportkommissaren beordert.

Diese entschieden letztlich auf Verwarnung. "Nach einem Review von Videoaufnahmen kommen die Stewards zu dem Schluss, dass Fahrzeug #6 eine leichte Berührung mit Fahrzeug #51 mit dem Heck von Fahrzeug #51 am Ende der Safety-Car-Phase hatte. Nach intensiven Überlegungen kommen sie zu dem Schluss, dem Fahrer von Fahrzeug #6 eine Verwarnung auszusprechen", heißt es im offiziellen Dokument.

Estre glaubt, dass Pier Guidi ihn in eine Falle schicken wollte und den Scheitelpunkt der letzten Kurve bewusst verlangsamt habe, um ihm keinen Raum auf der Innenbahn zu geben: "Ich habe in den ersten vier Stunden die Regenlinien meiner Teamkollegen studiert, um einen guten Restart hinlegen zu können. Dann ist Pier Guidi in der letzten Kurve etwas vom Gas gegangen, deshalb ist es etwas eng geworden."

Das dürfte auch der Grund sein, warum die Sportkommissare von einer härteren Strafe absahen, denn die Linienwahl Pier Guidis lässt diese Interpretation zu. Es ist nicht ganz klar, ob der Italiener wirklich verlangsamt hat oder einfach nur seine eigene Regenlinie gefahren ist, jedenfalls war der Verstoß für eine Strafe, die das Ergebnis verändert hätte, offenbar zu geringfügig.

Ferrari fordert Strafe für andere Szene

Die Strafe hat somit keine Auswirkungen auf das Rennergebnis. Eine Entscheidung, die James Calado, Teamkollege von Alessandro Pier Guidi, für eine Fehlentscheidung hält. Allerdings nicht für die untersuchte Szene, sondern für den Kontakt in Kurve 1.

"Es ist bedauerlich, dass er keine Strafe bekommen hat", sagt Calado über den Vorfall, der die #51 das Rennen kostete. Was mich überrascht, ist, dass wir in der [LMGT3] gesehen haben, was passiert ist: Es gab einen kleinen Kontakt, beide sind weitergefahren und der Ferrari hat eine Strafe bekommen. Es ist schwer, diese Logik zu verstehen, aber wir müssen das Ergebnis einfach akzeptieren und weitermachen."

Er bezieht sich hier auf die Strafe gegen den AF-Corse-Ferrari #54 (Flohr/Castellacci/Rigon) von Davide Rigon, der im Kampf um die Führung dem Proton-Ford #77 (Sousa/Tuck/Barker) in der Spitzkehre ins Auto fuhr und eine 5-Sekunden-Strafe kassierte.

Allerdings, auch das muss angemerkt werden, hätte eine 5-Sekunden-Strafe gegen Estre das Resultat nicht verändert. Der Porsche #6 hatte auf der Ziellinie 8,625 Sekunden Vorsprung auf den zweiplatzierten Ferrari #50 (Fuoco/Molina/Nielsen) und hätte das Rennen somit immer noch gewonnen.

Estre sieht sich in dieser Szene ohnehin im Recht: "Ich wusste, dass ich früh überholen wollte, also habe ich es versucht, und dann hatten wir wieder eine kleine Berührung. Ich war auf der Innenseite. Er wollte mir keine Tür öffnen, also weiß ich nicht." Die Szene wurde nicht einmal untersucht.

Calado zufolge wollte Pier Guidi wegen der WM-Situation ohnehin nicht kämpfen: "Ale sagte, er wollte gar nicht kämpfen, weil wir an die Meisterschaft gedacht haben und wir hatten sogar vorher darüber gesprochen."

"Estre hat uns im Grunde genommen berührt. Es war nur eine kleine Berührung, aber sie reichte aus, um unseren Reifen zu beschädigen, und damit war das Rennen für uns gelaufen. Wir hatten auf jeden Fall das Tempo, um zu gewinnen."

Auch in anderen Kämpfen in der Hypercar-Klasse entschieden sich die Sportkommissare, nicht zu bestrafen, darunter auch bei einer Untersuchung gegen die #51. Sie kam für eine Berührung mit dem Porsche #5 (Andlauer/Christensen/Jaminet) genauso straffrei davon wie der Aston Martin #007 (Tincknell/Gamble). Porsche musste bei der #5 infolge der zwei Berührungen die Heckpartie beim letzten Stopp tauschen.

Auch in weiteren Fällen, etwa im Duell des Ferraris #50 mit dem Cadillac #12 (Lynn/Nato/Stevens) oder des Zweikampfs zwischen dem Peugeot #94 (Duval/Jakobsen/Vandoorne) und dem AF-Corse-Ferrari #83 (Kubica/Ye/Hanson) entschieden die Sportkommissare, keine Strafen zu verhängen.

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