Technikchef erklärt: Was beim Toyota #8 an der Bremse schiefgegangen ist
Nicht der siegreiche Toyota #7, sondern das von Buemi/Hartley/Hirakawa gefahrene Schwesterfahrzeug war in Le Mans das schnellste Auto, aber es gab Schwierigkeiten
Sebastien Buemi, Brendon Hartley, Ryo Hirakawa kamen in Le Mans auf P3 ins Ziel
Foto: JEP JEP
Die 24 Stunden von Le Mans der laufenden WEC-Saison 2026 wurden am vergangenen Wochenende von Toyota gewonnen. Allerdings lag nach Ablauf der zweitägigen Renndistanz nicht dasjenige Auto des Teams vorne, welches das schnellere war.
Die Datenanalyse der 24h Le Mans 2026 zeigt, dass der Toyota #8 von Sebastien Buemi, Brendon Hartley, Ryo Hirakawa das schnellste Auto im Feld war, wenn man pro Fahrzeug die besten 60 Prozent der Runden berücksichtigt. Der am Ende siegreiche Toyota #7, gefahren von Mike Conway, Kamui Kobayashi, Nyck de Vries, war gemäß Analyse nur das viertschnellste Auto.
Im Endergebnis des Rennens aber hatte der Toyota #7 als siegreiches Fahrzeug 20,4 Sekunden Vorsprung auf das Schwesterauto, das noch hinter dem WRT-BMW #20 (Frijns/Rast/S. van der Linde) auf dem dritten Platz ins Ziel kam.
Den Ausschlag dafür, dass der "falsche" Toyota gewonnen hat, gaben laut Sebastien Buemi ein Problem an der Bremse des TR010 Hybrid mit der Startnummer 8, sowie seiner Meinung nach "ein bisschen Pech mit der Strategie".
"Ich bin ein wenig enttäuscht. Es ist schwer zu schlucken, aber so ist es nun mal", sagt Buemi. "Man braucht bei diesen Rennen auch ein bisschen Glück und gutes Timing. In der Anfangsphase waren wir deutlich schneller [als der Toyota #7] und auch am Morgen sahen wir noch gut aus."
Dann aber kam eins zum anderen. Kurz nach Halbzeit des Rennens kassierten Buemi/Hartley/Hirakawa eine Durchfahrtsstrafe. Und in der 18. Stunde musste man einen langen Boxenstopp einlegen, weil an einem der Räder die Befestigung der Bremse getauscht werden musste. Die Arretierung hatte sich gelöst und die Felge beschädigt.
Entscheidungen bei Zwischenfällen: Buemi hinterfragt Rennleitung
Bevor Buemi auf das Problem mit der Bremse zu sprechen kommt, merkt er zunächst an: "Wir haben die Strafe kassiert und hatten außerdem Pech mit einer Slow-Zone. Wir waren gerade schon mitten drin, als sie aktiviert wurde."
"Manchmal ist es nicht ganz einfach zu verstehen, wann sie für Safety-Car, wann für Slow-Zone und wann für Full-Course-Yellow entscheiden", übt Buemi leichte Kritik an der Rennleitung. Die Sichtweise des Toyota-Routiniers aus der Schweiz: "Man hat manchmal das Gefühl, dass es vergleichbare Zwischenfälle sind, nahezu identisch. Aber einmal kommt ein Safety-Car, ein anderes Mal eine Full-Course-Yellow."

Sebastien Buemi kann die Entscheidungen in Le Mans nicht immer nachvollziehen
Foto: Marc Fleury
Damit bezieht sich Buemi auf die erste von zwei Safety-Car-Phasen im Rennen. Die wurde kurz vor Mitternacht ausgerufen, als der AF-Corse-Ferrari #54 aus der LMGT3 Klasse im Kiesbett der Esses feststeckte.
"Da hatten wir ein bisschen Pech", so Buemi und weiter: "Und später, als Ryo [Hirakawa] im Auto saß, gab es eine Durchfahrtsstrafe, weil wir das Speedlimit in der Boxengasse um 0,1 oder 0,2 km/h überschritten hatten. Es gab ein kleines Problem mit dem Pit-Limiter für 80 km/h."
Lockere Bremsbefestigung sorgt für langen Boxenstopp
Das weitaus größere Problem war aber jenes mit der Bremse. "Eine Schraube der Befestigung der Bremse hatte sich gelöst. Dadurch wurde die Felge beschädigt, weshalb repariert werden musste. Allein dadurch haben wir eine Minute verloren", so Buemi.
Toyota-Technikchef David Floury erklärt im Detail, was schiefgegangen ist: "Nach besagtem Boxenstopp stellten wir fest, dass die Bremse stark verqualmt war. Und dann bemerkten wir, dass die Felge beschädigt war. Auf dem Boxenplatz haben wir eine Schraube gefunden und versuchten herauszufinden, woher sie stammte. Dazu haben wir eine Ersatz-Bremsbefestigung als Vergleich herangezogen."

David Floury, Technikchef bei Toyota, erklärt das Problem mit der Bremse
Foto: Getty Images
"Dabei stellten wir fest, dass sich in Wahrheit zwei Schrauben gelöst hatten. Das Problem mussten wir beheben, aber das ging nur in zwei Schritten. Der zweite Schritt passierte während einer Safety-Car-Phase, was uns natürlich entgegenkam. Nachdem wir das Problem vollständig behoben hatten, war alles in Ordnung", so Floury.
Toyota #7 in der Schlussphase schneller als Toyota #8
Im Verlauf des 24-Stunden-Rennens verbrachte der Toyota #8 insgesamt 45 Minuten und 36 Sekunden an der Box. Zum Vergleich: Der siegreiche Toyota #7 stand nur für 42 Minuten und 56 Sekunden. Der Zeitverlust in der Boxengasse war aber nicht der alleinige Grund für die Reihenfolge der beiden Autos im Ziel.
"Letzten Endes", so Buemi, "hatten wir ein bisschen Pech mit der Strategie. Am Auto mit der Startnummer 7 wurden frische Reifen zuerst montiert, anschließend an unserem Auto. Danach steckten wir eine ganze Weile hinter dem Cadillac (#12 von Stevens/Nato/Deletraz; Anm. d. Red.) fest. Das ermöglichte es, dass die #7 zügig näher und letztlich locker vorbei kam".

Im Ziel jubelten Mike Conway, Kamui Kobayashi, Nyck de Vries über den Sieg
Foto: Rainier Ehrhardt
Nachgefragt bei David Floury, weshalb das Auto mit der Startnummer 7 in den letzten Stunden des Rennens der schnellere der beiden TR010 Hybrid war, antwortet der Toyota-Technikchef: "Das hing mit den Streckenbedingungen, dem Verkehr und den jeweils aufgezogenen Reifen zusammen."
"Wir waren nicht immer mit beiden Autos gleichzeitig mit frischen Reifen unterwegs. Es gab hin und wieder Verschiebungen, weil natürlich ein Auto zwangsläufig vor dem anderen an die Box kommt. Ich würde sagen, bei normalen Streckenbedingungen waren sich beide Autos von der Performance her ebenbürtig", so Floury.
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